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Dokumentation über den Islam in Dresden

Medienpädagogik Dokumentation über den Islam in Dresden

Das Medienpädagogik-Projekt Casablanca im ehemaligen gleichnamigen Kino hat eine Dokumentation über den Islam in Dresden veröffentlicht. Der Streifen bringt teils Erstaunliches zu Tage.

Peg Koedel und ihre Kollegin verantworten mit ihrem Medienprojekt im Casablanca die Dokumentation

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden.  Das Casablanca-Kino an der Friedensstraße in der Leipziger Vorstadt war seit den frühen 90er Jahren ein echter Geheimtipp für alle Dresdner Kinofans. Nicht nur das einmal in der Woche der namengebende Streifen mit Humphrey Bogart und Ingrid Bergman gezeigt wurde – den Cineasten war es sogar gestattet, während der Vorstellung zu rauchen. 2013 schloss das kleine Kino und die Neustadt verlor ein wichtiges kulturelles Kleinod.

Seit Ende 2014 erwecken zwei Frauen, Peg Koedel und Laura Hilliger, die Räumlichkeiten wieder zum Leben. Unter gleichen Namen gründeten sie ein Medienpädagogik-Projekt, dass sich vor allem an Kinder und Jugendliche richtet. So wird heute im Casablanca vermittelt, wie man kleine Computerspiele programmiert, Filme dreht und seinen Medienkonsum verantwortungsvoll gestaltet. Im Rahmen einer Kooperation mit dem Senckenberg Naturhistorischen Museum können Kinder ein virtuelles Museum in Minecraft-Optik erstellen. „Wir versuchen möglichst niederschwellige Angebote zu machen“, erklärt Peg Koedel. Die Teilnahme an den meisten Veranstaltungen ist kostenlos. Das immer wieder aktualisierte Programm wird auf der Homepage des Projektes veröffentlicht.

Nun will das Casablanca mit einer Kurz-Dokumentation über den Islam in Dresden auch einen Beitrag zur Integration beziehungsweise zum Zusammenleben mit Asylbewerbern leisten. Der Streifen kann frei auch der Homepage des Projekts eingesehen und als Unterrichtsmaterial in Schulen genutzt werden. „Ich habe ein halbes Jahr in Ägypten gelebt und halte die Vorurteile, die derzeit gegen den Islam geschürt werden, für absolut falsch. Wir möchten zeigen das Kulturen – auch fremde – etwas Positives, Identitätsstiftendes sind“, sagt Koedel.

Die Macher der Dokumentation haben zum einen in die Vergangenheit Dresdens geschaut und versucht, die Geschichte des Islams in der Stadt sichtbar zu machen, und zum anderen mit Dresdnern gesprochen, die entweder selber emigriert sind oder die Integration in der Stadt gestalten.

Dabei kam teils Erstaunliches zu Tage: „Die wenigsten wissen, dass der Innenausbau der Frauenkirche zu großem Teil aus dem Nachlass eines in Dresden verstorbenen muslimischen Kaufmannes finanziert wurde“, sagt Koedel. Diese und andere Informationen lieferten Mitarbeiter des Hauptstaatsarchivs und der Türkischen Cammer.

Der Chemiker Anus Ajeji vom Marwa Elsherbiny Kultur- und Bildungszentrum nahm das Filmteam mit in seine Moschee. Younes Bahram, der seit den 90ern in Dresden ein Geschäft für Lebensmittel beitreibt die Halāl sind, erklärt worauf es bei der Integration wirklich ankommt.

Auch Kristina Winkler, Integrations- und Ausländerbeauftragte Dresdens kommt zu Wort und erklärt, warum die Religion von Asylsuchenden nicht erfasst wird und welche Rolle Ausländer, die schon länger in Deutschland leben, bei der Integration der Flüchtlinge einnehmen. „Es war schwer, Moslems für die Dokumentation zu gewinnen – viele haben Angst vor den Konsequenzen“, erinnert sich Koedel.

Gerne hätten die Mitarbeiter vom Casablanca auch mit Kritikern der Zuwanderung gesprochen. So wurde ein Interview bei der AfD angefragt – eine Antwort kam nie.

Von Hauke Heuer

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