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Doppelschau von Gudrun Brückel und Sandor Dóró in der Galerie Mitte

Doppelschau von Gudrun Brückel und Sandor Dóró in der Galerie Mitte

Das Unterbewusste zu Tage fördern, es gestalten und immer aus der eigenen Lebensarbeit und Biografie (Karin Weber) schöpfen, den Ängsten und Ahnungen auf der Spur, sind die Arbeitsprinzipien der beiden Künstler Gudrun Brückel und Sandor Dóró, die nun erstmals in einer gemeinsamen Ausstellung bemerkenswerte Blickpunkte setzen.

Beide kennen sich seit Ende der 90er Jahre und hatten bereits Einzelausstellungen in der Galerie Mitte. Jetzt kam eine Präsentation zustande, die das beinahe ideale Zusammenklingen beider Handschriften demonstriert.

Es sind ominöse Verwandlungen, die durch Verfremden des Materials oder durch eine offene, stark reduzierte Zeichnung entstehen: Gudrun Brückel schichtet in ihren montierten "Idealveduten" das fotografische Material um und erklebt sich aus Altem etwas Neues, in dem eigene und allgemeine Ängste und Faszinationen zusammenwirken. Sandor Dórós Kunst erfährt auf dem Papier im Augenblick des Zeichnens und Malens existentielle Dichte und handschriftlich-gestische Originalität, die das Kreatürliche (Tier und Mensch) ebenso sicher wie in den Mischtechniken aus der Serie "Innere Landschaften" zu fast minimalistischen Fantasien zusammenfasst. Sinnfragen werden von beiden auf jeweils eigensinnige Art gestellt und kommen aus dem Reich ihrer Befürchtungen und Träume, werden zu Zeichen des Widerstandes gegen das Grauen. Den Betrachter immun dagegen machen, bedeutet, den Teufel mit dem Beelzebub austreiben. Das kann durchaus faszinierend sein.

Der Schrecken, der einem bei den Landschaften Gudrun Brückels durchfährt, ist heilsam und anregend. Der einsame Ponton im Meer, bestückt nur mit einem Bäumchen und einem schützenden Iglu, wird zum Gleichnis der Gratwanderung einer Künstlerexistenz: Einsam auf der bleiern-kalten Schwere des Meeres treibend, behauptet sich ein artifizielles Biotop, das der Künstler braucht, umgeben von den zerstörerisch-chaotischen Kräften des Kosmos, um mit seinen Werken überleben zu können. Manche Bilder blenden auch kulturelle Versatzstücke ein, wie Häuser, Kreuzfahrtschiffe oder Boote, die vor hohen Felswänden über einen golden glänzenden Fluss ihre Spur ziehen. Damit spannt Gudrun Brückel den Bogen von der archaischen Gesellschaft bis zur Moderne. Ein Käfig auf einer Insel könnte in Guantanamo stehen oder Ezra Pounds Gefängnis in Pisa sein. Bedrohung überall, durch die Macht der Natur, aber auch durch eine fragwürdige Kultur, wird zum Gleichnis auf das Überleben nach der Katastrophe. Manche betont süßliche Naturauffassung ("Romantische Landschaft", 2013) konkurriert dabei mit strengen und kalten Bildern von Seen, Eisschollen, Gletschern und Vulkanen, Hochgebirgen, Atollen, die im Himmel schweben, aber auch von gefährlich am Abgrund stehenden Häusern und Schlössern. Die Gefahr, die vom Menschen für den Menschen ausgeht, drückt sich auch in den Industriepanoramen aus ("Spurensucher", 2013) oder in seinen Hinterlassenschaften nach einem möglichen Supergau ("Weite, Stille, Leere" und "Stille", 2012). Faszinationen der Natur ("Aurora borealis") wie die über den Dächern fackelnden grünen Nordlichter und das "Eismeer" (2013) nehmen die Natur als das, was sie für den Menschen (besonders für den Künstler) sein sollte: Quelle von Anregung und Fantasie.

Sandor Dóró fügt sich mit seiner Serie "Innere Landschaften" ideal in den Kontext der Ausstellung. Seine Werke sind hermetischer und spröder: In den fünf im Flur befindlichen Mischtechniken spielt der Maler mit Linien und Flächen, immer um Gleichgewichte bemüht. Seltsame Vehikel und verspannte Räume werden nur angedeutet, manches bleibt unerklärbar klandestin. Wie ein Formenschock tauchen seltsame, fast zeichenhafte Gebilde auf, fingern in den Raum, biegen sich oder ballen sich zusammen, sind aus dem Unterbewussten aufgestiegen, schwingen zwischen Informel und einer vagen Gegenständlichkeit. Dórós figürliche Arbeiten (meist Mischtechniken und Tusche-Zeichnungen) lösen sich vom Zwang der Konvention, behalten aber immer etwas Tiertypisches. Reales verschwimmt mit Fantastischem. Seine "Tierbilder" ("Stier", 2009) verbinden sich mit der Magie der kreatürlichen Erscheinung, der bloße Umriss erhält seine irrationale Ergänzung durch schattig lavierte Flächen und Striche mit breitem Pinsel. Manchmal erfahren die Bilder eine Symbiose aus tierischen und menschlichen Attributen wie in "Vogelfrau" und "Fischfrauen" (2009). In einigen Bildern fungiert die von früheren Arbeiten zitierte sargähnliche Kastenform als Metamorphose des Figürlichen, als Fortsatz oder konstruktivistische Erweiterung, die das Organische mit der Geometrie der Linie konfrontiert und dadurch eine reizvolle Abständigkeit schafft.

bis 18. Mai, Galerie Mitte, Striesener Straße 49, geöffnet Di-Fr 15-19, Sa 10-14 Uhr, Kontakt: 0351/ 459 00 52

www.galerie-mitte.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 10.05.2013

Weißflog, Heinz

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