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Die isländischen Cinemascope-Rocker Sigur Rós kommen im Sommer in die Junge Garde

Die isländischen Cinemascope-Rocker Sigur Rós kommen im Sommer in die Junge Garde

Die Songtitel von Sigur Rós klingen mitunter wie die Namen homöopathischer Kügelchen. "Glósóli", "Gobbeldigook", "Illgresi" - am Ende bewirken die atmosphärischen Lieder sogar dasselbe, wenn sie richtig dosiert sind und lange genug einwirken können, wenn man selbst nicht auf schnellen Erfolg aus ist, sondern auf komplexe Wirkungen vertraut.

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Die Isländer Sigur Rós kommen im Sommer für ihr einziges Einzelkonzert in Deutschland nach Dresden.

Quelle: Lilja Birgisdóttir/PR

Nicht nur, dass das Isländische an sich schon für deutsche Ohren exotisch genug klingt, die Band sang lange Zeit auch noch in einer Art Phantasiesprache. Und die legte sich dann über diesen so einzigartigen Breitwand-Rock epischen Ausmaßes, in den Himmel gehoben von Jón Thór Birgissons Falsett-Stimme, abgesägt von seiner oft genug auch mit Bogen gestrichenen E-Gitarre, wieder neu zusammengesetzt von Georg Holm (Bass), Orri Pall Dyrason (Drums) und Kjartan Sveinsson (Keyboards). Sigur Rós sind wuchtig und fein zugleich, sie pflegen eine eigene Soundkultur und arbeiten seit ihrer Gründung im Jahre 1994 erfolgreich daran, Unikate zu bleiben. Nachahmer gab es in der Popwelt genug, Fälscher auch. So richtig getraut aber hat sich keiner, durchgesetzt gleich gar nicht.

Das Quartett gastierte bislang zwei Mal in Dresden, 2005 und drei Jahre später. Die selbstredend ausverkauften Auftrittsorte waren nie ideal: Im Kulturpalast war es viel zu steif, im Schlachthof viel zu stickig. Wie schrieben die DNN nach dem letzten Hallenkonzert? "Natürlich wäre es ein sehr schöner Abend bei den ,Filmnächten am Elbufer' geworden oder in der ,Garde'. Lau und lauschig, eine Band, die mühelos die offene Luft bespielt, man hätte sitzen können! Alles weit besser und vor allem angenehmer als mit über 2000 transpirierenden Menschen in einem Steh-Saal bei Aufzug eines Schwülwettergebietes." Es ist eine Ehre für diese Zeitung, ausgerechnet das einzige Einzelkonzert von Sigur Rós im deutschen Sommer 2013 präsentieren zu dürfen - auf der Freilichtbühne Junge Garde. Alles, was die Papierform für solch einen Abend knapp vor der Sommersonnenwende hergibt, ist also gegeben.

Wenn Sigur Rós in Länder fahren, bleiben sie nie ausgiebig dort. Teilweise über irre An- und Abreisen tauchen sie lieber kurz auf und ziehen weiter. Jetzt im Winter sind sie je einmal in Berlin (ausverkauft) und München, je zweimal in Frankreich, Spanien, Portugal, in Großbritannien wird es etwas mehr sein, in Japan auch. Nach ihrem Gig in Dresden am 19. Juni geht es weiter zu den Drängel-Festivals Hurricane in Scheeßel und Southside in Neuhausen - und gleich wieder raus aus dem Land.

Über die aktuelle, insgesamt sechste CD namens "Valtari" wird zu gegebener Zeit an dieser Stelle zu sprechen sein, denn sie verheißt sehr wohl das nächste Gesicht des Quartetts, eines, das wir hier noch nicht gesehen haben könnten - wenn Sigur Rós denn den Mut haben und das neue Werk als Fundament fürs Live-Programm verwenden. Nur so viel: Die Pop-Lied-Struktur ist weitestgehend aufgehoben. Eine leichte Geburt soll die Entstehung des neuen Materials allerdings nicht gewesen sein.

Vor "Valtari" war 2011 mit "Inni" eine 2CD/DVD-Edition erschienen, die sehr wohl als heftiges Komma, wenn nicht gar Punkt taugt. Ein 75-minütiger reiner Konzertfilm in Schwarzweiß und unter der Regie des Kanadiers Vincent Morisset war darin genauso enthalten wie 18 Live-Songs von jener Tour, die auch in Dresden 2008 Station machte. Danach waren Sigur Rós für vier Jahre abgetaucht, vor allem, damit Birgisson, Holm, Dyrason und Sveinsson ihre Soloaktivitäten verfolgen konnten. Wobei der Fokus natürlich auf Jonsi Birgisson gerichtet war, der mit "Go" (2010) eine komplette CD und den Soundtrack zu Cameron Crowes Film "Wir kaufen einen Zoo" (2011) veröffentlichte.

Interviews mit Sigur Rós sind selten bis unmöglich. Wenn doch, muss man mit Sätzen wie diesen rechnen: "Wir sehen uns als Heavy Metal Band. Wirklich. Wir haben uns mit dem Teufel verbündet und spielen Songs für ihn." Dem Teufel könnte es gefallen. Woher Sigur Rós kommen, wie sehr sie mit der isländischen Lebenskultur verbunden sind, weshalb man sich nur schwer vorstellen kann, dass sie wie Landsfrau Björk dauerhaft woanders leben könnten, davon erzählt die grandiose Doppel-DVD "Heima" (2007). Die und der sehr aussagekräftige Dok-Film "Screaming Masterpiece" (2008) über die isländische Musikszene lohnen das Sehen und Wieder-Sehen. Die Filme können auch Vorfreude nähren und Wartezeiten überbrücken. Denn bis zum Dresdner Konzert von Sigur Rós an so traditionsreichem Orte ist es noch eine Weile hin. Obwohl,...

19. Juni in der Jungen Garde, Karten ab 39,60 Euro bei tickets.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 14.02.2013

Andreas Körner

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