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Die ungarischen Rock-Legenden Omega kommen mit ihrem "Oratórium" nach Dresden

Die ungarischen Rock-Legenden Omega kommen mit ihrem "Oratórium" nach Dresden

Der Vergleich zwischen Omega und den Rolling Stones hält sich hartnäckig. Das bedeutet jedoch nicht, dass er weniger hinken würde als vor Jahren.Das ist natürlich Unsinn.

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János Kóbor als "Oratórium"-Cover.

Quelle: PR

Der Vergleich zwischen Omega und den Rolling Stones hält sich hartnäckig. Das bedeutet jedoch nicht, dass er weniger hinken würde als vor Jahren. Muss dasselbe Gründungsjahr (1962) die Verkettung in alle Ewigkeit nach sich ziehen? Zementieren zwei prägnante Frontmänner - Mick Jagger und János Kóbor - Nähe für immer? Haben wir etwa nicht genau hingehört in all der Zeit?

Das ist natürlich Unsinn. Omega waren Omega, die Stones rollten auf eigenen Wegen. Selbst im Alterswerk fordern beide Bands bestenfalls Respekt für ihre guten Taten heraus, in einer Schublade landen sie deshalb nicht. Oder hat man je von einer "Stones-Rhapsody" mit großem Orchester gehört, von einem "Stones Oratorium" mit gemischtem Chor und Kirchenorgel? Jedenfalls nicht aus Hand und Mund von Jagger & Co. Dass sie wie Omega bei Online-Händlern mit "lieferbaren 19 CDs" in der Kategorie "Psychedelics/Underground" gelistet werden, ebenfalls nicht.

2010 kam Omegas Studiowerk "Rhapsody" heraus, das bis über das Jubiläumsjahr hinaus live aufgeführt wurde. 2013 legte die Band - die so alt ist wie Viktor Orbán, der umstrittene Ministerpräsident ihres Heimatlandes - "Oratórium" nach und zog damit vor allem in Kirchen. Die Resonanz in Ungarn war überwältigend, was kein Wunder ist. Auch nicht, dass man das Konzept der Gotteshäuser nun modifiziert hat und in Deutschland auf Tour schickt. Video- und Lichtinstallationen in Hallen und auf offenen Plätzen sollen dabei fürs Domgefühl sorgen.

Im Juni 2014 traten Omega zusammen mit den Scorpions auf dem Budapester Heldenplatz zu Ehren der Opfer des ungarischen Volksaufstandes von 1956 auf. Es kamen 300 000 Menschen, das dicke Bandbuch bekam eine Seite mehr, auf der jetzt in fetten Lettern steht: Rekord! Die Stadion-verwöhnten Musiker hatten nie zuvor mehr Zuhörer in einem Konzert. Rente schützt vor Premieren nicht.

2012 traten Omega das letzte Mal in Dresden auf, zusammen mit dem Akademischen Orchester der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg unter Leitung von Matthias Erben. Kurz danach wurde der Kulturpalast entkernt. Ein Schelm, wer Arges dabei entdeckte... Wer aber am Ende des ersten Konzertteils genau hingehört hat, wird einen von fulminanter Orgel getriebenen Abgang entdeckt haben. Das Instrument dominiert jetzt das Folgewerk. Und ein Chor. Vorteil gegenüber "Rhapsody": Es wird konsequent Ungarisch gesungen, das Englische war noch nie das Ding des "Mecki" Kòbor! Die 16-teilige Komposition mit Lists "Les Preludes" als Klammer bringt ansonsten alle Omega-typischen Komponenten: Pathos und üppige Gitarrensoli, hall-schwangeren Lead-Gesang und naturgewachsene Übergänge hin zur Wucht. Die CD hat ebenso stimmige ruhige Momente, balladesk-raumgreifende Sequenzen, die sich förmlich nach adäquaten Spielorten sehnen und wie von selbst aus engen Wohnzimmern auf- und davonmachen wollen.

Im Schlachthof, dem etwas anderen Dom, wird Omega 2015 in folgender Besetzung erwartet: Làszlò Benkö (Orgel), Ferenc Debreczeni (Drums), Zsolt Gömöry (Orgel), János Kóbor (Gesang), Tamás Szekeres (Gitarre), Kati Szöllössy (Bass), Albert Földi (Orgel), George Hill (Gesang). Wem danach wirklich nach Kirche ist, kann der Formation nach Berlin folgen, dort spielt sie am Sonnabend bei Apostel Paulus.

János Kóbor zeigt sich in Gesprächen immer wieder generös und gelassen, wenn es um seine Wurzeln und die seiner Band geht. Beim Thema Stones zieht sogar ein Lächeln unters grellblond gefärbte Langhaar des 72-Jährigen.

Janós Kóbor: "Das einzig Prägnante, das uns immer verbunden hat, waren das Gründungsjahr und die personelle Konstanz. Bei den Stones starb Brian Jones, bei uns ging 1971 Gabór Presser weg. Musikalisch gab es da nie so viel Verbindendes.

Frage: Worin sehen Sie rückblickend Omegas stärkste Einflüsse?

János Kóbor: Als ich die Stones Anfang der 1960er gehört habe, dachte ich: Die sind genauso schlecht wie wir. Die Beatles waren mir dann zu perfekt, all ihre Vokalharmonie, das war mir nichts. The Kinks, The Who, The Pretty Things, die waren eher interessant. Erst Pink Floyd wurden für mich zum Durchbruch, sie und all das Psychedelische. In der Schule haben wir natürlich alten US-Rock'n'Roll gespielt. Nach der Gründung von Omega hat sich das stark verändert. Unser größter Einfluss war nicht der originale Rhythm'n'Blues, wir waren schlichtweg begeistert von Cliff Richard und den Shadows, von den Briten also. Sie haben uns dazu ermutigt, dass wir es auch können. Wir haben zunächst eher die instrumentalen Sachen gespielt, ich war der Beste im Schul-Englisch, also habe ich Richards Sachen gesungen.

Und Ihre eigenen Einflüsse?

Meine Eltern haben mich mit sechs ins Opernhaus gebracht, hin zu all den Italienern, zu Verdi und Puccini. "La Traviata" war für mich wichtiger als ein alter Bluessänger. Oper war für mich richtige Musik. Ich selbst wollte nie Musiker werden. Architekt, ja, Sportler, immer! Musik war für mich anfangs nur nebenbei wichtig. Blues habe ich nur gern gehört, ihn zu spielen, war nicht interessant für mich. Chuck Berry war prägend für Keith Richards, für mich war er es nicht.

Kurze Zeit haben Omega mit ungarischem Folk experimentiert...

Hardrock wollten wir nicht. An jeder Ecke gab es eine Band, die das hundert Mal besser konnte als wir. Es war so, als würdest du einen Kühlschrank nach Sibirien tragen. Eric Clapton kam nach einem Konzert im Londoner Marquee Club, Ende der 60er, zu uns, nannte uns einen Song, der ihm besonders gefallen habe und von dem er dachte, es sei echte ungarische Folklore. War es aber nicht. Die alten ungarischen Songs habe ich gehasst, den Gesang besonders. Echte ungarische Musik erschien mir zu fremd für einen westeuropäischen Geschmack, deshalb haben wir es nur kurz mit ihr probiert, dann aber schnell die Finger davon gelassen.

Wie ergeht es Rockmusikern Ihres Alters heute in Ungarn?

Ich glaube, dass Ungarn im Osten einst dieselbe Rolle gespielt hat wie England im Westen. Nicht, dass die Bands besser waren, aber die Möglichkeiten waren andere. Es gab in Ungarn mehr Bands als nötig. Die Musiker mussten sich extrem umstellen. Viele spielen noch, machen ihr Ding, aber die Bands als solche existieren schon seit 20 Jahren nicht mehr. Auch wir haben uns nach dem Zusammenbruch 1989 gefragt, ob es wohl noch genügend Leute geben würde, die zu uns kommen. Es ging ja auch darum, ob sie es sich materiell leisten können. Wir haben einfach die Preise niedrig gehalten.

Hatten Sie als extraordinärer Sänger nie Lust auf ein Solo-Projekt?

Ich habe immer solo gespielt, mein Solo-Projekt heißt Omega! Queen ging nur mit Freddie Mercury. Bei uns ist es wohl nicht anders, sagen die Leute. Wir waren immer eine gute Mischung aus unterschiedlichen Charakteren. Das tat der Band sehr gut. Ich stand beim Entwickeln der Lieder stets am Ende, hatte die Melodie im Kopf zu haben und nur übers Gefühl umzusetzen. Denn Gesangsstunden hatte ich nie. Die Studierten bei uns haben immer gesagt, dass technisch nicht viel stimmt an meinem Gesang, aber sie würden ihn trotzdem so belassen wollen...

Omega waren im Westen wie Osten begehrt. Hier wie dort wollte man sie aber auf Ungarisch...

Wir dachten erst, dass es nur auf Englisch gehen würde. Darin haben wir uns getäuscht. Das Publikum hat anders entschieden. Seit 1975 singen wir live nur noch Ungarisch, auf Platten machen wir ab und an Ausnahmen. 1975 bis 1980, das war für mich die beste Phase von Omega. "Time Robber" wurde im Westen zum Durchbruch. Wir bekamen Platin, man mochte uns wegen diesem Pink-Floyd-ähnlichen Sound, den es so auch im Westen nicht nochmal gegeben hat. Tangerine Dream waren zu elektronisch, Jethro Tull und Yes zu instrumental. Wir waren aber nie eine Kopie, sondern nur ähnlich, vielleicht hat ihnen das gefallen. Das und dann noch das ganze unverständliche Ungarisch dazu...

Omega "Oratórium live", morgen 20 Uhr, Alter Schlachthof

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 16.04.2015

Andreas Körner

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