Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 8 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Die tjg-Uraufführung "Frau Holle" erzählt ein uraltes Märchen neu

Die tjg-Uraufführung "Frau Holle" erzählt ein uraltes Märchen neu

Jedes Kind kann die Moral von "Frau Holle" im Schlaf hersagen: Fleiß wird belohnt, Faulheit bestraft. Das Theater Junge Generation (tjg) gibt sich mit dieser Zeigefinger-Weisheit jedoch nicht zufrieden.

Voriger Artikel
Günter Philipp zum 85.: Pianist, Pädagoge, Komponist, bildender Künstler und Autor
Nächster Artikel
Vor Jahren in Dresden gefundener Pechstein kommt unter den Hammer

Die Geschichtenfrau (Bettina Sörgel, l.) wird zur Frau Holle und hat einen Blick auf Marie (Dorothee Carls).

Quelle: Klaus Gigga

In seiner aktuellen Weihnachtsinszenierung des jahrhundertealten Märchens setzt der Geschichtenmann, der dieses Mal eine Geschichtenfrau ist (Bettina Sörgel), auf eine andere Botschaft: "Es geht um eine verpasste Chance", erzählt sie strickenderweise und aus dem altmodischen Ohrensessel heraus ihrem Hund Max (Ulrike Schuster).

Wie schon im ersten Teil der Reihe "Max und der Geschichtenmann", der im vergangenen Jahr die Geschichte von Dornröschen zauberhaft erzählte, werden die Kinder in die Kulisse einer Bibliothek versetzt. An den Wänden reihen sich geheimnisvoll die alten Bücher, zwei Bilderrahmen bilden die Bühne für die Figuren (wieder wunderbar entworfen von Susanne Berner), die zum Leben erwachen, während sich die Geschichte entfaltet.

Da sind: eine Frau, zwei Mädchen - beide heißen Marie. "Wo ist der Mann?" fragt Max frech dazwischen und wird seiner Rolle als Kommentator und Übersetzer der alten Geschichte für kindliche Ohren wieder aufs Schönste gerecht. "Viel unterwegs", antwortet die Erzählerin. Max: "Warum heißen beide Marie?" In wenigen Worten erklärt die Geschichtenfrau, wie es zu Tochter und Stieftochter kommt und holt damit auch die moderne Patchworkfamilie auf die Bühne.

Zu Mutter, einer Marie und anderer Marie kommt eine Reihe von Dorfbewohnern hinzu (alle köstlich gespielt von Patrick Borck), die jeder auf seine Art die fleißige, freundliche Marie mag und die faule, immerzu jammernde und besserwisserische Marie meidet. Wie es das alte Märchen will, springen der vor lauter Arbeit beim Spinnen die Hände auf, auf Geheiß der Stiefmutter springt sie der blutigen Spule hinterher und kommt "durch ein feuchtes Dunkel in ein helles Licht". Es ist großartig, wie der Sprung in den Brunnen in Szene gesetzt wird, wie Marie vor dem nach oben ziehenden Brunneninneren immer tiefer sinkt, Max heult und heult, die Geschichtenfrau erzählt - wirkungsvollste Dramatik mit einfachsten Mitteln.

Im Himmel erwarten Marie die sprechenden Brote, deren schnatternde Münder das Publikum aufs Köstlichste amüsieren. Als dann auch die Äpfel noch anfangen zu sprechen, und zwar im reinsten englischen Akzent - "mein Name ist Granny Smith", tobt der Saal vor Vergnügen. Es zeigt sich: Dem Regisseur Christoph Werner gelingt es auch hier, sowohl die Kinder als auch ihre Eltern auf eine vergnügliche Reise ins Märchenland mitzunehmen. Und mehr noch: Als Marie ans Haus der Frau Holle kommt, da springt plötzlich die Tür der Bibliothek auf, Marie (Dorothee Carls) tritt leibhaftig ins Zimmer der Geschichtenfrau - und die wird unversehens und unverhofft zu Frau Holle. Da bricht die Geschichte mit Macht in die Wirklichkeit herein, verhilft sich zu ihrem Recht und entfaltet die ihr innewohnende Magie vor den Augen der Kinder.

Hat Christoph Werner schon mit seiner Fassung von "Dornröschen" eine Liebeserklärung ans Erzählen auf die Bühne gebracht, so setzt er dies in seiner "Frau Holle" fort, ohne sich zu wiederholen. "Geschichten nehmen ihren eigenen Lauf", lässt er die Geschichtenerzählerin sagen und: "Man weiß in einer Geschichte immer erst, was passiert, wenn es passiert." Und so wird diese "Frau Holle" zu einem erstaunlichen und neuen Theatererlebnis selbst für all jene, die das alte Märchen längst zu kennen meinen. Muhme Marthe setzt mit ihren lakonischen Kommentaren der Geschichte die Krone auf, wenn sie zur wiederkehrenden Pechmarie sagt: "Glück verspielt? Haste eben Pech."

Dass eine verspielte Chance - anders als nach Grimm'scher Manier - nicht das Ende der Welt bedeuten muss, ist ein versöhnlicher Schluss, der den jungen Zuschauern noch mit auf den Heimweg gibt, "dass der Kopf auch zum Denken und die Finger nicht nur zum Popeln da sind". - Wer sich in der Adventszeit vorgenommen hatte, die Gelegenheit zum vergnügten Beisammensein in der Familie zu nutzen, der sollte mit seinen Kindern in diese "Frau Holle" gehen, der die Musik von Sebastian Herzfeld noch einen ganz besonderen Zauber verleiht. Birgit Andert

nächste Aufführungen: heute, 19.30 Uhr; 4./5.12., jeweils 10 Uhr; 6.12., 9 und 11 Uhr; 7.12., 10 Uhr; 8.12., 16 Uhr; 9.12., 11 und 16 Uhr; 11./12.12., jeweils 9 und 11 Uhr, 13./14.12., jeweils 10 Uhr; 15.12., 16 Uhr; 16.12., 11 und 16 Uhr; 17.12., 10 Uhr; 18./19.12., jeweils 9 und 11 Uhr; 20./21.12., jeweils 10 Uhr; 26.12., 16 Uhr; 27.12., 10 Uhr,

für Kinder ab 4 Jahre, tjg Puppentheater im Rundkino

www.tjg-dresden.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 03.12.2012

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr