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Donovan wird bald 70 – aber nicht, ohne in Dresden gewesen zu sein

Konzert Donovan wird bald 70 – aber nicht, ohne in Dresden gewesen zu sein

Natürlich stand auch Donovan Phillip Leitch auf der Liste! In reichlich zweieinhalb Jahrzehnten sind die Charts noch live zu hörender Helden kürzer geworden. Viele von ihnen hat man anderswo erwischt, bevor sie starben, für andere bedurfte es nur einer kleinen Fahrt in Spielorte der eigenen Stadt.

Donovan im Alten Schlachthof

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. Natürlich stand auch Donovan Phillip Leitch auf der Liste! In reichlich zweieinhalb Jahrzehnten sind die Charts noch live zu hörender Helden kürzer geworden. Viele von ihnen hat man anderswo erwischt, bevor sie starben, für andere bedurfte es nur einer kleinen Fahrt in Spielorte der eigenen Stadt. Wieder andere kamen seitdem mehrmals, obwohl das nicht immer eine gute Idee gewesen ist. Und über den auf ewig Verpassten schwebt eine letzte traurige Geste …

Offiziell hat stets der Vorname genügt. „Donovan!“, riefen seine Verwandten, Donovan schrieben die Lexika. Also kam er am Mittwoch genau als solcher in den prall gefüllten, bestuhlten Kleinen Saal des Alten Schlachthofs größtenteils zu treuen Fans, die in seinem Alter sind, knapp jünger oder sich dort wähnen. Für echte Vermischungen der Generationen sind andere 70-jährige Künstler zuständig.

Von Reihe 22 aus und mit einem ersten Abendgetränk intus, ging die Zeitmaschine an. Wie er da so saß, allein auf Podest und Kissen über weißem Schaffell und Teppich, mit mittig nur zart freigeschlagener Schneise im längeren Haupthaar, drückte er optisch ohne Mühe 20 Jahre in den Skat. Kraftvoller oder mitreißender aber war er schon damals nicht.

Donovan hatte in Dresden die bessere zweite Halbzeit. Es dauerte zunächst, bis seine Stimme mitmachen, sein so typisch langgezogenes Vibrato wirklich flattern wollte, bis er sich warmgesprochen und eingenordet hatte. Es fiel natürlich auf, weil Donovan zum 50. Bühnenjubiläum genauso unterwegs ist wie in seinen frühen Tagen, die zugleich seine besten gewesen sind: Als Solist und Singer/Songwriter der Sechziger mit einer einzigen akustischen Gitarre, höchstens zwei davon. Mit zwei Handvoll Liedern und einer Aura aus Nüchtern-, Bescheiden- und Schlichtheit, die ihm immer auch den Ruf eines hoffnungslos gestrigen Hippies eingebracht hat.

Beobachtet man Donovan heute, fallen einem Begriffe ein, die andere Kollegen schon früh abgelegt haben oder die ihnen durch rasante Brüche in der stilistischen Ausrichtung genommen wurden: Barde, Troubadour, Bänkelsänger. Er konnte immer eine Band haben, gebraucht hat er sie nicht. In den ersten Jahren war es höchstens Gypsy Dave, den er länger an sich herangelassen hat. Der Rest war immer ein Stammplatz am überdimensionalen Lagerfeuer.

So hat sich Donovan auch im Schlachthof noch einmal neu am legendären Jahrzehnt festhalten, sich im ersten, wie gesagt, eher müden Block von frühen Hitsingles wie „Catch The Wind“, „Colours“´, „The Little Tin Soldier“, „Jennifer Juniper“ oder „There Is A Mountain“ bedient. In leisen Ansagen ließ er biografisch-episodisch und fast im Stile eines Mantras die Namen von Bands und Solisten fallen, mit denen er mehr oder weniger dicht zu tun hatte. Schon hier verwies seine typische Sprechstimme und der mal stärker, mal schwächer ausgeprägte schottische Dialekt auf den Hit schlechthin, der natürlich „Atlantis“ heißt und dort erklang, wo es danach nur noch für die Zugabe „Mellow Yellow“ würde reichen können.

Alles ist direkt, überschaubar und völlig überraschungsfrei, erfüllt Erwartungen, so man überhaupt welche hatte, bringt auch mit gezücktem Smartphone im Fotomodus keinen Ärger, wird nach der Pause allerdings lebendiger. Donovan ist dann, im Rahmen seiner Möglichkeiten und seines Repertoires, aufgetaut und angekommen.

Buffy Sainte-Maries Cover „Universal Soldier“ erinnert die Donovan-Kritiker daran, dass er für eigenen handfesten Protest im Song nie zur Verfügung stand, auch nicht als Poet. Gleich das zweite Stück gibt die Antwort, weshalb das so war, denn er ging lieber in die gälische und keltische Folklore („Young But Daily Growing“), experimentierte zunächst zart mit Psychedelics („Hurdy Gurdy Man“) und liebreizendem Pop („Wear Your Love Like Heaven“, „Sunshine Superman), dann offener mit Symbolismus und Philosophie („Season Of The Witch“).

Dass sich Donovan, wie er bekennt, vorrangig beim Publikum bedanken will, wenn er sein 50. Dienstjubiläum mit einer Tour begeht, ist Teil einer nächsten Antwort. Jener auf die Frage, weshalb ihm noch jede Ambition abgeht, das Jahr 1996 überhaupt zu erwähnen. Nach Johnny Cash und vor Neil Diamond hatte sich Rick Rubin, der einflussreiche US-amerikanische Produzent, Donovan zum Wiederbeleben ausgesucht, mit ihm und edlen Studiogästen die CD „Sutras“ eingespielt (auch Josh Haden war dabei, der als Spain am 31. Mai wieder nach Dresden in die Tonne kommen wird).

„Sutras“ ist eine großartige Platte, die Donovans Art und Oeuvre respektierte und fortschrieb – für den Moment. Kein einziges Lied davon hält Donovan heute einer Bühnen-Reanimation für würdig. Tragisch für jene, die an diesem Dresdner Abend weiter-, statt nur zuhören wollten.

Der Beifall war trotzdem in Teilen euphorisch – er galt einer Biografie. Vielleicht auch der eigenen.

Von Andreas Körner

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