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Doch größere Erwartungen: Die Philharmonie mit ArianeMatiakh im Hygiene-Museum

Doch größere Erwartungen: Die Philharmonie mit ArianeMatiakh im Hygiene-Museum

Diesem Konzert wurde schon durch die hier sonst rare Rundfunkaufzeichnung eine größere Bedeutung verliehen und auch die Vita sparte nicht damit, auf die Qualitäten der Dirigentin Ariane Matiakh zu verweisen.

Dresden. Allein das Exzeptionelle, das man erwartete, fehlte am Ende und die Unsitte verbaler Vorschusslorbeeren erwies sich wieder einmal als solche. Im Saal des Hygiene-Museums kam am Sonnabend eine recht große Kammerbesetzung der Dresdner Philharmonie auf die Bühne, um ein vielgestaltiges Programm darzubieten und um mit einem Werk zu beginnen, dessen hiesige Geschichte bis in die Gründungszeit des Orchesters zurückreicht. Michail Glinkas Fantasie über russische Volkslieder "Kamarinskaja" stand kurz nach Eröffnung des Gewerbehauses im März 1871 auf dem Programm des damals meist nach seinem Dirigenten Erdmann Puffholdt genannten Stadtmusikkorps. Diesmal entsprach selbst die Größe der Besetzung jener historischen Situation ziemlich genau. Den Gehalt von Kamarinskaja, die wuchtig-schwerblütigen wie die ausgelassenen Szenerien traf Ariane Matiakh gut. Dennoch fehlte eine größere Idee, um der immer wieder durchdringenden Zerrissenheit des Stückes zu begegnen und die Spannung zu behalten.

Noch auffallender war dies am Schluss des Programms in Antonín Dvoráks Legenden für Orchester op. 59. In dieser Abfolge kleinerer Sätze spielt Dvorák geradezu bildhaft mit Charakteren. Und diese locker aufeinander bezogenen Teile hätten seitens der Dirigentin ein weit intensiveres Eingehen auf die Feinheiten benötigt, um in der Aufführung ein Ganzes zu werden. Die Vorgaben von Ariane Matiakh beschränkten sich jedoch meist auf den reinen Ablauf und zu selten nahm sie Einfluss auf die Gestaltung der Details, arbeitete kaum Höhepunkte heraus und formte zu sparsam. So klangen nur einzelne Momente schwungvoll, emotional tief oder in der musikalischen Erzählung stimmig auf. Meist blieb es beim Anstoßen einer freundlichen Darbietung, die von der Philharmonie auch adäquat und klangvoll umgesetzt wurde. An engagiertem Spiel fehlte es jedenfalls nicht.

Weit anregender war dagegen die Uraufführung des Konzerts für Fagott und Orchester von Daniel Schnyder zwischen den beiden Orchesterteilen dieses Abends. Zurück als Solist war Philipp Zeller, der noch als Solofagottist der Dresdner Philharmonie die Komposition mit initiiert hat. Schnyder als Wanderer zwischen den musikalischen Genres hat ein überaus lebendiges und vom Solisten großes Können verlangendes Stück geschrieben, dem Zeller spielerisch, mit Witz und einem jede Nuance ausreizenden Ton ganz entsprach und der dabei vom Orchester kongenial begleitet wurde. Drei Teile gaben eine quasi klassische Anlage vor, die auch im Rhythmischen und Harmonischen auf Vorlagen zuzugreifen sich nicht scheut. So besitzt das Werk einen weit ausgreifenden, fast schon zu gefälligen Fluss, der gerade einmal in der Kadenz des langsamen Mittelteils einen kurzen Kontrast erfährt. Dass man vom Rhythmus zum Mitwippen des Fußes animiert wird, muss ja kein Fehler sein. Nur gewinnt man bei neuen Stücken immer wieder den Eindruck, solche Musik dränge geradezu danach, ihre Wurzeln zu verschleiern und möglichst viel Exotisches einzusaugen. Wo man in anderen Sparten gleich ein Problem mit dem geistigen Eigentum reklamieren würde, mixen viele Komponisten - so auch hier Schnyder - Ideen der halben Welt und es bleibt der Wunsch zurück, einmal wieder etwas Eigenständiges abseits des diffus Internationalen, sprich einen Personalstil zu hören. Das blieb als Manko neben dem großen musikalischen Anspruch und dem nicht zu leugnenden Unterhaltungswert dieses Fagottkonzerts, dessen Komponist und dessen Interpret auch angemessen gefeiert wurden. Größere Erwartungen an das Stück und an den Abend als solchen blieben jedoch unerfüllt.

von Hartmut Schütz

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