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Doris Schmidt, die mit ihrem Mann Klaus Kunst in Dresden sammelte, ausstellte und förderte, ist tot

Doris Schmidt, die mit ihrem Mann Klaus Kunst in Dresden sammelte, ausstellte und förderte, ist tot

Es ist schwer, sich dieses Bild vorzustellen: das Sammlerehepaar Doris und Klaus F.K. Schmidt - ohne sie. Ohne diese kluge, warmherzige, fröhliche Frau. Die in Herne in Westfalen Geborene ist am 27. Dezember - nach kurzer schwerer Krankheit - gestorben.

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Ein stiller, intensiver Moment: Doris Schmidt bei einem Ausstellungsbesuch.

Quelle: Herbert Boswank

Heute wird sie in Köln im Kreis ihrer Familie und auch ihrer Dresdner Freunde beerdigt.

Doris Schmidt, Jahrgang 1941. Wohl kaum einer, der sich in Dresden mit Kunst beschäftigt und nicht ihren Namen kennt, sie nicht deutlich vor Augen hat. Wenn sie über Kunst sprach, diskutierte sie mit ihren Augen, mit ihren Händen - leidenschaftlich, nie gleichgültig, nie oberflächlich. Sie ist 1990 mit ihrem Mann nach Dresden gekommen. Hier bauten sie gemeinsam neben ihrem Kölner Steuerbüro ein weiteres auf, hier gehörten sie auch zu den ersten, die sich für die neue Malerei in Dresden begeisterten und die Künstler der Galerie Gebr. Lehmann förderten. Das Ehepaar hat sich deutschlandweit einen Namen gemacht. "Doris Schmidt hat sich immer im Hintergrund gehalten, ihr Lachen aber hat alles immer überstrahlt", sagt Ralf Lehmann über diese ungewöhnliche Sammlerin. Sie sei so etwas wie die gute Seele gewesen, erinnert er sich weiter, ohne sie hätte es viele Begegnungen in der internationalen Kunstwelt nicht gegeben: "Sie war sehr aufmerksam, ganz wach, ganz bei der Sache. Auch wenn ihr Mann sich vielleicht um die Geschäfte gekümmert hat, sie hat sich gleichberechtigt wie er für unsere Künstler interessiert, lange bevor sich überhaupt jemand darum scherte."

Das Ehepaar Doris und Klaus Schmidt seien bürgerliche Sammler und Mäzene, ganz in der Tradition, die die Kunststadt Dresden vor dem 2. Weltkrieg ausgezeichnet hat. Sie sammeln modern, klug, weitsichtig und immer auch sehr privat, auch weil sie frei von kunsthistorischen, marktrelevanten und anderen spekulativen Überlegungen seien, meint Wolfgang Holler, Generaldirektor Museen der Klassik Stiftung Weimar. Er kennt die Sammler aus seiner Zeit als Direktor des Kupferstich-Kabinetts Dresden: "Ich glaube, solch ein Sammlerehepaar wird es so schnell in Deutschland, gleich gar nicht in Ostdeutschland mehr geben. Ihre Generosität hat nicht nur mir die Arbeit im Museum sehr erleichtert, auch die meiner Kollegen anderer Häuser. Auch wenn es den Schmidts nie um Leihgaben ging."

Holler erinnert sich daran, dass sich Doris Schmidt im Gespräch einmal als Ansammlerin bezeichnet habe. Diese Ansammlerin kuratierte für ihr Leben gern, weiß er noch: "2006, als wir fünfhundert Papierarbeiten aus ihrer Sammlung vorstellten, vom Anfang des letzten Jahrhunderts über Günther Förg, Thomas Schütte, Tacita Dean bis Hermann Glöckner, Jürgen Schön, Max Uhlig und Eberhard Havekost, da wollte sie es ganz genau wissen. Es war ihr eben nicht egal, wer neben wem hing, es musste für sie auch einen Sinn ergeben." Doris Schmidt, das sagt er noch, sei sehr frei im Denken gewesen, das habe sie zu einer wichtigen Gesprächspartnerin gemacht. Auch bei dem Forum für Kunst in der Gegenwart, ein Gesprächs- und Diskussionsforum, das im Dezember 2001 gegründet wurde und überwiegend bei den Schmidts zu Hause stattfand. "Ich wüsste nicht, wo es in Deutschland in dieser Qualität noch solche Foren gegeben hat", meint Wolfgang Holler.

Was an Doris und Klaus F.K. Schmidt so fasziniere, fügt Ralf Lehmann hinzu, sei ihr breitgestreutes Interesse für Literatur, Theater, Musik. Als Lyc Tuymans dem Staatsschauspiel Dresden im letzten Jahr zwei Wandbilder geschenkt hat, hat er das auch gemacht, weil das Sammlerehepaar ihn dabei finanzkräftig unterstützt habe, sagt der Galerist. "Und auch hier wieder war Doris Schmidt die gute Seele, sie stand voll und ganz hinter dem Projekt. Ich meine, das wissen wir noch gar nicht, wie sehr uns diese Frau fehlen wird. Wir werden es aber spüren, schneller und deutlicher, als wir heute ahnen."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 08.01.2014

Amely Clemens

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