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Die feinen Farben des Barock: Sol Gabetta begeisterte in der Dresdner Frauenkirche

Die feinen Farben des Barock: Sol Gabetta begeisterte in der Dresdner Frauenkirche

Die Details musikalischer Veränderungen zu beobachten, ist eine spannende Sache. Hatte Sol Gabetta bei ihrem Konzert in der Frauenkirche vor zwei Jahren an ihrem Instrument noch einige moderne "Relikte", durfte man das schöne Guadagnini-Cello diesmal fast im ursprünglichen Zustand erleben.

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Die CD haben die Geschwister Sol und Andres Gabetta mit dem von ihm geleiteten Barockorchesters Cappella Gabetta eingespielt.

Quelle: Cover

Nur der Stachel ist als Konzession an die elegantere Haltung beim Spiel geblieben.

Der Ton hat sich durchaus gewandelt, er ist feiner, luftiger und farbiger geworden. Sol Gabetta spielte damit wiederum in der von ihr gewohnten Leichtigkeit, die ohne akademische Strenge oder musikalische Belehrung auskommt. Der spätbarocke italienische Stil zog sich als roter Faden durch das Programm und stand mit den Namen der Komponisten auch für dessen Verbreitung: Telemann bediente sich seiner, der Italiener Giovanni Platti brachte ihn an die Höfe von Würzburg und Bamberg. Und der in Parma geborene Fortunato Chellerie, dessen Vater noch Keller hieß, trug das Italienische bis nach Stockholm und London.

Eröffnet wurde das Konzert mit Telemanns Sinfonia spirituosa D-Dur. Stark unterscheiden die Musiker des von Andres Gabetta geleiteten Barockorchesters Cappella Gabetta die Charaktere, energisch wirkten der Puls und die Farbigkeit der Gestaltung auch als Vorgabe fast für das gesamte Konzert. Vom Konzertpodium vor dem Altarplatz aus hatte der Klang die Möglichkeit, sich im Raum zu entfalten, was besonders dem Solocello zugute kam.

Die schnellen Figuren des einleitenden Allegro von Vivaldis Violoncello-Concerto D-Dur behielten so ihre virtuose Wirkung. In der feinen Erzählung des langsamen Satzes verstärkte Sol Gabetta den Kontrast zum dunklen Tonfall des dritten. Kaum eine Generation jünger als Vivaldi war Fortunato Chellerie, dessen Konzert G-Dur bereits den stärkeren Ausdruck der kommenden Epoche zeigt. Raffinierte Korrespondenzen zwischen Cello und Violine zeichneten das Stück ebenso aus, wie ein außerordentlich mit Affekten aufgeladener langsamer Satz, den Sol Gabetta tief auslotete. Eine winzige Unsicherheit in der ernsten Wendung des abschließenden Allegro bewies, wie auch eine bekannte Solistin an unbekannten, frisch ins Programm genommenen Stücken arbeitet. Solch reizvolle Raritäten würden anders kaum in die Konzerte finden.

Seltsam steif mutete der Umgang der Cappella Gabetta mit Bachs Brandenburgischem Konzert Nr. 3 G-Dur an. Spielten die Musiker sonst rhythmisch pulsierend, stürzten sie sich hier in ein virtuos überfrachtetes Hasten, das den beiden Sätzen jeden Charme raubte. Lediglich der Cembalist (Giorgio Paronuzzi) brach in seiner stilsicher improvisierten Kadenz nicht mit dem Gestus der übrigen Werke.

Zurück bei den Italienern und beim Violoncello mit Plattis Concerto g-Moll war dieser trockene Ausflug, der wohl "deutsch" wirken sollte, wieder vergessen. Vor allem der zwischen Kraft und Lebhaftigkeit aufgefächerte Presto-Satz atmete in größter Intensität. Als Bravourstück für den Konzertmeister eignete sich Francesco Geminianis Concerto grosso d-Moll (nach Corellis "La Folia") ideal, und Andres Gabetta zelebrierte die Variationen mit gelöst virtuoser Geste und in der Fülle von Klangfarben.

Die Chance zum ausgedehnten Zwiegespräch von Violine und Violoncello gab schließlich die Bearbeitung von Vivaldis Concerto G-Dur für zwei Mandolinen, dessen fröhlicher Zug nicht nur dem Geschwisterpaar sichtlich Freude bereitete. Mit ihrer hohen Lage hatten die Soli zwar vergleichsweise weniger Substanz im Ton, doch das miteinander vertraute Spiel von Sol und Andres Gabetta riss mühelos mit.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 22.07.2013

Hartmut Schütz

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