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Diplomausstellung der HfBK Dresden

Malerei, Material, Mystik Diplomausstellung der HfBK Dresden

Eines steht fest: Die jüngste Generation von Diplomanden an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden ist keine Ansammlung von Nerds, die nichts Stoffliches mehr in die Hand nehmen und ihre Kunst am Rechner entwickeln. Es wird gemalt und modelliert, was das Zeug hält.

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Unter anderen ist die Diplomarbeit von Nori Blume bis zum 4. September an der Hochschule für Bildende Künste zu sehen.

Quelle: HfBK

Dresden. Eines steht fest: Die jüngste Generation von Diplomanden an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden ist keine Ansammlung von Nerds, die nichts Stoffliches mehr in die Hand nehmen und ihre Kunst am Rechner entwickeln. Es wird gemalt und modelliert, was das Zeug hält. Material und seine Eigenschaften sind ein großes Thema. Und die virtuellen Welten, die manche der jungen Künstler heraufbeschwören, haben nichts Technoides oder Futuristisches an sich.

In der diesmal reichlich vorhandenen gegenständlichen Malerei besteht insgesamt eine Tendenz zur Vergeheimnissung: Die Bilder von Mame Innete, die mit bürgerlichem Namen Mandy Thieme heißt, sind bevölkert von märchenhaften Geisterwesen. Entweder verschmelzen sie mit dem meist eine ländliche Umgebung darstellenden, durchscheinend-verschwommen gemalten Hintergrund, oder sie bilden einen plakativ gezeichneten Kontrapunkt. Titel wie „Waldmaschinen“ oder „Qualitätskontrolle im Fleischfeld“ sorgen sehr verhalten für einen den Zauber etwas ausnüchternden Gegenwartsbezug.

Wiebke Herrmann lässt in ihren penibel gemalten Ölbildern allein neutral wirkende Gegenstände so aufeinandertreffen, dass sie sich innerhalb einer angedeuteten Geschichte symbolisch aufladen: Ein Paar, das offenbar den Honigmond seiner Beziehung längst hinter sich hat, ein Adler, ein junger Frischling, ein unbeschriebener Brief und andere nun bedeutungsschwangere Motive bilden das Ensemble einer pathetischen Kleintragödie. Simon Rosenthals gebraucht eine psychedelische Farbigkeit, verschiebt Größenverhältnisse und hüllt seine Protagonisten in durchscheinende, symbolträchtige Gewänder, um sie auf großformatigen Gemälden der schnöden Wirklichkeit zu entheben. Das Ganze nennt er dann „Plateau Europa“. Stilisiertes Polittheater auf LSD? Die offenbar in der Luft liegende Sehnsucht nach erzählerischem Gehalt befriedigen alle drei Künstler, aber das schützt nicht vor der Gefahr, malerisch im Illustrativen stecken zu bleiben.

Verwirrspiele mit der Wahrnehmung von Raum und Fläche, die ins Abstrakte gehen, aber noch Anspielungen auf Gegenständliches mit sich führen, kommen dieses Jahr ebenfalls häufiger vor. Matthias Günther mit seinen aus ineinander verschobenen Holzsegmenten zusammengebauten Bildgründen, die er in gedämpften Farben bemalt, nähert sich dem Thema vergleichsweise haptisch. Ludwig Kupfer spielt in Öl auf Leinwand transparente gegen opake Flächen aus und verquickt ruppig-expressive Pinselführung mit plakativer Darstellung. Erste und zweite Dimension scheinen sich zu durchdringen.

Eine sehr feinsinnige, die Realität unserer Wahrnehmung intellektuell und körperlich fühlbar in Frage stellende Arbeit zu diesem Thema stammt von Boohri Parks. Im Senatssaal hat sie aus weiß gestrichenen Holzplatten eine vielfach in sich verschränkte, den rechten Winkel möglichst meidende, offene Architektur mit ungefähr den Ausmaßen eines kleinen Gartenhäuschens gebaut. Das zuvor entstandene Pappmodell hat sie gefilmt und das Video eins zu eins auf das Original projiziert. So vermischen sich Farbe und Struktur von Holz und Pappe in den Augen des Betrachters. Die Pixel des Projektors zeichnen stellenweise ein feines grafisches Muster aus linear aufeinanderfolgenden Punkten auf den Grund. Wo das passiert, verliert das Holz optisch seinen spröden, starren Charakter und wirkt durchlässig wie eine Membran. Ins Innere des Gebildes vordringend fühlt man sich umgrenzt von einer lebendig gewordenen zarten Grafik. Körper, Raum, Fläche, Modell und fertiges Konstrukt sind undurchschaubar miteinander verwoben.

Undurchschaubar möchten auch zwei monochrom bemalte Leinwände Julia Langhammers gern sein. Sie hat wärmeempfindliche Farbe verwendet, die bei Temperaturen um 28° Celsius ganz verschwindet. Ist es nur sommerlich lau, leuchten die sich im Pentagon rhythmisch versetzt gegenüberhängenden Bilder im bewährten Farbklang pink – gelbgrün. Das sieht gut aus, fügt sich angenehm in den Raum, und wenn man zweimal kommt gibt es vielleicht Gelegenheit über technische Finessen der Farbentwicklung zu staunen - mehr nicht.

Ebenfalls abstrakt, aber in einem lyrischen Sinn veränderlich sind sechs mit Silber überzogene Tafeln Thomas Schmelzers im gleichen Raum. Wie auf einer in großen Bereichen matten, stellenweise brüchig gewordenen Eisfläche spiegelt sich die Umgebung und scheint von der Bildfläche aufgesogen zu werden. Hier zeigt sich eine sublime Form der Realität zu begegnen.

Auch wenn den sich sehr an Traditionen anlehnenden Exponaten in dieser Ausstellung meist nicht anzusehen ist, dass es sich um junge Künstler handelt, beim Anblick einer Videoinstallation von Nori Blume klappt einem der Unterkiefer runter ob der darin demonstrierten jugendlichen Vitalität. Die Künstlerin hat auf Wand und Boden verteilte, schwarz grundierte Objekte mit überkreuzten Linien und anderen grafischen Elementen versehen. Diese heben sich dynamisch in fast schon grellen Kontrastfarben vom Untergrund ab. Wem eine Ähnlichkeit mit Fitnesswerkzeugen in den Kopf kommt liegt nicht falsch. Ein mittendrin an der Wand hängendes Video zeigt die Künstlerin wie sie noch eben Kniebeugen in allen Variationen durchführend plötzlich in den Liegestütz springt und dabei wie selbstverständlich mit den bunten Accessoires hantiert. Das alles beruht auf einer spontanen, dem Moment entsprungenen Choreografie, wie Blume betont.

Tanzen bedeutet mit dem Körper in den Raum zeichnen, das hat William Forsythe einmal in einem genial anschaulichen Film demonstriert. Hier ist es weniger die „Zeichnung“, als die überbordende Energie, die fesselt. Den mit 1500,- Euro dotierten Diplompreis des Freundeskreises der Hochschule erhielt in diesem Jahr Jacob Friedländer für eine Bodeninstallation. In ihr trifft vieles zusammen was in Bruchstücken den Charakter der Ausstellung insgesamt prägt. Es werden Geschichten angedeutet, Materialeffekte ausgetestet, (pseudo-?)naiv körperliche Potenz thematisiert und vor allem die Kraft des Unmittelbaren, Intuitiven beschworen.

Diplomausstellung bis 04.09.2016. Von Dienstag bis Sonntag geöffnet von 11-18 Uhr. Hochschule für Bildende Künste Dresden, Georg-Treu Platz.

Von Kirsten Jäschke

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