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Die sechs großen Freiluftbühnen der Region starten mit neun Premieren in die Sommertheatersaison

Die sechs großen Freiluftbühnen der Region starten mit neun Premieren in die Sommertheatersaison

Pünktlich zum Verweis "Sommerbeginn" im Kalender purzeln noch einmal die Premierentermine über- und durcheinander, denn die Theaterensembles zieht es - ihrem Publikum nach - ins Freie.

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Diese Bühne steht tatsächlich auf dem Görlitzer Nikolaifriedhof, passendes Ambiente für "Orpheus und Eurydike".

Quelle: Marlies Kross

Beide kämpfen gemeinsam gegen die dortigen Widrigkeiten, wegen denen man einst feste Schauspielhäuser schuf: Licht, Lärm, Ungeziefer, Spanner und vor allem: Wetterwechsel.

Doch die freiluftigen Natur- und Stadtbühnen haben auch unbestrittene Vorteile - der beste: Die Leute mögen es außerordentlich, sich an netten Ausflugsorten bespielen und bespaßen zu lassen und dabei unorthodox zu benehmen. So ist Anspruchs- und Geistgeschwängertes eher rar, es überwiegen Lustigkeiten, Abenteuer, Tiere oder Automobile und Pyromanie - oft für die ganze Familie.

Echte Theaterfreaks könnten es in der ersten Sommerwoche zu vier neuen Stücken schaffen, neun sind es insgesamt im Umkreis von einhundert Kilometern rings um Dresden.

Denn während in der Landeshauptstadt das permanente Freiluftbespielen dem Theater Junge Generation in Zoo und Sonnenhäusel sowie dem Societaetstheater im benachbarten Hofgarten vorbehalten ist und in kleinerem Rahmen schön abwechselnd - also einerseits bis, andererseits ab Ferienbeginn - geschieht, und weil Bärenzwingerhof und St. Pauli-Ruine nach ihren Überdachungen nicht mehr in die Kategorie Frischlufttheater fallen, wird in der Provinz oftmals richtig geklotzt und Sachsen auch im Sommer als Kulturland erhalten, während Staats- und Großstadtkulttempel Ferien einlegen. Ein kleiner, chronologischer Rundflug hilft bei der Sommerplanung für Sachsen und Gäste.

Eher dezent begann der Premierenreigen gestern Abend auf dem Görlitzer Nikolaifriedhof: "Orpheus und Eurydike" waren zwar als Opernspektakel angekündigt und in Regie von Sebastian Ritschel und mit den Choreografien der Tanzchefs Dan Pelleg und Marko E. Weigert zum Sinnesfest gediehen, doch die Philharmonie spielte nicht auf. Dafür hat sich die Zittauer Theaterkultband um Steffan Claußner einen Gothic-Rock-Mix nach Willibald Glucks Original einfallen lassen, der gut zu Ort und Story passt. Das Hauptmann-Theater spricht gar von Hölle, in der ein echtes Feuerwerk nicht fehlen darf.

Damit kehrt das Musiktheater zu einer Form zurück, die früher am selben Ort nebenher lief, während auf dem Untermarkt seit 2002 vier große Historienspiele oder danach auf dem Kulturbrauereihof "Im Weißen Rössl" als große Operette liefen. Nun wurde diese zehnjährige Tradition, damals befördert durch die Bewerbung zur europäischen Kulturhauptstadt und mit Neuproduktionen im Zweijahresrhythmus ambitioniert und teuer gestartet, eingestellt. Auch aufgrund schwindender Nachfrage. Platz auf dem Friedhof ist nun für 200 Zuschauer, insgesamt acht Mal in den kommenden drei Wochen ist das Spektakel angesetzt, danach ist in der Stadttouristenstadt Görlitz Sommerruhe. Die Neue Lausitzer Philharmonie hat hingegen von ihren Kollegen im Elbland gelernt und geht mit dem eigens zusammengestellten Programm "Filmharmonisch" erstmals auf Freilufttour, so auch in Jonsdorf (Waldbühne am 12. Juli) und in Görlitz (Kulturbrauerei am 13. Juli).

Von Ferienruhe kann in Rathen keine Rede sein. Kaum ist der Kurort wieder aus der Elbe aufgetaucht, gibt es auf der Felsenbühne großes Theater, den ganzen Sommer lang werden alle drei Sparten der Radebeuler Landesbühnen Urlauber und andere Touristen beglücken: Höhe- und Mittelpunkt wird die Uraufführung einer Filmadaption sein: "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" in Regie von Intendant Manuel Schöbel mit Sandra Maria Huimann in der Hauptrolle erlebt am Sonnabend (16 Uhr) Premiere und wird insgesamt 28 Mal (!) gespielt. Für erwachsene Freunde des Musikgrusicals wartet hier ab 5. Juli zudem noch ein ganz neuer "Dracula" in einer jüngeren Broadway-Version von Frank Wildhorn, während im Repertoire natürlich Webers "Freischütz", Karl Mays "Old Surehand" und "Pucks Sommernachtsträume" von Reiner Feistel nicht fehlen dürfen. Bis Anfang September wird hier gespielt, die einzelnen Sparten machen dafür versetzt Urlaub.

Die Alternative mit Badeoption bietet dazu ebenfalls ab Samstag (20 Uhr) das Mittelsächsische Theater, das genau zwischen ihren beiden Häusern in Freiberg und Döbeln die einzige Seebühne Sachsens bespielt. Die Talsperre Kriebstein nahe Mittweida wird dabei zum Wolfgangsee erklärt, an dem das berüchtigte "Weiße Rössl" liegt. Die Operette von Ralph Benatzky in Regie von Klaus Kühl wird die letzte große Produktion von Generalmusikdirektor Jan Michael Horstmann sein, bevor er seinem Ex-Chef nach Radebeul folgen wird. Bis 18. Juli, vorwiegend am Wochenende, wird das Werk erklingen, etliche Schauspieler werden mitsingen und -tanzen dürfen.

Am Donnerstag (27. Juni), an dem die erste heiße Premierenwoche endet, werden sich mitten in der Oberlausitz nicht nur traditionellerweise die Gewitterwolken ballen, sondern auch Kanonenblitze sowie Kriegs- und Freudenfeuer den 18. Bautzener Theatersommer erhellen. Auf dem Burgberg wird mit "Senf für Bonaparte" in Form einer genau recherchierten Uraufführung des Leipzigers Ralph Oehme dem 200. Jahrestag des französisch-sächsisch-polnischen Etappensieges bei Wurschen unter Führung von Napoleon gedacht. Auch hier ist Sommertheater Chefsache: Intendant Lutz Hillmann garantiert für ein lustiges Spektakel mit harten Lausitzer Einschlägen. Bis zum 4. August wird das Ganze in sechs Wochen 35 Mal von Mittwoch bis Sonntag gespielt, dienstags sind Filmnächte, nur montags Burgfrieden. Die ganze Altstadt ist wie gewohnt in Spektakelstimmung, das nahezu alljährliche Premierengewitter wird mit Lockerheit verkraftet und zeigt die Freude und den Geist im Deutsch-Sorbischen Volkstheater, bei dem alle Hände im Einsatz sein werden.

Das Naturtheater Greifensteine, bespielt vom Wintersteintheater in Annaberg-Buchholz, bietet neben zwei frischen Kinderproduktionen - "Der Räuber Hotzenplotz" nach Otfried Preußler (Premiere am 30. Juni) und Astrid Lindgrens "Pippi Langstrumpf" (ab 21. Juli) - einen echten Operetten-Schlager: Carl Millöckers "Gasparone" entführt mitten im Erzgebirge ab 10. August acht Mal in die Berge Siziliens, Regie führt dabei Hans-Hermann Krug. Hier dauert die Spielzeit, genannt "Greifenstein-Festspiele" und gepriesen als "schönste Felsenbühne Europas", von 29. Juni bis 1. September, im Repertoire stecken noch "Tom Sawyers Abenteuer" und die "Rocky Horror Show".

Bis zum einzig neuen Karl May des Sommers, jenem "Winnetou I" in Jonsdorf, dauert es noch bis zum 6. Juli. Hier wird wie bei der großen Orientreise 2012 Stefan Wolfram Regie führen. Der Regisseur von "Schatz im Silbersee" aus dem Vorvorjahr, Axel Stöcker, hat eigens dafür in genauer Kenntnis der Gegebenheiten auf der Waldbühne eine neue Stückfassung geschrieben. Schade nur, dass die Bemühungen des Theaters um eine zeitnahe Nahverkehrsanbindung zur Spielstätte im Kurort - zum Beispiel per Dampfross - immer wieder scheitern, obwohl die Zuschauerzahl stetig wächst und der Parkplatz regelmäßig aus den Nähten in den Wald platzt.

Unten im Tal, im Klosterhof Zittau, lungert vielleicht die romantischste Freiluftbühne Sachsens im Schatten vom Kleinen Fastentuch und der Klosterkirche. Hier wird derweil zeitgleich noch die erfolgreiche Vorjahresinszenierung Carlo Goldonis "Der Diener zweier Herren", der witzige Regie-Erstling von Silke J. Fischer, gespielt. Im Vorjahr gab es dort glatte hundert Prozent Auslastung.

In der 211. Spielzeit übernimmt dann Dorotty Szalma, junge Wienerin aus Budapest, die Zittauer Zügel und will dann 2014 auch auf der Waldbühne selbst Akzente setzen: Karl May ist nicht ihr Favorit, so wird sie statt Winnetou den ortsansässigen Räuberhauptmann Karasek als "Held und Schurke" per Uraufführung auf Bühne und Pferd holen. Ihr Vorgänger Carsten Knödler wird derweil - aufgrund seiner grandiosen Freilichterfahrungen hier im Dreiländereck - als künftiger Chemnitzer Schauspieldirektor die Küchwaldbühne an der Eishalle wieder beleben, so dass in der nächsten Spielzeit per "Pippi Langstrumpf" eine Option mehr zu beschreiben sein wird. Elmar Mann

@www.g-h-t.de; www.felsenbuehne-rathen.de; www.mittelsaechsisches-theater.de; www.theater-bautzen.de; www.winterstein- theater.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 21.06.2013

Elmar Mann

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