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Die österreichische Indie-Pop-Band Bilderbuch spielt morgen in der Reithalle

Sieben Sünden, alle begangen Die österreichische Indie-Pop-Band Bilderbuch spielt morgen in der Reithalle

Mit Goldkettchen behangen sitzt Maurice Ernst, der weißblondgefärbte Sänger der Gruppe Bilderbuch, in einem gelben Lamborghini. Im Lied dazu geht es ums Mannsein. Ein andermal verharrt er, mit Gold besprüht, in Meditationsstellung, eine digitale Lotusblume überm Kopf.

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Bilderbuch

Quelle: Christoph Pöll

Dresden. Mit Goldkettchen behangen sitzt Maurice Ernst, der weißblondgefärbte Sänger der Gruppe Bilderbuch, in einem gelben Lamborghini. Im Lied dazu geht es ums Mannsein. Ein andermal verharrt er, mit Gold besprüht, in Meditationsstellung, eine digitale Lotusblume überm Kopf.

Es geht es ums Entspannen. Im dritten Video steigt vor grellgrünem Hintergrund minutenlang pinkfarbener Rauch auf. Es geht ums Kiffen. Alle diese Videos haben gemeinsam, dass darin irgendwas nicht stimmt. Sie sehen toll aus, fühlen sich aber komisch an. Mit den Texten von Bilderbuch geht es einem ähnlich. "Willst du meine Frau werden, kauf ich uns ein Haus aus goldnem Perlmutt. Es tropft dein feuchter Blick auf mein Verlangen. Sieben Sünden, alle einmal begangen", singt ein 25-jähriger Ernst im Lamborghini-Lied "Maschin". Humor haben sie jedenfalls. Aber das ist eben nicht schon alles. Erfreulicherweise hält die Musik der knalligen Inszenierung der aktuellen Platte "Schick Schock" (2015, Maschin Records) stand.

Das Album ist lässig, das kann man nicht anders sagen. Je öfter es läuft, umso mehr Spaß bringt es. Das sehen offensichtlich einige so. Denn das Konzert von Bilderbuch wurde aus der Scheune in die Reithalle auf der Straße E verlegt. 1400 statt 500 Leute. Es trägt vermutlich zu ihrem Erfolg bei, dass man nicht genau zu fassen kriegt, was ihre Musik von einem will. Musikalisch liegt das, was die vier Österreicher machen, zwischen Pop, Hip Hop, Funk, Rock und Barry Manilow, dem sie ein sehr grooviges und sehr schräges Lied geschrieben haben. Hört man sich die Texte der drei bisher veröffentlichten Alben an, muss man sich zudem fragen, was Lehrer im österreichischen Deutschunterricht durchnehmen oder warum in Landessprache singen dort immer mal wieder so gut funktioniert. Jetzt kommt Falco ins Spiel, geht leider nicht anders. Der Urtyp denglisch-romantisierender Spleenigkeit. Auch Ja, Panik haben sie, ein wenig auch der Nino aus Wien, definitiv Wanda. Ihre Liebe ist erzählerische Großspurigkeit, bei gleichzeitigem Minimalismus in der Wortwahl. "Unsere Jugend wird dahin sein, wie der Rauch aus dem Schornstein". Das ist eine Zeile vom letzten Bilderbuch-Album "Die Pest in Piemont" (2011).

Doch noch ist die Jugend drin in ihnen und ihrem Indie-Pop, der auf der neuen Platte noch befreiter klingt. Subkultur oder Maistream, für Bilderbuch keine sich ausschließenden Kategorien, sondern die logische Entwicklung einer guten Band. "Musik muss ja nicht kreativ flach sein, weil sie kommerziell ist", sagte Ernst 2014 in einem Interview, und weiß doch, dass es oft anders ist, auch in seinem Land. "Das Wahrnehmen der eigenen Popmusik ist in Österreich noch viel schlimmer als in Deutschland. Es darf nicht funktionieren, denn dann kann es ja nicht cool sein." Kann man nur hoffen, dass sie mit ihrem Weg ein klein bisschen Gegenteil beweisen können. Und dann sagt er noch etwas möglicherwiese Grundsätzliches über das Musikmachen in seinem Land: "Das macht vielleicht den Charme, den eigenen Sound der österreichischen Popbands aus - sie klingen so, wie sie klingen, weil sie von vorn herein weniger Perspektiven haben."

Die Perspektive ist jetzt allerdings da. Nach zehn Jahren sind Bilderbuch nicht die Modeerscheinung, die vorletztes Jahr mit "Maschin" schick rauskam. Sie sind auch nicht nur eine gute Vorband für Casper oder die Beatsteaks. Sie sind viel spannender. Den Musikwirtschaftspreis "Austrian Amadeus Award", zumindest den vom "Subkultur"-Radiosender FM4 gesponserten, haben sie 2014 schon mal gewonnen. Das fand die Omi vom Sänger spannender als die Band selber. Sie selbst wussten ja schon eine Weile, dass ihre Musik etwas taugt.

Bilderbuch, morgen 20 Uhr in der Reithalle, Karten für 27 Euro an AK

Juliane Hanka

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