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Die schwarzhumorige Komödie "Das Pflichtmandat" des H.O. Theaters

Die schwarzhumorige Komödie "Das Pflichtmandat" des H.O. Theaters

Das Leben hat es nicht gut mit ihnen gemeint. Weder mit Wilfred Morgenhall, noch mit Henry Fowle. Beide sind sie Außenseiter, zu Einzelgängern geworden, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Und nun treffen sie in einer Art Zelle aufeinander, mustern sich gegenseitig.

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Anwalt (Roland Stegemann, r.) und Mandant (Konrad Walzer).

Quelle: PR

Dresden. Das Leben hat es nicht gut mit ihnen gemeint. Weder mit Wilfred Morgenhall, noch mit Henry Fowle. Beide sind sie Außenseiter, zu Einzelgängern geworden, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Und nun treffen sie in einer Art Zelle aufeinander, mustern sich gegenseitig: der verschrobene Samenhändler (Fowle) und sein Verteidiger (Morgenhall). Es ist ein Pflichtmandat, das Anwalt Morgenhall übernommen hat - und "Pflichtmandat" heißt auch das Stück von Vielschreiber John Mortimer, das jüngst am Theaterhaus Rudi Premiere hatte.

Rita Schaller führte Regie, Roland Stegemann spielt in dieser Inszenierung des H.O. Theaters den Anwalt, Konrad Walzer den Verbrecher. Beide schlagen sich für Amateure achtbar, gleichwohl ist im Spiel beider noch Luft nach oben. Und die Regie hätte auf manche Slapstick-Einlage vielleicht besser doch verzichtet, etwa wenn Morgenhall bemüht über einen Stuhl purzeln muss.

Fowle müsste sich eigentlich Sorgen machen, dass es ausgerechnet dieser Anwalt ist, der ihn verteidigen soll. Er ist keine Zierde seiner Zunft. Sein Gang ist gebeugt, seine Robe fleckig und die Bartstoppeln stehen ihm nicht, signalisieren keine Männlichkeit, sondern nur Losertum. Eigentlich hat er sogar schon die Pensionsgrenze überschritten, gleichwohl ist dies sein erstes Pflichtmandat. Und das gleich in einem Mordfall. Entsprechend hängt er sich rein, während Fowle sich freimütig schuldig bekennt und es ganz in Ordnung fände, wenn man ihn für den Mord an seiner Ehefrau (die er umgebracht hat, weil er ihren Humor und ihre Fröhlichkeit nicht mehr ertrug) verurteilen würde - und das hat nicht nur damit zu tun, dass er "ein Mann von geringer Bildung" und auch sonst nicht gerade die hellste Kerze auf dem Leuchter ist.

Die schwarzhumorige Komödie des Engländers Mortimer verweigert sich den üblichen Erwartungshaltungen, die man mit einem im juristischen Milieu angesiedelten Drama verbindet. Es ist mehr als unorthodox, dass ein Mörder seinen Anwalt auf wunde Punkte in der angeblich ausgeklügelten Verteidigungsstrategie hinweist. Man sieht zwei erwachsene Männer, die wie Kinder vorab den Prozess durchspielen, mal auf Richter, mal auf Entlastungszeuge machen. Absurdes Theater? Ja, ein bisschen. Hat man sich auf das Spiel aber erst mal eingelassen, akzeptiert, dass es in diesem Stück mit der Logik nicht weit her und vieles psychologisch unstimmig ist, dann hat die Sache ihren Reiz. Alles eine Frage der Betrachtung, das weiß auch der Anwalt, der seinen Mandanten mit den Worten "Er hat es doch lediglich unternommen, seine häuslichen Angelegenheiten in Ordnung in bringen" in Schutz nimmt.

Nach der Pause ist der Prozess gelaufen. Beide Männer sitzen wieder in der Arrestzelle. Der Anwalt zutiefst enttäuscht, der in allen Punkten der Anklage schuldig gesprochene Mörder hingegen super drauf. Wie das? Nun, wieder schlägt Mortimer in seinem Stück eine bizarre Volte, nimmt die Handlung eine überraschende Wendung, die an dieser Stelle aus spannungstechnischen Gründen bewusst verschwiegen wird.

Das Zwei-Personen-Stück wird übrigens auch als "Wohnzimmertheater" angeboten, kann zu einem verhandelbaren Preis über das H.O. Theater (Tel. 4923366) gebucht werden.

nächste Vorstellungen: 29. & 30.1. sowie 5. & 6.2.2016 www.theaterhaus-rudi.de

Christian Ruf

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