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Die tjg.theaterakademie hat in Dresden ihr Projekt "hungernd, rackernd" zu Hauptmann vorgestellt

Die tjg.theaterakademie hat in Dresden ihr Projekt "hungernd, rackernd" zu Hauptmann vorgestellt

Eine nach der anderen und jede auf ihre Weise kommen sie auf die Bühne oder zumindest ins Blickfeld des Publikums, das im Theater auf der Treppe Platz genommen hat.

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Szene mit Sarah Kühne, Marie Göhler und Sophie Schmeißer.

Quelle: Klaus Gigga

Und selbstbewusst nehmen die jungen Spielerinnen das wie ein breiter Steg wirkende Podest für sich ein, gehen zu den Standmikrofonen. Oder sie schieben sich über den Boden dahin, während eine andere mit einem Stapel Bücher aufwartet, eine weitere ihre Kreise um das Podium, um die Zuschauer zieht.

Trotz loderndem Hexenfeuer draußen im Freien sind die jungen Darstellerinnen im Theatergebäude beileibe keine Furien. Und schon gar nicht solche, die sich auf irgendeine Weise verdummen lassen. Selbstbewusst, selbstbestimmt betreten sie die Bühne, widmen sich zur Premiere von "hungernd, rackernd" der tjg.theaterakademie einem Thema, das scheinbar fernab des eigenen Erlebens liegt. Doch es lässt sich mit diesem verknüpfen, das haben die sieben beherzt deutlich gemacht, und wie ein Nachsinnen über die knapp gehaltene Vorstellung wirkt zum Schluss die unspektakulär vorgebrachte Äußerung, dass vielleicht jede Generation ihre eigenen Erfahrungen machen muss.

Der Projekttitel nimmt Bezug auf Werke von Gerhart Hauptmann, und speziell um diesen geht es auch, wenn sich die Mitglieder vom tjg.-Jugendklub "Theorientester" mit Schriften von und über den Dichter befassen, dessen 150. Geburtstag in diesem Jahr begangen wird. Zudem haben sie sich auch auseinandergesetzt mit Protestformen von Weberaufstand bis Occupy, diversen Frauenbildern sowie Assoziationen zu diesen Themen.

Unter der künstlerischen Leitung von Tabea Hörnlein und Kathi Loch gelingt den jungen Neugierigen, speziell konfrontiert mit dem literarischen Naturalismus, eine geradezu wortwörtlich genommene Verdichtung. Sie starten den Versuch, diesen und anderes unmittelbar in die Gegenwart mit hineinzuweben. Und jede verfolgt dabei ihren ganz eigenen Erzählstrang, protestiert, ordnet ein, attackiert, demonstriert. Manche entziehen sich auch der verbalen Konfrontation, harren stumm aus oder sagen - zwischendurch strickend - eher wenig, aber das mit Gewicht. Die Schweigende übrigens kehrt sich irgendwann ab von den Aufgereihten, und als sie sich wieder dem Publikum zuwendet, ist ihr Gesicht mit dunklem Sirup überzogen. Den sie weiter verteilt wie eine Maske, sich dabei die Augen frei hält, ohne ein Wort zu sagen. Eine Metapher, die auch abschreckend wirkt, aber dieses Mädchen bringt es so glaubwürdig herüber, dass es auszuhalten ist.

Eine andere aus der Gruppe verschafft sich zum Beispiel mit Gitarre und Liedern Gehör. Als sie "Die schlesischen Weber" von Heinrich Heine zu singen beginnt, stimmen andere mit ein: "Wir weben, wir weben". Und da erreichen die Worte tatsächlich das Publikum, ist es möglich, darüber nachzudenken. Es gibt aber auch Beispiele vielfach überlagerter Texte, die - zunächst verständlich - immer mehr eine Art ineinander verquickte, musikalische Struktur aufnehmen. Die "Sprachmotive" sind zwar noch vernehmbar, aber die Vielstimmigkeit als Zusammen-klang der Wahrnehmungen kann nerven. Weil doch jeder verstehen möchte, was da gesagt wird. Wahrscheinlich kommt es einfach nur auf das richtige Maß an in dieser "Sin(n)fonie", und das müssen die tjg. "Theorientester" in der Praxis weiter ausprobieren. Mit ihrer Hauptmann-Verdichtung "hungernd, rackernd" werden sie zudem beim 7. Sächsischen Theatertreffen in Görlitz-Zittau dabei sein - konkret treten sie am 10. Mai im Theater Zittau auf.

Wieder heute, 19.30 Uhr, 14.7., 20 Uhr, Theater Junge Generation

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 02.05.2012

Gabriele Gorgas

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