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Doppeljubiläum: Die Alte Zionskirche in Dresden wird 100, die neue 30 Jahre

Doppeljubiläum: Die Alte Zionskirche in Dresden wird 100, die neue 30 Jahre

Schon das Doppeljubiläum ist etwas Besonderes. Gefeiert wird eine Kirche, die in zwei Versionen existiert: die alte Zionskirche in der Dresdner Südvorstadt wird 100, die neue 30 Jahre alt.

Das Ungewöhnlichste jedoch sind die Umstände, unter denen die beiden Gebäude errichtet wurden. Die ältere verdankt ihre Existenz einem Unternehmerehepaar. An das erinnert eine historische Sandsteintafel, die das städtische Denkmalamt Ende August an alter Stelle außen in der Mauer wieder hat anbringen lassen:

"Hier ruht an der Seite seiner Gattin im Frieden der Kirche, die er stiftete Johann Hampel, geb. 11. Dez. 1836 - gest. 30. Dez. 1896". Ernestine, so der unerwähnt gebliebene Name der Gattin, und ihrem Mann waren Kinder versagt geblieben. Ihre Maschinenfabrik an der Zwickauer Straße hatte einigen Gewinn abgeworfen, wie Claudia Kramer erzählt, Sprecherin der Zionsgemeinde. So habe das Paar der Stadt Dresden 750 000 Reichsmark vermacht.

Unter Auflagen: Eine Kirche sollte gebaut werden und darin die letzte Ruhestätte der beiden. Bei der katholischen Kirche, der Hampel angehörte, hob man ob des Ansinnens beide Hände: Was allenfalls bei Bischöfen oder Heiligen denkbar gewesen wäre, war bei einem Fabrikanten gänzlich ausgeschlossen. Das evangelisch-lutherische Konsistorium erwies sich da als wesentlich gewiefter, obwohl Grabstellen in Kirchen Mitgliedern des Königshauses vorbehalten waren. 1901 legte sie einen Grundstein, auf den letzten Drücker. Baubeginn fünf Jahre nach seinem Ableben, hatte Hampel verfügt.

Über dem Grundstein wurde eine provisorische Holzhütte errichtet, unter den Gemeindemitgliedern "Hampel-Baude" genannt. Erst 1912 war die Kirche fertig. Über der Gruft des Paares außen an der Mauer wurden Arkaden errichtet. So ruhten sie denn gemäß ihrem Vermächtnis in der Kirche, ohne im Kirchenschiff zu liegen.

Das Gebäude hatten die beiden Architekten Rudolf Schilling und Julius Graebner wie ihre zuvor, 1905, errichtete Christuskirche in Dresden-Strehlen im Jugendstil (auch "Reformarchitektur" genannt) gestaltet. Die Kanzel in der Mitte, dahinter in der Ecke der Altar. Darauf ausgerichtet nach unten hin abfallende bogenförmige Bankreihen. "Von oben betrachtet wie ein Tortenstück", sagt Claudia Kramer. Ein wenig von der kühnen Konstruktion und der Größe ahnt man noch, wenn man die Ruine betritt, auf der wie ein Blechdeckel ein provisorisches Dach sitzt.

Heute stehen und liegen hier, im Lapidarium der Denkmalpflege, dicht bei dicht Architektur-Fragmente und Denkmalskulpturen aus unterschiedlichen Zeiten. Zerstört worden war die Kirche von Bomben im Februar 1945. Die Gemeinde stand ohne Kirche da, war auf Provisorien angewiesen. Da zeigte sich wieder jemand spendefreudig. Diesmal der Lutherische Weltbund. Der wollte 1965, als der sächsische Landesbischof Gottfried Noth (1905-1971) 60 wurde, seiner Landeskirche eine Kirche schenken.

Die schwedische Kirche sollte sie an einen von den Sachsen gewählten Ort liefern. Ein gutes Dutzend Gemeinden meldeten sich. Die DDR-Behörden indes lehnten alle Bauanträge ab. 1978 änderte sich das. Beim Gespräch mit ranghohen Vertretern der evangelischen Kirche ließ sich Staats- und SED-Chef Erich Honecker die Zustimmung zu einigen Kirchenneubauten abringen. Die Zionskirchgemeinde stellte einen Antrag. Der wurde genehmigt. In 18 Monaten wurde sie unter Leitung des schwedischen Bauleiters Erik Granbom errichtet.

Alte Zionskirche: Nürnberger Str./Ecke Hohe Str.; 1908-1912 errichtet in Jugendstilformen nach Plänen von Rudolf Schilling und Julius Graebner; außen Sandstein, innen Ziegel und Stahlbetonkonstruktion; rund 1100 Sitzplätze, amphitheaterartig angeordnet; Kanzel heute in der Kreuzkirche; außen Kreuzigungsgruppe von Selmar Werner (1864-1953); 1945 ausgebrannt; heute Lapidarium der städtischen Denkmalpflege

Neue Zionskirche: Grundstück Bayreuther Str. 28 im Tausch mit der Stadt gegen das der alten Zionskirche; in 18 Monaten bis 1982 errichtet unter Leitung eines schwedischen Bauleiters als zweigeschossiger Ständerbau mit Klinkerverblendung, darauf Leimholzkonstruktion; rund 100 Sitzplätze; hinter Kirche einfaches Holzkreuz zum Gedenken an schwedischen Bauleiter Erik Granbom

Zion: ursprünglich Bezeichnung für alte Jebusiterstadt auf Südosthügel Jerusalems; später in Bibel Bezeichnung für den heiligen Berg, den Gott erwählt hat, zum Teil gleichbedeutend mit Jerusalem, auch dem himmlischen Jerusalem

Gemeinde: rund 1200 Mitglieder; Schwesternkirchverhältnis mit Auferstehungskirche Dresden-Plauen und Kirchgemeinde Coschütz-Gittersee

25. September: 15 Uhr, Vortrag zu Bau und Architektur der neuen Zionskirche

29. September: 19 Uhr, Lichterweg von alter Zionskirche zu neuer, Andacht

11. Oktober: 19.30 Uhr, Vortrag Prof. Dr. Hans Joachim Meyer "Plädoyer für eine realistische Ökumene"

23. Oktober: 15 Uhr, Vortrag Bau und Architektur der alten Zionskirche

29. Oktober: 19.30 Uhr, "Theologisches Quartett", Thema "Suchet den Herrn, so werdet ihr leben - Aufgabe unserer Kirche in den kommenden Jahren" mit Christian Schönfeld, Michael Kanig, Peter Meis, Christof Ziemer

31. Oktober: 9.30 Uhr, Festgottesdienst am Reformationstag mit Kantate "Preise Zion deinen Herrn"

4. November: 9.30 Uhr, Festgottesdienst mit Chören aus Kullavik (Schweden)

www.zionskirche-dresden.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 22.09.2012

Tomas Gärtner

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