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Dota Kehr mit neuem Album in der Scheune

Auf dem Rennrad der Liebe Dota Kehr mit neuem Album in der Scheune

Von weitem sieht Dota Kehr, 36, immer noch jugendlich aus. So wie früher, 2004, als sie in einem sehr kleinen Keller-Club auftrat, der längst nicht mehr existiert. Sie springt vielleicht nicht mehr ganz so viel auf der Bühne herum, aber sie redet immer noch so abgehackt und so schnell.

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Quelle: PR

Dresden. Von weitem sieht Dota Kehr, 36, immer noch jugendlich aus. So wie früher, 2004, als sie in einem sehr kleinen Keller-Club auftrat, der längst nicht mehr existiert. Sie springt vielleicht nicht mehr ganz so viel auf der Bühne herum, aber sie redet immer noch so abgehackt und so schnell, als fürchte sie, jemand könnte ihr jeden Moment das Mikro abdrehen, weil sie zu viel Quatsch erzählt.

Dabei sind ja alle im ausverkauften Scheune-Saal nur wegen ihr da. Ihretwegen standen sie in der eisigen Schlange vor der Tür - die Tickets ließen sich so schlecht scannen - und blicken nun auf das hüpfende Wesen im Glitzerkleid. Auf eine Musikerin, die mit "Keine Gefahr" vor acht Tagen ihr "gerade komplett entknautschtes und entknittertes" neues Album rausbrachte. Das ungefähr dreizehnte, je nach Zählweise, ob live, solo oder mit Band. Wie immer im Eigenvertrieb, bei Kleingeldprinzessin Records.

Aus dem Prinzessinnenkleid herausgewachsen

Diesen Namen allerdings hat sie vor zwei Jahren abgelegt. Sie will nicht mehr die niedliche Kleingeldprinzessin sein, als die sie so viele Konzerte absolvierte. Anfangs ohne Band und Technik. Mit 14 stand sie das erste Mal mit ihrer Gitarre auf der Straße und musizierte. Eine Mutprobe. Bald konnte sie von dem erspielten Geld verreisen und auch dort auf der Straße spielen. Brasilien wird das Land, das ihre Musik schwer beeinflusst, der Titel der Bossa Nova-Prinzessin haftet ihr fast genauso lang an.

Doch jetzt, 2016, steht da oben auf der Bühne eine erwachsene Frau, die zwei Kinder hat und eine gut laufende Firma. Und eine, die immer noch jede Menge sagen will, darüber, was schiefläuft in der ersten Welt oder sich wenigstens merkwürdig anfühlt. Ihre Schlaraffenland-Kritik ist nicht mehr ganz so spritzig wie früher, die Botschaften sind jetzt oft sattelfester. "Wo ist oben, wo ist unten? Wer könnte, wer wollte das ändern? Was geschieht in den Ländern, an ihren Rändern?" Erdenbürger will sie im Pass stehen haben, heißt es dann weiter in diesem Song namens "Grenzen".

Grenzen, Kapitalismus, Rassismus - alles Dinge, die sie in ihren Liedern seit jeher verurteilt. Am unterhaltsamsten tut sie es dieses Mal in den drei Soli im Mittelteil. Sie fragt sich, ob man von Geld ein Karma wie das von Dieter Bohlen bekommt, wie man einen Rassisten diskriminiert, in den man sich gerade verliebt, oder, beim Schieben eines Kinderwagens, wann sie endlich wieder mit dem Kiffen anfangen kann. Auf der richtigen Seite steht Dota sowieso, aber es ist ihr Witz, der das musikalisch integrierbar macht.

Und dann gibt es ja noch ihre lebensbejahenden Liebeslieder, immer mindestens eins auf jeder Platte, neben den vielen melancholischen. Dieses Mal ist es "Rennrad". Ein schöner Mann, mit dem sie sich gemeinsam in die Ferne träumt, und dann sieht sie in ihrer Fantasie leider auch gleich die vielen Jahre, in denen sie sich streiten und anöden werden, und beschließt, dass es besser ist, wenn er bei seiner schönen Freundin bleibt und sie sich nur so ein schickes Rennrad kauft, wie er es fährt. Selbstbestimmung, auch textlich eines ihrer wichtigsten Themen.

Musik öffnet sich ins Elektronische

Neu an Dota, der Band, ist, dass sich ihre Musik ins Elektronische öffnet. Vor allem durch den blinden Pianisten Jonas Hauer, der mit seiner dunklen Brille und dem Hut optisch eine schöne Blues Brothers-Reminiszenz darbietet. Mit seinen Synthesizer-Einschüben jedoch verändert er den sonst von internationalen Rhythmen befeuerten Gitarren-Bass-Schlagzeug-Klang einiger Lieder. Er verleiht ihnen ein wenig von dieser künstlichen Dichte, die zwar nicht notwendig gewesen wäre, aber als schöne Abwechslung betrachtet werden kann. An Synthesizern kommt ja scheinbar dieser Tage eh niemand mehr vorbei. Und älteren Liedern, wie dem von einem Reggae-Rhythmus tiefergelegten "Utopie", das Dota als Zugabe spielt, schadet es nicht, wenn sie mal ganz anders interpretiert werden. Ihr Publikum an diesem Abend ist im elektronischen Teil etwas hüftsteif. Vielleicht ist es überrascht vom neuen Sound, sicher aber nicht unzufrieden, was der vielmalige Applaus nahelegte.

Dotas neues Album jedenfalls stieg jetzt in die VIVA-TV-Charts ein. Auf Platz 14. Es steht damit in einer Liste mit Künstlern wie Azad (deutsch-kurdischer Rapper), David Bowie (gerade verstorbene Musiklegende) und BAP (Kölschrockband), was irgendwie auch schon wieder ziemlich witzig ist.

Am 3. März spielt Dota (solo) in der Schauburg ihr jährliches Soli-Konzert für "Dresden Nazifrei". www.kleingeldprinzessin.de

Juliane Hanka

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