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Die jüngste Ausstellung der Dresdner Galerie Holger John ist wieder am Nabel der Zeit

Ausstellung Die jüngste Ausstellung der Dresdner Galerie Holger John ist wieder am Nabel der Zeit

Diesmal hat Holger John seine Dresdner Galerie einem Zeitfenster geöffnet und ist eine künstlerische Brücke zwischen Dresden und Istanbul eingegangen. Denn mit dem 1993 in der Stadt am Bosporus geborenen Künstler Murat Önen liegt der Fokus auf der Türkei.

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Malerei von Murat Önen ist derzeit in der Galerie Holger John zu sehen, dazu kommen Fotos von Thomas Fröhlich.
 

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. „Entartete Kunst“ hat er gezeigt – just zum 13. Februar vorigen Jahres. Zeichnungen von Flüchtlingskindern gab es bei ihm schon im zeitigen Herbst 2015 und unmittelbar darauf eine Werkschau gestandener syrischer Künstler, die bereits etwas länger in Deutschland zu Hause sind. Diesmal hat Holger John seine Galerie einem anderen, kaum minder bedeutsamen Zeitfenster geöffnet und ist eine künstlerische Brücke zwischen Dresden und Istanbul eingegangen. Denn mit dem 1993 in der Stadt am Bosporus geborenen Künstler Murat Önen liegt der Fokus auf der Türkei, jenem ewigen Wackelkandidaten, was sowohl die EU-Aufnahme als auch die Bekämpfung der mit deutschen Waffen ausgerüsteten Kurden durch die mit deutschen Waffen ausgerüsteten türkischen Militärs betrifft. Als Kontrapunkte zu Murat Önens Malerei sind Fotografien von Thomas Fröhlich zu sehen, einem Dresdner Allrounder, der schwarz-weiße Kontraste zu den farbigen Leinwänden setzt.

So platt wie die derzeitigen Politbeziehungen zwischen Berliner Republik und dem ostthrakisch-anatolischen Staat beziehen Galerist und Künstler natürlich nicht Position, sondern öffnen mit dieser Gemeinschaftsausstellung Freiräume für Denkprozesse, die – genährt durch die täglich absurder werdenden Schlagzeilen – von ganz allein auf das Thema der Gewalt der Menschen gegen Menschen zielen. Da geht es natürlich um künstlerische Sichten auf Menschenbilder, was ein Kontinuum in der Galerie Holger John zu sein scheint. Die permanente Bewegtheit in diesem Kunst-Raum resultiert aus einer ganz offensichtlich unstillbaren Kreativität, die ebenso ansteckend-einladend auf eine internationale Künstlerszene wie auf das einheimische und touristische Publikum wirksam ist. Von Personal- über Gruppenausstellungen, von studentischem Suchen bis hin zur klassischen Moderne, von Malerei über Grafik und Fotografie bis hin zur Porzellankunst sind keine Grenzen vorhanden. Und wenn doch, dann sind sie sehr fließend.

Auch Murat Önen und Thomas Fröhlich passen in dieses Nicht-Schema hinein. In lustvoll bitterem Wechsel hängt Malkunst neben fotografischem Abbild, doch beide Genres reflektieren ein Menschen-, ein Maskenbild. Önen stülpt seinen Figuren verstörende Hauben über. Mal ist es ein Hundekopf, mal ein verwischtes Stück Plastik, das kann als Versteckspiel ebenso wirken wie als unterjochende Folter. Wie weit ist es von seltsamer Lust unter schwarzem Gummi bis hin zum Grauen eines anonymisierten Individuums? Fröhlich, der auf fotografischem Feld eigentlich Autodidakt ist, setzt Figuren der Dresdner Kunstszene ins Bild. Das entlarvend unverstellte Abbild dieser identifizierbaren Menschen ist vielleicht schon eine neue Form von Maskierung. Oder – in Summe mit den handwerklich reifen Ölbildern des in Dresden studierenden Türken – die Vorwegnahme von künftigem Alltag?

Erschreckend ist jedenfalls, wie hellsichtig aktuell die Ausstellungen in dieser Galerie sind. Man sollte dies – über den Event-Charakter hinaus – zur Kenntnis nehmen.

Bis 14.2., Galerie Holger John, Rähnitzgasse 17

www.galerie-holgerjohn.com

Von Michael Ernst

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