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Die beste aller Lösungen

Die beste aller Lösungen

Ein Programmtitel wie "Vorzurückzurseiteran" scheint symptomatisch für die allgemeine Situation nicht nur draußen im deutschen Ländle, sondern auch angesichts der Zustände im globalen Maßstab.

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Detlef Nier, Michael Rümmler, Mandy Partzsch, Brigitte Heinrich.

Quelle: HL Böhme

Von Wolfgang Zimmermann

Verkündet der deutsche Außenminister (liebevoll auch "Steini" genannt) endlich einen Fortschritt in den Verhandlungen mit den Separatisten in der Ostukraine, pfuschen ihm doch der Barack und die Mutti Merkel in überseeischer Einigkeit sofort wieder ins Handwerk. Außerdem scheinen Kriege derzeit sowieso äußerst populär zu sein. Kein Wunder, denn (so sagt Michael Rümmler): "Wir feiern doch in diesem Jahr den 100. Ersten Weltkrieg!" Ein Jubiläum, das auch Ursula von der Leyen ("unsere blonde Kampfdrohne") und den Bundespräsidenten Joachim Gauck ("unser Bundespfarrer Gaucki") auf den Plan rufen, um dieses bedeutende Ereignis mit würdigen Worten zu würdigen.

Allerdings wird es sicht- und fühlbar immer schwieriger, einen einigermaßen harmonischen Marschrhythmus einzuhalten. Ergo besinnt man sich auf sorglose Studienzeiten, als noch niemand den Laufstil vorgab und von daher ein wunderbar chaotisches "Vorzurückzurseiteran" als die beste aller Lösungen schien. An eben diesem Punkt ist - so scheint's - die Bundesrepublik gerade angekommen.

Für die Kabarettisten der Dresdner Keule Brigitte Heinrich, Detlef Nier, Michael Rümmler nebst Neuzugang Mandy Partzsch kann es allerdings gar keine bessere Steilvorlage geben. Die derzeitigen deutschen, europäischen wie auch globalen Politikturbulenzen liefern im fast schon minutiösen Rhythmus nicht nur die satirischen Texte, sondern auch deren Pointen gleich mit. Anfangs scheint die Textermannschaft (Wolfgang und Philipp Schaller, Moritz Neumeier und Jasper Diedrichen, Stefan Klucke und Dirk Pursche, um einige zu nennen) noch in recht volkstümlichen Anzügen festzustecken. So stellt Brigitte Heinrich in Wortspielen fest: "Tillich, der kommt aus dem fernen Sorbien." Oder versucht mit "Blatter hat die Blattern!" ein Bonmot auf den FIFA-Autokraten Sepp Blatter zu etablieren. Glücklicherweise verlassen die vier Kabarettisten dann aber sehr schnell dieses Herumgestochere im peripheren Bereich und besinnen sich mit der Bemerkung "Lasst uns Kabarett spielen!" auf ihre ureigentliche Profession. Das beginnt mit dem Run der vier Akteure auf die drei überdimensional großen roten Stühle auf der Bühne. Ein Stuhl ist zu wenig - oder ein Kabarettist zu viel. Notgedrungen einigt man sich: Die Jüngste (Mandy Partzsch) muss sich mit einem Stehplatz zufrieden geben.

Dann kommt die Mutti (Brigitte Heinrich) und verkündet selbstzufrieden "Meine große Koalition mit meinem Erzengel Gabriel ist wie ein Bett im Kornfeld." Körperhaltung, Gestik und Mimik gelingen ihr verblüffend echt. Doch Detlef Nier sieht die Kanzlerin eher aus kritischer Distanz, nennt sie "das Freudenmädchen von Obama" und erinnert sich zugleich an einen ihrer tapfersten Mitstreiter, nämlich Ronald Pofalla. "Ein Gesicht, das dem deutschen Kabarett nur alle einhundert Jahre geschenkt wird."

Der zweite Teil des Abends beginnt mit der Gewissensfrage "Wie sieht's denn eigentlich in den deutschen Schlafzimmern aus?" Angesichts der bundesweit niedrigen Geburtenraten kann man sich die Antwort schenken. Regisseurin Gisela Oechelhaeuser hat die Truppe (einschließlich der beiden Musiker Jens Wagner und Volker Fiebig) gut im Griff. Darunter auch das neue Keulen-Gesicht Mandy Partzsch, die sich nicht nur darstellerisch als Gewinn erweist, sondern auch mit ihren Gesangsnummern aufhorchen lässt. Kraftvoll und sensibel zugleich schmettert sie so den Titelsong aus dem Musical "Cabaret" in den Saal. Ganz am Ende gab es dann noch die wohlverdiente TV-Schelte mit den üblichen Verdächtigen. Als da sind: Mario Barth, Florian Silbereisen etc. Mit dem letzten Bonmot des Programms huldigte man der Toleranz. Der Chor sang "Klappe zu und Affe tot - aber immer, immer, immer tolerant".

Aufführungen am 8.; 9.; 12.; 15.; und 16.Juli, jeweils 20 Uhr

www.herkuleskeule.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 05.07.2014

Kasel, Beatrice

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