Volltextsuche über das Angebot:

16 ° / 10 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Die kostbaren Früchte - Ausstellung des Neuen Sächsischen Kunstvereins e.V.

Die kostbaren Früchte - Ausstellung des Neuen Sächsischen Kunstvereins e.V.

In der diesjährigen Sommerausstellung des Neuen Sächsischen Kunstvereins e.V. präsentieren 88 Mitglieder 189 Arbeiten in unterschiedlichen Techniken und Genres zum Thema "Paradiesgarten".

Voriger Artikel
Revolution und Spitzentanz - "Ballet Revolución" in der Dresdner Semperoper
Nächster Artikel
Eine Lobby für die Kreativen - "Wir gestalten Dresden" will die Kulturbranche stärken und schützen

Geflügelter Eckensteher im Paradiesgarten der blauen Träume", Christoph Winkler, 2014.

Alle Künstler wurden von der Galeristin Karin Weber angeschrieben. Ausgewählt wurden Arbeiten der Malerei, Zeichnung, Druckgrafik, Collage, Fotografie, Plastik, Skulptur, Objekt und Schmuck.

In dieser Ausstellung der Galerie Mitte geistert die in der Kunst beliebte und in jeder Epoche anders aufgenommene und unterschiedlich wiedergegebene Utopie vom Paradies: Von unterschiedlichen Ausgangspunkten und Ideen ausgehend, bietet sich dort eine Schatzkammer sächsischer Kunst, die verzaubert und sich lustvoll zum Thema bekennt. Es ist wie immer die kreative Vielfalt der Region, die durch die Zusammenschau der Handschriften sichtbar wird und einen Einblick in die kostbaren Früchte der Künstlerfantasie gibt. Die Idee vom Paradies umschließt alle Arbeiten auch noch im geringsten und widersprüchlichsten Bezug. Neben den idealen und dem Mythos verpflichteten Werken gibt es scheinbar belanglose Realisierungen zwischen rotbäckigen Paradiesäpfeln aus Pappmaché und einer "selfmade bomb" (Jens Ossada), die auf bestürzende Weise das Thema durch seine Ambivalenz ins Bedrohliche (angesichts des Terrorismus) umkehrt.

Vielleicht ist das Terrain der Kunst neben dem Alten Testament die eigentliche Bühne für den Gedanken an das Paradies, welche die fortwährende Sehnsucht des Menschen nach Heilung, ewiger Gesundheit, Glück und Schönheit bereits im Diesseits wirklich werden lässt. Künstler leben im Raum der Fantasie, in der das Gute und Vollkommene bereits Fuß gefasst haben und sich im Kunstwerk zeigen. Sie drücken ihren Entwurf von einem Leben aus, in dem Harmonie und Freiheit einander bedingen, sowohl im Eigenen als auch in den Beziehungen zu anderen. Was meist schmerzlich ist, wird sublimiert oder allein durch die künstlerische Darstellung verarbeitet.

Im Zentrum der Thematik stehen dabei Eva und Adam, die biblischen Menschheitsbegründer, die in den "süß-sauren Apfel der Erkenntnis" bissen und dafür Arbeit, Krankheit und Tod ernteten. Jürgen Wenzels "Eva" steht strahlend inmitten von Blumen in der Feier irdischer Schönheit. Gudrun Trendafilov idealisiert die biblische Eva auf einem monochromen Hochformat mit Schlange. Neben dem Bild liegt ein halbierter Granatapfel aus bemalter Keramik (Fruchtbarkeits- und Christussymbol), ein Objekt von Gabriele Reinemer. Mechthild Mansel verweist mit einem Augenzwinkern in ihrem emotional-abstrakten Ölbild mit dem Titel "Rosenhag" auf das Bildprogramm der Frührenaissance. Luc Saalfeld spürte mit seinen Schwarz-Weiß Fotografien in Dresden-Strehlen dem morbiden Charme aufgelassener Gärten nach, während Gabriele Seitz analog Blumen aus dem eigenen Garten fotografierte.

Die Idealisierung, die bis zum Romantisieren reicht, unterliegt oft einer Selbstzensur. ("Zensierte Wolken", Michael Dobbelt). Landschaften werden zum Refugium und durch ihre Kontemplation zum Arkadien, wo die Seele wohnen darf ("Italienische Landschaft", Ursula Bankroth). Inseln werden zum Ort der Abgeschiedenheit und der Meditation ("Paradiesinsel", Wolfgang Bruchwitz), Blumenstilleben verändern sich zum heiklen Garten paradiesischer Verfremdung ("Dornentulpen", Steffen Fischer), Schwingend gelbe und grüne Flächen assoziieren Frische und Lebendigkeit (Doris Granz), während Apfel und Wurm (vielleicht auch Schlange) sich durchdringen (fein farbig abgestimmte Holzobjekte von Fritz Peter Schulze). Eleonore Adlers Paradies kommt erst nach dem großen Crash ("Das Paradies kehrt wieder"). Michael Freudenberg gibt einen Blick in die gärtnerische Samenstube mit seinen geronnenen Häufchen aus Palettenfarbrückständen auf schwarzem Grund ("Früchte und Samen aus dem Paradiesgarten").

Ich hätte mir hier und da eine klarere, konsequentere Hängung gewünscht. Bemerkenswert aber ist das Bemühen der Aussteller, die reiche Vielfalt der Handschriften angesichts das den Rahmen sprengenden Programms und des begrenzten Raumes in einer auf Zusammenklang bedachten Ausstellung zu inszenieren. In den neuen Räumen in der Nähe des Vereinsbüros, die sich der Sächsische Kunstverein e.V. mit dem Umweltzentrum als künftigem Kooperationspartner ab September teilt, müssen Raum-und Platzfragen jedenfalls nicht mehr gestellt werden.

Bis 2. August. Galerie Mitte, Striesener Straße 49, geöffnet Di-Fr 15-19, Sa 10-14 Uhr, Kontakt: 0351/ 4 59 00 52

www.galerie-mitte.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 25.07.2014

Heinz Weißflog

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr