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Die tjg-Premiere "Karlsson vom Dach" ermutigt ausdrücklich zum Schabernack

Die tjg-Premiere "Karlsson vom Dach" ermutigt ausdrücklich zum Schabernack

Mann, ist das unverschämt, wie dieser freche, selbstverliebte Kerl da plötzlich in Lillebrors Leben platzt! Mit einem lautstarken "Heißa hoppsa" steckt der dicke Mann vom Dach seinen Kopf durchs Fenster, gerade als der kleine Lillebror sich mal wieder unendlich einsam und verlassen fühlt.

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Die Familie, der Herr Karlsson einheizt: Lillebror (Julian Trostorf), Betty( Insa Jebens), Mama (Marja Hofmann) und Papa (Erik Brünner, v.r.).

Quelle: Klaus Gigga

Die Besucher der Studiobühne im tjg-Schauspiel haben gleich zu Beginn des Stückes die ganze Familie schon kennengelernt: Mama (Marja Hofmann) und Papa (Erik Brünner), Teenager-Schwester Betty (Insa Jebens) und den siebenjährigen Lillebror (Julian Trostorf), der mal wieder zu spät zum Abendessen kommt, weil er auf der Straße mit einem Hund ins Plaudern geriet...

Ja, ein Hund, das ist der größte Wunsch des Familien-Nesthäkchens, und stattdessen fliegt ihm nun der seltsame Herr Karlsson zu, der von sich sagt: "Alle nennen mich den besten Karlsson der Welt, und der bin ich auch. Ich bin ein schöner und grundgescheiter und gerade richtig dicker Mann in meinen besten Jahren." Hoheitsvoll kommt Karlsson daher, und es ist ein köstliches Vergnügen, wie Uwe Steinbach der einzigen Puppe des Stücks ihren raumgreifenden, majestätischen, über jeden Selbstzweifel erhabenen Charakter verleiht. Ihre Bewegungen (an denen neben Uwe Steinbach auch die wunderbar zurückgenommene Barbara Wiemann mitwirkt), vor allem aber ihr schnurrender und überaus bestimmter Ton lassen die Figur von Anfang an plastisch und lebendig erscheinen, auch wenn sie zunächst nicht gerade sympathisch ist.

Und Lillebror? Der ist erstaunt und voller Respekt, kann es nicht fassen, dass Karlsson es in fünf Sekunden schafft, die wertvolle Dampfmaschine zu zerstören, mit der er eigentlich nur spielen darf, wenn Papa dabei ist. Und dennoch ist er magisch angezogen von diesem rotzfrechen Dicken mit dem Propeller auf dem Rücken, dessen Philosophie sich in wenige Worte fassen lässt. "Ich will kreuz-, quietsch- und buntvergnügt sein, sonst mach ich nicht mehr mit."

Astrid Lindgrens Entwurf eines glücklichen, selbstbewussten und ganz und gar lebendigen Kindes lugt diesem Karlsson aus jedem Knopfloch hervor; und der brave, wohl erzogene Lillebror findet langsam Gefallen an der neuen Leichtigkeit. Während er beim ersten Streich "Der Schwester ein Rendezvous mit ihrem Freund vermasseln" noch ziemlich zurückhaltend bleibt, zeigt er beim "Einbrecher in die Flucht schlagen" schon sichtliches Vergnügen am Schabernacken, und überrascht Karlsson (und die Zuschauer) schließlich damit, dass er den gemeinsam geklauten Kuchen ganz allein verdrückt und seinem Freund nur das Kuchenblech übrig lässt.

Vielleicht werden die jüngeren unter den kleinen Zuschauern diese wunderbare Wandlung des scheuen Jungen hin zu einem, der sich wagt zu fragen: "Wer ist der beste Lillebror der Welt?" noch nicht bewusst erkennen - Spaß und Vergnügen ist auch den kleinsten Theatergästen allemal garantiert: Wenn Karlsson und Lillebror das strenge und kinderverachtende Fräulein Bock (herrlich: Erik Brünner) zur Weißglut bringen oder die beiden Einbrecher zu Tode erschrecken, dann löst sich die Spannung in herzhaftem Lachen. Bemerkenswert ist auch Marc Simon Delfs, der in der Rolle der wechselnden Freunde der großen Schwester Betty vor allem die erwachsenen Zuschauer mit seinen Verwandlungskünsten amüsiert.

Alles in allem ist dieser "Karlsson vom Dach" des tjg-Schauspiels (Regie: Tanja Richter; Bühne, Kostüme, Puppen: Stephan Fernau) eine heitere Anleitung zum Ungehorsam und zum Glücklichsein sowie ein herrlicher Gegenentwurf zu Erziehungsratgebern wie etwa Bernhard Buebs "Lob der Disziplin". Allen, die keine Angst vor verrückten, fröhlichen und starken Kindern haben (und die zu Hause keine Dampfmaschinen beschützen müssen), sei ein Besuch dieses Stückes wärmstens empfohlen. Birgit Andert

nächste Termine: 22.10., 10 und 16 Uhr, 23./27./29.10., jeweils 16 Uhr, 1.11., 10 Uhr, 3.11., 16 Uhr, 4.11., 11 Uhr, 25. Und 29.12., jeweils 16 Uhr

www.tjg-dresden.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 22.10.2012

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