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Die besten Ideen kommen im Zug: Das Dresdner Labortheater und Toni Burghard Friedrich als freier Regisseur

Die besten Ideen kommen im Zug: Das Dresdner Labortheater und Toni Burghard Friedrich als freier Regisseur

Wer in der Schulzeit einmal aus der Theater-AG fliegt, der will mit der Bühne erst einmal nichts mehr zu tun haben. Jedenfalls ging es dem Regisseur Toni Burghard Friedrich so.

Vielleicht belegte er seine Leistungskurse am Beruflichen Schulzentrum für Agrarwirtschaft und Ernährung in Dresden auch deshalb in den Fächern Mathematik und Biotechnologie. Berufsziel: Landwirt. Genützt hat das aber nichts. Denn der 24-Jährige studierte wenig später dennoch Regie mit den Nebenfächern Theater-, Film- und Medienwissenschaften in Wien.

Noch vor dem Abitur hatte er seine Theater-Schlappe aus frühen Jugendzeiten überwunden, als er im Park eben jenes Schulzentrums ein Theaterprojekt aus der Taufe hob, das bis heute existiert. "Ich fand den Park in Altroßthal so schön und habe ich mich dafür eingesetzt, dass wir dort ein Stück aufführen", sagt der junge Regisseur. Aus dem einmaligen Projekt wurde eine jährliche Inszenierung. Und die Regiearbeit mit den jungen Schulkameraden machte ihm so viel Freude, dass er nach dem Abschluss 2009 ein Freiwilliges Kulturelles Jahr an der Dresdner Semperoper startete.

In dem großen Haus am Dresdner Theaterplatz kam seine lang schon schwelende Liebe für den Theater- und Opernbetrieb dann allmählich richtig in Fahrt. Schon in seiner Heimat Görlitz ging Toni Burghard Friedrich mit seiner Großmutter gern ins Theater. "Mein Uropa war Musiker, die Oma wollte in Zittau Tänzerin werden", erzählt er bei einer Tasse Kaffee und schwärmt sofort von seinem damaligen Lieblingsschauspieler, Detlef Lux.

Geprägt von der Semperoper begann er also sein Studium, das ihn von 2010 bis 2014 mit renommierten Opernregisseuren und -intendanten wie Vera Nemirova, Ioan Holender und Dominique Meyer zusammenführte. Dabei pendelte er viel zwischen Wien und Dresden, denn das immer vor den großen Ferien inszenierte Sommertheater an seinem alten Schulzentrum betreute und entwickelte Friedrich als Regisseur stets weiter. Seine kreativsten Momente habe er oft im Bordrestaurant der tschechischen Bahn auf der Strecke zwischen den beiden Städten bei Gulasch und Knödeln und einem tschechischen Pils gehabt, sagt er mit einem verschmitzten Grinsen.

Doch nicht nur das Schlossparktheater, auch die Oper ließ ihn nicht mehr los. In Dresden führte Friedrich schon während des Studiums gern Touristen durch die Semperoper, während er in Wien seine ersten kleinen Musiktheaterinszenierungen erarbeitete. So richtig befriedigt hat ihn das allerdings nicht. "Ich wollte ein Theater haben, das genauso inszeniert, wie ich mir das vorstelle", sagt er - und gründete aus diesem Grund 2012 mit ein paar Freunden den Verein "szene12". "In Dresden hatte ich bessere Chancen, hier kannte ich durch die Arbeit an der Oper mehr Leute, die mir helfen. Außerdem ist das Publikum nicht so gesättigt, wie in Wien", erklärt Friedrich.

Neben dem Laientheater am Schulzentrum realisiert er mit szene12 jährlich eine unkonventionelle OFF-Operninszenierung mit jungen Musikstudenten im Labortheater. Im ersten Jahr sammelten die Beteiligten teils aus eigener Kasse 400 Euro zusammen, um Mozarts "Apollo und Hyacinthus" auf die Bühne zu bringen (DNN berichteten). Bei Mozarts "Cosí fan tutte" 2013 halfen dem schon etwas größer gewordenen Team aus etwa 50 Mitwirkenden schon ein paar Sponsoren. Zur Finanzierung der aktuellen szene12-Inszenierung, Haydns "Il mondo della luna", gab es eine Startnext-Aktion im Internet. Obwohl das Budget inzwischen um ein Vielfaches gewachsen ist, könne dennoch bislang niemand der Beteiligten davon leben, sagt Friedrich.

Er selbst finanziert sich auch dank der Opernführungen in Dresden. Die jungen Sänger und Musiker haben den Vorteil, sich in einer unkonventionellen Inszenierung ausprobieren zu können. Ihm als Regisseur sei Qualität zudem viel wichtiger als das Geld. "Ich bereite mich sehr lange auf meine Inszenierungen vor - man sieht, ob der Regisseur das Werk verstanden hat oder nicht. Und ich liebe es, Dinge aus Werken rauszukitzeln", sagt er. In Altroßthal und bei szene12 könne er unbefangen an die Stücke herangehen, sich über Monate hinweg mit Musik und dem Stoff auseinandersetzen. Das sei an den meisten Theatern in dieser Form als freier Regisseur kaum möglich. Trotzdem möchte Friedrich langfristig auch andere Regieaufträge in anderen Städten bekommen.

An Ideen und Arbeit mangelt es ihm allerdings auch jetzt nicht. Im September hat er mit Kollegen einen Kinderführer für die Semperoper veröffentlicht und schreibt schon am nächsten Buch. Sein Traum ist es, ein Sommermusiktheater für Dresden zu inszenieren. "Das fehlt irgendwie in der Stadt, dabei gibt es so tolle Open-Air-Bühnen", sagt er. Dank der Führungen in der Semperoper sei er nah dran an einem Publikum, das nicht oder selten ins Theater geht. "Ich habe Spaß daran, den Leuten Lust auf Oper zu machen, auch mit meinen Inszenierungen", erzählt Friedrich. Man würde sich gern länger mit ihm über Dresden und Oper unterhalten, doch er muss los. Die nächste szene12-Probe ruft - und auch in Altroßthal haben die Proben für das diesjährige Schultheater schon anfangen.

szene12: Il mondo della luna. Oper in 3 Akten frei nach Jospeh Haydn. Aufführungen in deutscher Sprache, Kammerfassung von Christoph Huber und Toni Burghard Friedrich, Premiere am 26. März, 19.30 Uhr, weitere Aufführungen am 28. und 31. März, 2. und 5. April, 19.30 Uhr, und am 6. April, 16 Uhr, Labortheater (HfBK), Güntzstraße 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn findet im Theaterfoyer eine kostenlose Werkeinführung statt. www.szene12.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 25.03.2015

Nicole Czerwinka

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