Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 7 ° wolkig

Navigation:
Google+
Die geheimen Regungen der Seele

Die geheimen Regungen der Seele

Dieser Autor hat Glück gehabt mit seinem Nachdichter. Denn der heißt Reiner Kunze und ist selbst ein bedeutender Lyriker. Das ist immer ein Vorteil.

Voriger Artikel
Ein fruchtbares Duo
Nächster Artikel
Sophie Hunger begeistert im Alten Schlachthof

Petr Hruška.

Quelle: Straka

Dresden. Denn beim Nachdichten geht es nicht darum, einen Vers Wort für Wort zu übersetzen. Es geht um Entsprechungen des Originals in der Zielsprache. Ein Gedicht muss in der Sprache, in die es übersetzt worden ist, so wirken, als sei es selbst das Original. Keine Kopie, kein "so ungefähr". Einer wie Reiner Kunze weiß das. Seit vielen Jahren schon bringt er Gedichte aus anderen Sprachen ins Deutsche. Im Jahre 2003 erschien im S. Fischer-Verlag ein ganzer Band mit seinen Nachdichtungen, der den schönen Titel "Wo wir zu Hause das Salz haben" trägt. Die meisten Übersetzungen stammen aus dem Tschechischen. Es stehen auch einige Verse des 1964 geborenen Petr Hruška in dem Büchlein. Und sie wirken im Deutschen wie Originale.

1998 hat der Tscheche Petr Hruška, gemeinsam mit seinem Kollegen Christian Lehnert, den erstmals vergebenen Dresdner Lyrik-Preis erhalten. Jetzt kann man dem Dichter wiederbegegnen: Am 10. November kommt er, als Gast der Reihe "Literarische Alphabete" des Literaturforum Dresden, ins Stadtmuseum. Er wird dort, im Gespräch mit Patrick Beck, sein Buch "Jarek anrufen" vorstellen. Es handelt sich um eine kleine, bibliophile Sammlung von Gedichten, erschienen in der Edition Toni Pongratz.

Die Jury hat 1998 eine gute Wahl getroffen, denn Hruška zählt heute zu den bedeutendsten Lyrikern unseres Nachbarlandes. Was in seinen Gedichten besonders auffällt, ist sein Gespür für die geheimen Regungen der Seele. Petr Hruška schaut in die Ritzen unserer Wahrnehmung. Und oft sind es in seinen Versen die Dinge, die ein Licht auf die Emotionalität menschlicher Beziehungen werfen. Über ein Paar auf einem Nachtlager in einem Fremdenzimmer lässt der Dichter sein lyrisches Ich sagen: "nie sah ich / ein so enges Zimmer / wollten wir uns umdrehen / mussten wir uns umarmen."

Dem Schriftsteller gelingt es, mit wenigen Worten ein Sprachgeflecht von enorm hoher Emotionalität zu erzeugen, ohne eigentlich sein Wortmaterial sonderlich zu erhitzen. Manches klingt fast lakonisch. Und er kramt gleichsam in unserer Sicherheit - wie in einem anderen Gedicht das Kind, das "aus dem gras gelaufen" kommt und von dem es heißt: "selbstversunken / kramt es sacht in unserer sicherheit." Um von der Liebe zu sprechen, nimmt dieser Autor einen "Diebstahl" (so auch der Titel des Gedichts) zum Anlass. Er zählt die entwendeten Sachen auf, stellt sie sich vor an einem Ort, wo sie nutzlos herumliegen, um sich am Schluss zu fragen: "Wann waren wir das letzte Mal / so beisammen?" Was für ein Gedichtschluss!

Selten in einem lyrischen Werk wurde die Welt der Familie so zart und einfühlsam beschrieben. Und immer wieder Kinder, leichtfüßig inmitten der Gefahren des Alltäglichen. Fünf Gedichtbände sind von Petr Hruška mittlerweile erschienen.

10. November, 20 Uhr, Stadtmuseum: Petr Hruška im Gespräch mit Patrick Beck

Volker Sielaff

von Volker Sielaff

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr

  • Semperopernball
    Semperopernball

    Alle Infos, alle Highlights, die schönsten Bilder - der Semperopernball in Dresden. mehr

  • 13. Februar

    Ob Gedenken, Täterspuren oder Menschenkette: Alle Infos finden sie in unserem Special zum 13. Februar in Dresden mehr

  • Onlineabo

    "DNN-Exklusiv" heißt das Online-Premiumangebot der Dresdner Neuesten Nachrichten, dass Sie überall und rund um die Uhr nutzen können - zu... mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die DNN in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten DNN das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr