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"Discorporate Festival" mit sieben Bands und Projekten in der Scheune

"Discorporate Festival" mit sieben Bands und Projekten in der Scheune

Einen kurzen, aber heftigen Moment lang setzte die Versuchung einen Widerhaken. 2012 veröffentlichten DNN an dieser Stelle das ausführliche Interview mit Johannes Zink, Betreiber von Discorporate Records in Dresden.

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Die New Yorker Band Buke And Gase sind für ihre selbstgebauten Instrumente bekannt.

Quelle: PR

Anlass war zum fünften Label-Geburtstag ein zweitägiges Pfingstfestival in der Scheune - ein beachtliches wie spannendes und inspirierendes popkulturelles Ereignis in der Stadt, das im Jahr darauf eine Fortsetzung erlebte. Danach zog in Sachen Discorporate Ruhe ein, nur Johannes Zink selbst war zu sehen, meistens in seinen Zweit-Berufungen als Beleuchter im Beatpol, in Hellerau beim Tanz oder als Tourbegleiter von Käptn Peng und Gisbert zu Knyphausen. "Dienstleister" nennt Zink diese Arbeit.

Erst vor Wochen kam die frohe Kunde, dass es ein weiteres Discorporate-Festival geben wird. Während der journalistischen Vorbereitung auf das Ereignis 3.0 hielt das einst gedruckte Gespräch noch jedem Aktualitätstest stand. All die klugen, offenen, öffnenden und streitbaren Gedanken von Johannes Zink verfehlen noch heute ihre Wirkung nicht. Oben erwähnte Versuchung meinte den Zweitabdruck. Das wäre natürlich unangemessen, billig und dreist. Zink wäre entsetzt. Inhaltliche Wiederholung - das Unwort schlechthin im Discorporate-Universum.

Also wurde Johannes Z. um ein Update gebeten, mehr wissend als ahnend, dass sein Statement zum aktuellen Zustand von Label, Festival und persönlicher Stimmung erneut voller kluger, offener, öffnender und streitbarer Gedanken ist. Eine nächste Versuchung beliefe sich auf den Komplettabdruck des Textes. Doch wir ordnen zu. Zunächst das eindeutig Positive: Am Sonnabend, 17 Uhr beginnt das "Discorporate Festival #666" wieder in der Scheune. Mit dabei sind sieben zeitgenössische Bands und Projekte plus Specials aus Deutschland, England, den USA. Diese lange Nacht der Sensationen braucht kein Vorab-Sezieren von Kunst und Handwerk der Beteiligten, keine Querverweise auf Platten, Personen, Stile - weil das Fest als Fest funktioniert. Ausdrücklich eingeschlossen sind Ort, Präsentation und Inszenierung.

Dennoch sei ein kleiner Überflug erlaubt: Tarentatec halten ihren Punk noch immer als Schmuckstück in Pflege, Buke And Gase sind das Helden-Duo schlechthin, Marke Eigenbau. Dead Rider vermählen Saite mit Taste, This Is The Kit pulsiert um eine Sängerin, Sven Kacirek um Schlag & Zeug, Sam Kulik um die Ahnung von Jazz. Vom nach hinten wie oben offenen Finale mit Gnarled Bikers feat. Josen and the Four Horsemen (Phaeb, Käptn Peng, Shaban und Kulik) darf nicht nur geträumt werden. Es wird sein!

Johannes Zink bringt den Begriff "abenteuerliche Popmusik" ins Spiel, statt offiziell herkömmliche Bezeichnungen wie Progressive, Noise oder inoffiziell gängige wie "Auf-Teufel-komm-raus-experimentelle Musik." Als es um den Dornröschenschlaf von Discorporate als Plattenmarke geht, wird er angemessen philosophisch: "Ich bemerkte, dass mir das Labelgeschäft einfach keinen Spaß mehr macht; dass ich unsere Bands und Freunde eher hetze und unter Druck setze, als sie zu befeuern und zu inspirieren. Unter dem Strich habe ich mir auch selbst eingestanden, dass ich kein Visionär bin und es auch nicht sein muss: Ich bin ein Brückenbauer und Dolmetscher, darin liegt meine Stärke." Die Rede kommt auf das erreichte Ü-30-Alter, auf Familie, Werte, Beobachtungen auf Reisen, den jetzt fehlenden Druck gegenüber eigenen Künstlern: "Wir sind wieder ein Kollektiv auf Augenhöhe. Die Bands machen ihr Ding und ich bin ihnen mehr Freund als Chef. Platten rauszubringen kann jeder, dazu brauchen sie keinen Labelstempel. Das Dach Discorporate blieb und bleibt aber bestehen."

Auch von der Gefahr, in Sackgassen und Schleifen zu geraten, spricht Zink. Vom Zwang, jedes Jahr noch eins draufzusetzen, weil es alle erwarten. Deshalb gab es im Vorjahr kein Discorporate Festival. Deshalb gibt es 2015 wieder eines. Johannes Zink: Wir empfinden uns nicht mehr als Label, sondern als Kollektiv aus Künstlern und Musikern. Wir sind immer noch ein eingeschworener, aber loser Freundeskreis, der ein jährliches Familienfest braucht, um sich auf dieser Ebene zu verorten und zu verständigen. Und wir haben immer noch ein breites Netzwerk aus wahnsinnig guten Bands, die gehört werden müssen und die wir einem größeren Publikum zugänglich machen wollen, natürlich wieder durch individuelle Bühnenbilder und groteske Inszenierungen unseres Dekoteams."

Was es aber mit dem Motto auf sich hat, mit der "Apokalypse im Sinne von Transformation", soll herausfinden, wer sich wach und munter, frei und neugierig wähnt. Noch immer! In Dresden! "Hier haben die wirklich offenen Menschen schnell kapiert, was wir wollen. Das war pures Interesse, da war keine Manipulation im Spiel und auch kein Selbstzitat", sagt Johannes Zink dazu. Doch, ach, das war nun wirklich 2012 -

Discorporate Festival #666, Sonnabend, 17 Uhr, Scheune

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 05.06.2015

Andreas Körner

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