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Die norwegische Trompeterin Tine Thing Helseth und die Dresdner Philharmonie im Albertinum

Die norwegische Trompeterin Tine Thing Helseth und die Dresdner Philharmonie im Albertinum

Hätte Johann Nepomuk Hummel sein berühmtes Trompetenkonzert Es-Dur für die norwegische Trompeterin Tine Thing Helseth komponiert, er hätte gewiss länger daran geschrieben.

Erstens hätte er wohl weit mehr als nur knapp zwanzig Minuten Musik darauf verwandt, um des blasenden Engelsgesichts aus dem Norden ansichtig zu werden, und zweitens hätte er womöglich so manch virtuose Hürde ein wenig geglättet, um die junge Blonde nicht gleich zu überfordern. Oder er hätte sie gebeten, mit diesem Werk noch ein klein wenig zu warten. Dass er es gleich in Es- statt in ursprünglichem E-Dur verfasst hätte, steht außer Frage.

Für das 4. Konzert der Dresdner Philharmonie war die 1987 in Oslo geborene Tine Thing Helseth erstmals zu Gast im Albertinum, wo sie diesem zu Neujahr 1804 im österreichischen Schloss Esterházy uraufgeführten Trompetenkonzert Hummels vor allem die lyrischen Seiten entlockte. Mit ihrem wunderschönen, geradezu vokalen Klang gelangen eindrucksvolle Melodiebögen, die das Publikum scheinbar voll Wärme umhüllten. Tine Thing Helseth beherrscht zwar auch die virtuosen Spielereien, hat das vorgegebene Tempo für die tückischen Hürden im Kopfsatz sowie im finalen Rondo sanft eingebremst, um an den vertracktesten Stellen nicht ins Stolpern zu geraten, doch so manche Verzierung geriet ihr zu abgebrochen, blieb im Ansatz schon stecken oder wurde nonchalant schlicht überspielt. So ehrenwert es war, gerade in diesem auch poetisch verspielten Konzert solistisch nicht aufzubrausen, so auffällig blieben die kleineren Makel im Vortrag.

Chefdirigent Michael Sanderling, der mit dem Orchester weniger ein durchgeistigtes denn ein eilfertiges Allegro-Tempo vorgab, legte der Solistin einen avancierten Klangteppich aus. Statt fein geknüpft war manches arg dick gewoben, wobei die nachhallenden Pauken und tiefen Streicher viele Feinheiten der bestens präparierten Bläserfraktion etwa flugs wieder zudeckten. Gerade im Albertinum gilt womöglich in Abwandlung einer Binsenweisheit: Gut Ding will Weihe haben.

Im Poem "Der verzauberte See" des heute weitgehend unbekannten russischen Komponisten Anatoli Ljadow klang mehr davon durch. Die Stimmungsskala in diesem nur sechsminütigen Werk aus dem Jahr 1909 reicht von eisiger Stille bis hin zu einem beinahe Rusalka-haften Zauber, der diesem sonst kaum plätschernden See tiefgründig innewohnt. Ein schönes Entree zu diesem Abend, der auch an den beiden Feiertagen wiederholt worden ist.

Dessen Krönung erfolgte mit Peter Tschaikowskis vergleichsweise selten aufgeführter Sinfonie Nr. 3 D-Dur op. 29. Diese sogenannte "Polnische" Sinfonie schwelgt anspielungsreich um so manche Motivik des vier Jahre später entstandenen "Eugen Onegin" herum. Sanderling und die Philharmonie haben die teils bombastische Gravität ausgewogen und durchdacht interpretiert, wurden bei den wiederkehrenden und sich bis zur abschließenden Polonaise steigernden Themen nie schwülstig, sondern glänzten mit vogelleichten Phrasierungen und einer klug gewählten Dynamik. Brillant zog das Holz in die gefühlvollen Wälder, samten wehte der Streichersog darüber hinweg. Insbesondere das lang aufgebaute Finale hat wunderbar funktioniert, weil es sachte, aber durchgängig gestaltet worden ist. Entsprechend beglückt war denn auch das Publikum im bestens gefüllten Saal. Michael Ernst

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 27.12.2012

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