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Dominik Günther inszeniert Timm Thaler am TJG in Dresden

Dominik Günther inszeniert Timm Thaler am TJG in Dresden

James Krüss (1926-1997), der aus Helgoland stammende wunderbare Geschichtenerzähler, zieht nach wie vor Neugierige jeglichen Alters in seinen Bann. Bekannt geworden ist Krüss beispielsweise mit den so liebenswerten, fantasievollen Geschichten zu "Mein Urgroßvater und ich".

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Dominik Günther

Quelle: Roland Magunia/PR

Und natürlich auch mit "Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen", geschrieben 1958/59. Kein Wunder, dass es bei vielen Krüss-Fans Vorfreude darauf gibt, dass nun das Theater Junge Generation dazu ein Bühnenstück herausbringt - in der Textfassung und Inszenierung von Dominik Günther. Gabriele Gorgas hat mit ihm gesprochen.

Frage: Mit den Geschichten von James Krüss sind viele junge Leser aufgewachsen und das Buch "Timm Thaler oder das verkaufte Lachen" ist weithin bekannt. Was reizt Sie daran, es auf die Bühne zu bringen?

Dominik Günther: Für mich ist es spannend, dass dieses Buch auf so besondere Weise aktuell ist. Es erzählt davon, dass es kaum glücklich macht, wenn man reich und ganz oben ist, aber keine Freude mehr am Leben hat. James Krüss bezieht uns in das vielschichtige Geschehen ein, ohne auch nur irgendwie belehren zu wollen. Und diese Qualität ist kostbar ebenso für das Theater. Jeder muss für sich selbst entdecken können, was richtig oder falsch ist, kann sich auch irren, muss es herausfinden. Das Theater stellt keine Lösungen vor, es will eher zur Diskussion anregen. Und dafür ist diese Geschichte bestens geeignet. Auch die letztlich offen bleibende Frage, wie sich jeder selbst verhalten würde, wenn er ein solch attraktives Angebot erhält.

Hat die Verführbarkeit als gesellschaftliches Phänomen zugenommen?

Verführbar ist jeder, nur auf unterschiedliche Weise. Zugenommen hat vor allem die weitgehende Orientierung auf Profit und Erfolg. Es zählt überhaupt nur, wer erfolgreich ist. Das Fernsehen ist vollgestopft mit Geschichten solcher Verführbarkeit. Trotz der Kurzlebigkeit der vermeintlichen Erfolge streben immer mehr Leute, auch Jugendliche, danach, ganz nach oben zu kommen, und es wird ihnen suggeriert, dass sie die Zügel dabei selbst in der Hand halten. Für diese Art von Getriebenheit braucht es nicht einmal teuflischen Beistand. Da reicht auch Skrupellosigkeit, zuweilen gepaart mit Dummheit und Frechheit.

Ein Leben in Angst, nicht erfolgreich zu sein?

Jeder von uns ist ständig unterwegs auf diesen "Erfolgs-Leitern". Wir müssen uns mühsam immer weiter hoch arbeiten, und dann plötzlich, wie im Computerspiel, fällt uns ein "Apfel" auf den Kopf und wir stürzen ab.

Sie erzählen Geschichten auf der Bühne sehr bewusst auch über die Bewegungssprache. Wie wichtig ist Ihnen die Form?

Das ist eine Chance. Ich kann im Theater mit Sprache, Musik, auch mit Sinnbildern im Bühnenbild arbeiten. Und ebenso die Darsteller dazu anregen, bewusst mit Körperhaltungen zu agieren. Orientiert an bekannten Mustern, natürlich überhöht. Das bringt eine gewisse Form, die aber nicht vordergründig erkennbar sein darf. Wenn sie tatsächlich verinnerlicht ist, geht die Bewegungssprache eine Symbiose mit den Figuren ein, und dann denkt man nicht mehr über die Form nach, mehr über die Charaktere, über Inhalte, Aussagen.

Sie gewichten auch deutlich den musikalischen Part der Aufführung.

Das macht viel Spaß, wenn man mit so hervorragenden Musikern zusammenarbeiten kann. Wie ich hier überhaupt mit einem tollen Ensemble arbeite, das sich auf meine Theatermittel auch einlässt. Und natürlich sehe ich ebenso die Aufgabe, musikalisch wie überhaupt spielerisch die jungen Zuschauer fesseln zu können, sie mit hineinzuziehen in die Geschichte. So, dass sie auch die Chance haben, darüber nachzudenken. Wenn sich 400 junge Besucher im Saal langweilen, dann entwickelt sich daraus eine eigene Kraft, und für die Schauspieler ist es enorm schwer, dem etwas entgegen zu setzen. Wir testen diese Wirkungen bereits im Vorfeld mit Partnerklassen, und das ist sehr wichtig.

iPremiere am Sonnabend, 18 Uhr, TJG

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 22.02.2013

Gabriele Gorgas

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