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Die frühen Holz-und Linolschnitte von Andreas Dress in der Dresdner Galerie Mitte

Ausstellung Die frühen Holz-und Linolschnitte von Andreas Dress in der Dresdner Galerie Mitte

Was der Dresdner Maler und Grafiker Andreas Dress als „Intermezzo“ in seinem Schaffen bezeichnet, sind die frühen 60/70er Jahre mit Holz-und Linolschnitten. Die Dresdner Galerie Mitte zeigt Arbeiten ausschließlich in dieser Technik.

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Andreas Dress. Nach Franz Werfel “Stern der Ungeborenen", Holzschnitt, koloriert, 1973.

Quelle: Heinz Weißflog

Dresden. Was der Dresdner Maler und Grafiker Andreas Dress als „Intermezzo“ in seinem Schaffen bezeichnet, sind die frühen 60/70er Jahre mit Holz-und Linolschnitten. Die Galerie Mitte zeigt Arbeiten ausschließlich in dieser Technik, ein überraschendes Konvolut aus dichten, manchmal mit bis zu fünf Farben bestehenden Drucken von großer expressiver Intensität. Bis auf drei Blätter wurden sämtliche Arbeiten niemals zuvor ausgestellt.

Welt und Zeitgeist werden damals schon stark in den Mittelpunkt gerückt. Andreas Dress setzt sich bereits in dieser Zeit seines Schaffens mit Fragen des Terrors, Krieg und Gewalt, dem Kampf der Ideologien und dem Verhältnis von Leben und Tod auseinander. In seinen Stadtbildern („Stadt am Strom“, Farbholzschnitt, 1976) wird das jeweilige Blatt zur Bühne. Hier bezieht er schon sein Personal aus Figuren ein, das später für ihn so charakteristisch wird: die im Bild exzessiv handelnde Figur. Vor dem Strom lagern Menschen, die auf die berühmte Silhouette weisen. Babelturm und Nachtbar zu beiden Seiten der Bühne. Panoramen und düster gebaute Kuben beherrschen die Szenerie, die Heimatstadt Dresden ist nur schwer zu erkennen. Es könnten Fantasiestädte sein, wehrhafte, vom Wasser umgebende Siedlungen („Stadtsaga“, 1975) oder zerstörte alte Bausubstanzen, die expressiv in den Himmel ragen. Die Zurücknahme der Farbe auf wenige Töne (Schwarz, Olivgrün, Gelb) in einigen Arbeiten unterstreicht die keimende Dunkelheit in seinen Bildern, aber auch den mittelbaren Bezug auf die Zeitverhältnisse des Kalten Krieges. In seinen frühen „Bildern aus Dresden“ (grafische Folge, 1975) widmet er sich kaleidoskopartig dem „Stadtleben“, wie das Titelblatt der Serie lautet. Seine Monats-und Jahreskalender (1974/75 werden in verschiedenen Zuständen gezeigt, zum Teil in Plakatform.

Im Zentrum der Ausstellung stehen die skurrilen Blätter zum Totentanz, die auf die späteren Bilder seines Tanzes des Lebens verweisen. Neben Gesamtansichten und Detailbildern (der Tod als bewaffneter Soldat, ihm gegenüber der Biedermann in Schlips und Kragen) zeigen die Farbholzschnitte ein imaginäres Kasperletheater, in das zum Teil Texte integriert wurden, wie der sinnfällige Satz: „Kasperl trägst ein roten Rock/bist doch nur ein bleicher Stock“ (Farbholzschnitt, 1975). Über das Thema „Terror“ finden sich ebenfalls zahlreiche hochaktuelle Mehrfarbendrucke sowie zu Pablo Nerudas „Anrufung“ (1976), einer beliebten Form seiner Dichtungen, die er in allen seinen Gedichtbänden angewendet hat (zwei Zustandsdrucke von 1976).

Neben christlichen Themen wie dem „Christophorus“ (2/3), zum Teil in expressiv-kubistischer Auffassung, aber auch als schwungvoller, symbolischer Christusträger, frappieren seine kraftvollen Seemannsbilder („Jonny, selbstviert“ Farblinolschnitt 1975) mit einer nachträglich vollzogenen Eintragung: „Andreas Dress: Galerie Mitte, Dresden, 2016“, die den Bogen zur Gegenwart schlägt. Es handelt sich hier um an Selbstporträts erinnernde Köpfe in maritimer Manier, die als Plakat gedacht waren.

Auf großer Fahrt befindet sich auch der Protagonist F.W. in dem Reiseroman „Der Stern der Ungeborenen“ von Franz Werfel. Ein eindrucksvoller kolorierter Holzschnitt zeigt die Hauptfigur und den Ich-Erzähler im kometenhaften Flug durch den astromentalen Weltraum jenseits der irdischen Schwerkraft (13. Kapitel des Buches). Das skurrile Buch über eine ferne Fantasiewelt (die dreitägige Reise durch die inneren philosophischen Weltdimensionen knüpft an Dantes „Göttliche Komödie“ an) mag Andreas Dress schon als jungen Künstler inspiriert haben. Der irdisch-himmlische Entwurf einer heilen, kommenden Gesellschaft zwischen Humanität und Totalitarismus, die Werfel in surreal anmutender Sprache seiner Utopia-Literatur beschreibt, zieht immer wieder Leser mit Macht in ihren Bann.

Bis 9. Juli. Galerie Mitte, Striesener Straße 49, 01307 Dresden. Tel. 0351/ 459 00 52. geöffnet: Di-Fr 15-19 Uhr, Sa 10-14 Uhr

www.galerie-mitte.de

Von Heinz Weißflog

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