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Discorporate lädt zu einer Nacht mit Tarentatec, Dead Western und den Skeletons

Scheune Dresden Discorporate lädt zu einer Nacht mit Tarentatec, Dead Western und den Skeletons

Nach drei mehrtägigen oder zumindest über Gebühr mehrstündigen Ausgaben des Discorporate-Festivals gibt es am Freitag einen „Dreier“ mit Tarentatec, Dead Western, Skeletons in der Scheune.

Skeletons

Quelle: PR

Dresden. Dann eben nicht! Dann eben so! Nach drei mehrtägigen oder zumindest über Gebühr mehrstündigen Ausgaben des Discorporate-Festivals, das sich 2012 vom Stand weg eine wichtige Position im regionalen und überregionalen Festivitätenbunt gesichert hatte, gibt es anno Null-16 „nur“ eine einzige Nacht. Nicht minder viel Herz ist in die Vorbereitung geflossen. Nicht minder viel Herz wird an diesem Abend Fans der, wie Discorporate-Betreiber, Brückenbauer und Dolmetscher Johannes Zink sie so wunderbar beschreibt, „abenteuerlichen Popmusik“ in die Neustadt ziehen. Anzunehmen, dass sich der Saal der Scheune auch in dieser, spitz gesagt, abgespeckten Variante wieder optisch mit besonderem Reiz präsentiert. Die Bühnenauf- und -umbauten waren bei allen Discorporate-Festivals eine Schau für sich.

Am Freitag wird es einen Dreier mit Tarentatec, Dead Western, Skeletons geben. Absolut nichts gegen die punkigen Winkel-Freigeister von Tarentatec! Und sowieso nichts gegen diesen grandiosen Solisten Dead Western, dessen verwunschen-angeraute Songs sich noch immer von Troy „Mighty“ Daniel Collins, dem kalifornischen Mann darin, nähren! Tarentatec und Dead Western gehören zur Label-Familie mit Schildchen „Discorporate“ an der offenen Tür. Sie stiften Identität, weil sie den Geist dieses Kollektivs in sich und nach außen tragen –dann besonders, wenn sie in Dresden spielen. Mit der Verpflichtung der US-amerikanischen Skeletons aber wird diesem frühen Sommer ein wahrhaftiges Geschenk überreicht.

Skeletons sind vom Schlage jener sich immerfort bewegenden Projekte, die um ein oder zwei Künstler ohne diktatorische Auswüchse drapiert sind. Matthew Mehlan, gebürtiger Chicagoer und Gründer der Band, sowie dessen Langzeit-Kollege und gleichberechtigter Partner Jason McMahon haben erst gar keine Visiere. Beide stehen fürs stille Kämmerlein hier und die unbändige Lust dort, sich mit wiederkehrenden Kollaborateuren wie Jonathan Leland zu vereinen oder sich temporär in Formationen zu begeben, die für einen Abend oder mehrere Wochen zusammen sind. Es meint Studioarbeit genauso wie die Bühne.

Das Unternehmen Skeletons besteht seit 2001. „Am I Home?“ (Altin Village & Mine) ist das neunte, 2016 veröffentlichte Album. Wer die Liste der Mitstreiter liest, wird tief abtauchen in die freie New Yorker Avantgardeszene, wird Greg Fox, Mike Pride, Justin Frye und Matt Nelson genauso finden wie Mike Gallope, Sam Sowyrda oder Nathaniel Morgan und Sam Kulik. Letzterer war, quasi als Vorbote, beim letztjährigen Discorporate-Festival dabei.

Ein Begreifen dieser pulsierenden, famosen Platte geht nur über bedingungslose Empathie für Stile und Strömungen. Das gottlob nie ausgereizte Bild des stetigen Flusses mag hier wieder passen, als sei es just für die Skeletons kreiert worden. Wie von selbst reibt sich dieser komplexe Sound an Steinen und querliegenden Bäumen, windet sich um Kurven, vorbei an Löchern und Untiefen, dreht sich um sich selbst, erhöht die Fließgeschwindigkeit, wird abgebremst.

Wenn der gute alte Begriff des Progressive Rocks noch taugt, wenn er in seinem Nachfolger, also Postrock, noch seine Entsprechung findet, im Grunde aber eigentlich von den Säulen Frei-Jazz, Frei-Pop (was vor allem an Matthew Mehlans begnadet weicher Stimme liegt, die in Phasen an Paul Simon erinnert) und Afro-Polyrhythmik gehalten wird und sich darin im besten Sinne live bewegt, dann sollte es eigentlich genügen, um neugierig zu werden. Bei den Skeletons fetzen sich, zum Teil über zehn Minuten am Stück, Bläsersektionen mit Trommeln und Saiten, Vibraphone mit Klavieren und schäumenden Beats und Flächen. Man hört sich nicht satt an „Am I Home?“, man hört sie nicht fertig.

Matthew Mehlan experimentiert im Multimediaprojekt Uumans an songorientierten Electronics, schreibt Klassik für Orchester, dreht eigene Filme, komponiert für Tanz und Performances. Die Skeletons pumpte er mit Gitarrist Jason McMahon schon zur 18-köpfigen Bigband auf. Vehement erklärt McMahon die Freiheit der Musik zum Ziel seiner Kunst: „Die schon etwas Abgestumpften könnten mir unterstellen, dass ich den Menschen unbedingt beweisen will, wie kompliziert Musik ist und welch ein großartiger Musiker ich selbst dabei sei. Doch ich will die Leute nur ein wenig verwirren. Eine Reaktion in der Art von ,So recht kann ich nicht erklären, warum ich diese Musik mag‘ wäre mir angenehm.“ Reizvoll sei ihm das Spannungsfeld zwischen Improvisation und Aufgeschriebenem und wenn man nicht genau weiß, was gerade an der Reihe ist. Abenteuer also! Es passt!

Einflüsse benennt Jason McMahon mit den Beatles, John McLaughlin und Michael J. Fox, wie er im Film „Zurück in die Zukunft“ Chuck Berrys „Johnny B.Goode“ auf der Gitarre spielte. Ein Schelm ist er also auch noch. Auf die Frage, was für ihn Musik sei, sagt McMahon: „Die Dinge zwischen deinen Ohren“. Welches Genre er besonders liebe? „New York“ … Gefahr sehe er in der Kunst, wenn sie „von vornherein deine Erwartungen minimiert. Ein ,Big Mac“ wird nicht weniger schlecht für dich, wenn du schon im Vorfeld weißt, dass er schlecht ist.“

Skeletons Klang dominieren Vorstellungen, die in den Sechzigern und Siebzigern die Popwelt in großem Maße bestimmt haben. Matthew Mehlan: „Damals wurden zuhauf Räume gebaut und mit Spezialisten besetzt, die dort nur für Sound zuständig waren. Sie wussten, warum.“ Prozesse wurden wichtig, manchmal mehr als Ergebnisse.

Zum Schluss ein zartes Schade: Eigentlich hätte der Skeletons-Auftritt beim Discorporate Abend wunderbar stimmig mit dem Beatpol-Konzert der legendären Tortoise aus Chicago alternieren können. Leider wurde das vom 29. Juli auf den 4. November verschoben!

+ + A Little Dispororate Night mit Tarentatec, Dead Western & Skeletons, Freitag, 20.30 Uhr, Scheune

Von Andreas Körner

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