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Die besten Pressefotos beweisen erneut: Unsere Welt tut sich schwer, eine bessere zu werden

Die besten Pressefotos beweisen erneut: Unsere Welt tut sich schwer, eine bessere zu werden

Zehn Fotos, ein Ort, ein Drama: Utøya. Die kleine Insel im Tyrifjord, nordwestlich von Oslo, Schauplatz eines Massenmordes, wie er in zivilen Zeiten kaum Vergleichbares kennt.

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Eine der Aufnahmen Niclas Hammarströms von Utøya. Abgelegte Kleider, als wäre jemand nur kurz zum Schwimmen in den Fjord gesprungen.

Quelle: © Niclas Hammarström

Utøya also, eingefangen vom Fotografen Niclas Hammarström für die schwedische Zeitung Aftonbladet. Aufnahmen vom 22. Juli 2011, als allein dort 69 fast ausnahmslos junge Menschen starben.

Hammarströms Fotoserie, Teil der rund 170 Aufnahmen umfassenden Ausstellung der World Press Photos im Bahnhof Neustadt, arbeitet mit der Wucht des Unscheinbaren. Die meisten seiner Bilder zeigen fast normal anmutende Momente wie an den Felsen am Wasser abgelegte Kleidung. Wir sehen die Szenerien zweier tief über der Insel stehenden Hubschrauber, zweier ungläubig dreinschauender Männer in einem Boot. Alles andere erledigt unser Wissen um das, was an Details damals bekannt wurde. Andere Bilder gehen andere Wege, unerbittlichere. Indem sie in faktischer Erbarmungslosigkeit das zeigen, was 2011 ausgemacht hat. Denn das Jahr war nachrichtlich gesehen voller - nein, Höhepunkte wäre definitiv der falsche Begriff. Es war ein Jahr außergewöhnlicher Ereignisse, angefangen mit dem Arabischen Frühling, dessen Blütenträume bislang auch nicht annähernd gereift sind. Es setzte sich fort mit dem Tsunami in Japan und der darauffolgenden Reaktorkatastrophe in Fukushima. Dann folgten die besagten Schauplätze Oslo und Utøya.

Der Tod ist beides, faktisch und erbarmungslos. Er ist Dauergast auf den Fotos dieses Jahrgangs, wie er das auch schon in so ziemlich jedem Jahr davor war. Das ist nicht neu: Der Tod eines Einzelnen ist oft schon eine Nachricht, der Tod vieler löst geradezu einen Berichterstattungshype aus. Der Tod liefert Bilder, die uns zu eigenartigen Voyeuren werden lassen.

Und der Tod ist häufig alles andere als unscheinbar, sondern dominiert die Szenerie. Zahlreiche Fotos legen davon Zeugnis ab. Das gilt beispielsweise für die Aufnahmen von Pedro Pardo vom Drogenkrieg in Acapulco, die zerstückelte Leichen zeigen. Tote bei Bombenanschlägen oder bei Protesten wie auf dem Tahrir-Platz in Kairo, hingerichtete Männer im Iran - all das ist in erster Linie das Abbild des Journalismus unserer Tage. Das ist keine Wertung, sondern eine schlichte Feststellung. Die Frage soll auch hier nicht auf lapidare Weise beantwortet werden, in welcher ethisch-moralischen Verfassung sich der Journalismus befindet. Er muss abbilden, was passiert. Und dabei viele Perspektiven einbeziehen.

Natürlich gibt es, dank der verschiedenen Kategorien, in denen die besten Pressefotos gekürt werden, auch noch andere Fotos - wenn auch oft genug durchaus noch mit Gewalt-Bezug. Wie die des Kanadiers Donald Weber, der ergreifende und angsterfüllte Porträts von Menschen gemacht hat, die in sogenannten Befragungsräumen der ukrainischen Polizei sitzen. Tomasz Lazar aus Polen lichtet die Verhaftung einer Frau im New Yorker Stadtteil Harlem ab. Damir Sagolj aus Bosnien & Herzegowina wiederum liefert ein Foto essayistischer Güte: ein angeleuchtetes Porträt von Kim Il Sung in der sonst von Dunkelheit beherrschten Häuserwüste Pjöngjangs. Ein Bild, das viel erzählt über ein Land, von dem wir kaum etwas wissen. Trotz eines Nachrichtenbüros, das Associated Press dort eingerichtet hat. Torsten Klaus

Ausstellung World Press Photo, Bahnhof Neustadt, bis 8. Oktober

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 29.09.2012

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