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Die knipsen nicht nur: Anja Bohnhof und Karen Weinert räumen Gedenkstätten aus

Notizen der Abwesenheit Die knipsen nicht nur: Anja Bohnhof und Karen Weinert räumen Gedenkstätten aus

Was ist eine Verlagsgründung gegen das Ausräumen von Gedenkstätten? Die beiden Fotografinnen Anja Bohnhof und Karen Weinert haben zahlreiche sonst gut mit Inventar bestückte Häuser leergeräumt, um Bilder nackter Räume aufzunehmen.

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Quelle: PR

Dresden. Was ist eine Verlagsgründung gegen das Ausräumen von Gedenkstätten? Die beiden Fotografinnen Anja Bohnhof und Karen Weinert haben zahlreiche sonst gut mit Inventar bestückte Häuser leergeräumt, um Bilder nackter Räume aufzunehmen. Bemerkenswerte Notizen der Abwesenheit sind so entstanden. Was bislang in mehreren Ausstellungen präsentiert wurde, liegt nun in einem prächtig gestalteten Bildband vor, der kürzlich in der Galerie bautzner69 der Öffentlichkeit vorgestellt worden ist.

Dieses Buch nun ist nicht nur der Zwischenstand einer bis heute nicht abgeschlossenen Fotoserie, der eine ebenso schlichte wie überzeugende Idee zugrunde liegt. Es ist zudem der Startpunkt zu einem neuen Betätigungsfeld von Uwe Patzer und Karen Weinert, die ihre bisherige Galerietätigkeit auf der Bautzner Straße um anspruchsvolle Verlegerarbeit ergänzen werden. Das laut Eigenschreibweise hesperus print* Verlag genannte Unternehmen ist zwar mit dem Bildband "Abwesenheitsnotizen" ins Leben gerufen worden, doch es fußt auf einer Art Übernahme des 1996 gegründeten und bislang in Potsdam ansässigen Hauses Hesperus Verlag & Antiquariat. Eine freundliche, eine fotografische Übernahme.

So noch nie gesehene Innenräume

Im sehr sorgfältig edierten Bild- und Textband "Abwesenheitsnotizen" sind künstlerische Fotoarbeiten von Anja Bohnhof und Karen Weinert enthalten, die in den Jahren seit 2004 Streifzüge durch ausgewählte Museen und Gedenkstätten unternahmen. Das bestimmende Konzept ihres inzwischen in mehreren Städten präsenten Projektes ist der Nachweis von Abwesenheit ausgerechnet am Ort des Erinnerns. Dazu haben sie museale Räume leergeräumt und lediglich die verbleibenden Hüllen als Ursubstanz fotografiert. Immer wieder gelangen ihnen dadurch verblüffende Eindrücke.

Verblüfft dürften jeweils auch die Hausherren dieser Kleinode gewesen sein, als sie vom sehr originellen Ansinnen der beiden Fotografinnen erfuhren. Zahlreiche Stiftungen, Institutionen und Museen ließen sich jedoch überzeugen und haben bei diesem unter anderem von der Sächsischen Kulturstiftung unterstützten Projekt mitgemacht. Ob die Brecht-Weigel-Gedenkstätte in Berlin, das Mendelssohn-Haus in Leipzig oder Schillers Gartenhaus in Jena, ob das Wilhelm-Busch-Haus Mechtshausen, das Robert-Sterl-Haus in Naundorf oder das Carl-Maria-von-Weber-Museum in Dresden Hosterwitz - all die Innenräume dieser Gedenkorte sind sonst nie so zu sehen, wie Bohnhof und Weinert sie nun im Bild festhalten konnten.

Die Resultate wirken mitunter, als wären nicht nur Möbel und sonstiges Inventar, sondern auch die einstigen Bewohner nur mal eben verschwunden. Wo sonst Devotionalien den Raum bestimmen, gelangen nun geradezu philosophische Momentaufnahmen. Eine umfangreiche Auswahl dieser Fotoarbeiten ist im mit zusätzlichen Informationen über die Gedenkstätten versehenen Band "Abwesenheitsnotizen" versammelt. Für die beiden Künstlerinnen ist die Reise nicht zu Ende, sie wollen auch weiterhin berühmte Räume entdecken und kurzzeitig für ihr Fotoprojekt ausräumen.

Anja Bohnhof / Karen Weinert: Abwesenheitsnotizen, 104 Seiten, zahlreiche Abbildungen, 35 Euro, hesperus print* Verlag

www.bautzner69.de

Michael Ernst

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