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Die unverwüstliche "Feuerzangenbowle" auf der Naturbühne Reichenau

Die unverwüstliche "Feuerzangenbowle" auf der Naturbühne Reichenau

Mit der Geburt der Dreiecksbeziehung Schule - Lehrer - Schüler entstanden zugleich auch Geschichten über das ewige Missverhältnis zwischen diesen drei Säulen.

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Bekannter Spaß: Der gestandene Autor Hans Pfeiffer (Andreas Stephan, 2.v.l.) wird wieder Gymnasiast.

Quelle: W. Zimmermann

Selbst die Klassentreffen der Gegenwart werden immer noch zuerst davon gespeist, welche Marotte dieser oder jener Lehrer hatte und welche Streiche man - einzeln oder im Kollektiv - den Pädagogen spielte. Auf solcherart Erinnerungen an die Schule als "höhere Lehranstalt" basiert auch Heinrich Spoerls ergötzliche Geschichte von der "Feuerzangenbowle". Und so verstaubt die Sprache des Romans und das merkwürdige Verhältnis zwischen Lehrern und Schüler in dieser Story aus heutiger Sicht auch vorkommen mag: Die Erinnerungen an eine schöne und zugleich schreckliche Zeit scheint mit den Generationen mitzuwandern. Wahrscheinlich so lange, wie es das klassische (Miss-)Verhältnis zwischen Schülern und Lehrern noch geben wird.

So war es kein Wunder, dass im Publikum auf der Naturbühne Reichenau (zwischen Königsbrück und Pulsnitz gelegen) auch die junge iPod- bzw. Smartphone-Generation zahlreich vertreten war. Die jungen Leute verfolgten ebenso gebannt wie ihre Eltern und Großeltern das turbulente Geschehen auf der restlos ausverkauften idyllischen Naturbühne. Sie lachten mit den Erwachsenen über die Streiche, die der ausgebuffte Hans (alias Dr. Johannes) Pfeiffer (Andreas Stephan) gegen den Lehrkörper anzettelte. Und sie bejubelten die so wunderbar gestelzte Sprache von Professor Crey (Andreas Wenzel) - von den Schülern nur "Schnauz" genannt - wie auch dessen gründlich missratenes Experiment zur alkoholischen Gärung.

Natürlich gehörten die Sympathien der Zuschauer in erster Linie jenem, zwar erfolgreichen, aber mit der Tristesse des Lebens gänzlich unzufriedenen Hans Pfeiffer, der ja bekanntlich ein gestandener Schriftsteller ist. Selbst die Kinder im Publikum - die sich selbst sehr gegenwärtigen Schulproblemen in Sachsen gegenüber sehen - wanderten bereitwillig mit zurück in jene Zeit, als Schule noch vom Ruf eines Abenteuers begleitet wurde. Lernen? Ja, natürlich. Aber Spaß machen sollte es auch ein wenig!

Dass dieser Spaß im Spiel nicht zu kurz kam, dafür sorgte die gradlinige Regie des Radebeuler Schauspielers Herbert Graedtke. Natürlich hatten auch die Reichenauer Laiendarsteller mit ihrem urigen Spiel selbst jede Menge Anteil am Zustandekommen dieses Vergnügens. Zum einen damit, dass sie den wunderbar vorgestrigen "ehrwürdigen" Lehrertypen Leben einhauchten. Wolfgang Bergmann als Schuldirektor Knauer war die Zerstreuung in Person. Dietmar Kapitola verkörperte den schusseligen Lehrer Bömmel, André Kunath den regelrecht militanten Sportlehrer Dr. Brett und Lothar Balke den reichlich überforderten Oberschulrat. Und dann ist da auch noch Direktor Knauers Töchterlein Eva (Mandy Arnold). In ihr glaubt Hans Pfeiffer seiner eigenen Jugend wieder zu begegnen. Und auch Eva verguckt sich in den "Gymnasiasten", der soviel frischen Wind in die Schule gebracht hat.

Es gibt Textstellen in der "Feuerzangenbowle", die längst Einzug in die Alltagssprache der Gegenwart gefunden haben. Etwa dann, wenn Professor Krey die Worttiraden Pfeiffers ("mit drei fff") mit den zwei Sätzen kontert "Se sind albern! Setzen Se sech!" Oder wenn Krey verzweifelt zu ergründen sucht, wieso sein Heidelbeerwein solch eine verheerende Wirkung zeigt und er völlig verdattert fragt: "Ist sonst noch wem öbel?"

Der Konflikt erreicht seinen Höhepunkt bekanntlich damit, dass Pfeiffer einen gemeinsamen Unterricht mit den "höheren Töchtern" des Lyzeums einfädelt. Ein Experiment, das letztlich auch vom Oberschulrat als fortschrittlich bewertet wird. Im direkten Konflikt Pfeiffer/Krey siegt ersterer. Denn Pfeiffer macht den Professor nicht nur lächerlich, er spannt ihm überdies auch noch die ihm versprochene Eva aus. Zähneknirschend tritt er den Rückzug an. Doch nicht ohne eine entsprechende Verwünschung an die Adresse von Eva, die mit Pfeiffer auf der Wippe sitzt. "Wenn se erst mal verheiratet ist und fünf Kinder hat, wippt se nich mehr!"

W. Zimmermann

nächste Auführungen: 9., 16., 30.6.

www.naturbuehne-reichenau.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 05.06.2012

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