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Die drei großen B des traditionellen Jazz auf ihrer Abschiedstour in Dresden

Die drei großen B des traditionellen Jazz auf ihrer Abschiedstour in Dresden

Was wie ein Vorgeschmack auf das kommende Dixieland-Festival klingen mochte, ist in Wahrheit ein Nachklang gewesen. Für viele - offenbar für die meisten - der Gäste im ausverkauften Kulturpalast mag es als Reminiszenz auf diverse Dixie-Jahrgänge geklungen haben.

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Dixieland-Legende Chris Barber posaunte zum Abschied noch mal voller Kraft und Elan im Dresdner Kulturpalast.

Quelle: Dietrich Flechtner

Die drei großen B des ursprünglichen, des traditionellen Jazz, sie kamen am Vorabend ihres Bühnenabschieds noch einmal nach Dresden. Das allerletzte gemeinsame Konzert der Legenden Chris Barber, Acker Bilk und Kenny Ball war für gestern Abend in Berlin angesetzt. Dort haben die drei Briten im Laufe vieler Jahre eine Reihe unvergesslicher Konzerte gegeben und legendäre Aufnahmen eingespielt.

Doch auch in Dresden haben sie eindrucksvoll Spuren hinterlassen und feste Freunde gewonnen. Die kamen nun alle, um noch ein letztes Mal The Big Chris Barber Band, Mr. Acker Bilk & His Paramount Jazz- band sowie Kenny Ball & His Jazzmen zu beklatschen. Wie jung deren Musik hält, war freilich am ehesten beim Blick auf die Bühne auszumachen. Dort posaunte Barber kraftvoll wie ein junger Orpheus, gab sich Bilk als singender Klarinettist voll britischem Witz und mauserte sich Ball zum trompetenden Entertainer, dessen Energie so manchen Nachgeborenen noch überfordern dürfte. Dabei ist keiner von diesen Urgesteinen der jazzigen Musikgeschichte unter 80 Jahre jung! Der eine spricht perfekt deutsch, hat es aber mit der Artiku- lation, der andere macht sich lustig darüber und slangt seine Ansagen in "Speisekarten-Deutsch", haut dafür aber nicht ganz jugendfrei mit britischem Humor rein, ist freilich gehandicapt, was die Beine betrifft, und der dritte hat seine Krebs-Therapie überstanden, so dass er eine Show abziehen kann, die manch Jüngeren vor Neid erblassen lassen dürfte. Jugend allerdings war in diesem Konzert kaum auszumachen, sofern man vom musikalischen Jungbrunnen absieht.

Auch der Moderator hat die 80 überschritten - und strahlt doch eine unbändige Lebensfreude aus, gespeist von der Freude an der und durch die Musik. Mit Karlheinz Drechsel am Mikrofon stand einmal mehr der Motor des (ostdeutschen) Dixieland als kenntnisreicher Alters- und oftmaliger Tourgefährte der drei B im Rampenlicht. "Wie in alten Zeiten" begrüßte er die mit ihm gealterten Fans - und zustimmender Jubel war ihm gewiss. Nostalgie hat im Gestühl des Kulturpalastes eine feste Adresse.

Zu schade nur, dass die drei B - Barber, Bilk und Ball - sich nicht dazu haben hinreißen lassen, in ihrer Abschiedstour wenigstens eine gemeinsame Nummer zu geben. So standen die jeweils etwa 45-minütigen Sets der legendären Urgesteine jeweils für sich, waren verbunden nur durch die Ansagen Drechsels. Chris Barber eröffnete mit einem schmetternden Ausflug zum guten alten Stil von New Orleans, tauchte swingend in Traditionen à la Duke Ellington ab und stachelte seine Mitstreiter zu glänzenden Soli nebst gehaltvollem Wechselspiel an. Sein Klassiker "Ice Cream" war gar nicht vonnöten.

Mr. Acker Bilk hingegen ließ es sich nicht nehmen, auch mit seiner gefühligen Hymne "Stranger on the Shore" aufzuwarten, kündigte den "Blueberry Hill" zwinkernd als "Blowberry" an, wurde aber vor allem bei Running Gags auf deutsch verstanden. Vor fast jedem Hit ein "Unglaublich!", das genügte für Lachsalven.

Größeren Show-Effekt leisteten sich nur Kenny Ball und seine Mannen, die - natürlich! - "Bel Ami" sowie "Midnight in Moscow" beisteuerten, aber auch weitere Bs einbrachten. Bachs in dieser Form eher verzichtbare d-Moll-Toccata und den Beatles-Imperativ "All You Need Is Love". Dazu ein fulminantes Schlagzeugsolo am Kontrabass (!) und schließlich Louis Armstrongs Klassiker "What A Wonderful World".

Ein wundervoller Abend mit drei Giganten, der Dresden nicht nur als Dependance des Dixieland pries, sondern auch als Musikmetropole der Herzen. Allein die Vielfalt des Taktzerschlagens mit klatschenden Händen schien grenzenlos.

Tipp: Funk & Soul Night mit George Duke u. v. a., 21 Uhr Flughafen, Internet: www.jazztage-dresden.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 11.11.2011

Aldo Lindhorst

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