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Die berühmten Engel der Sixtina in Dresden auf Werbezug durch die Welt

Die berühmten Engel der Sixtina in Dresden auf Werbezug durch die Welt

Sie lümmeln auf Keksdosen, auf Souvenirs aus aller Welt oder sorgen als Wandbild beim Edelitaliener für römisches Flair: Die Weltkarriere der Engel aus Raffaels Bild „Die Sixtinische Madonna“ ist ohne Beispiel in der Kunst.

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Die Engel der Sixtinischen Madonna in Dresden.

Quelle: dpa Hiekel

Vor allem im Advent haben die beiden pausbäckigen und geflügelten Knaben mit dunklen Locken, die aus großen Augen gen Himmel schauen, zwischen Kapstadt und Oslo, Peking und Buenos Aires Hochkonjunktur. Dabei ist ihr Zuhause die Dresdner Sempergalerie, zu Füßen der Sixtina.

Der Künstler malte die süßen Engelchen erst am Schluss in dünner Malschicht auf die Wolken, als er das Auftragswerk 1512/13 für die Klosterkirche San Sisto von Piacenza schuf. Das Bild stellt die Inkarnation Christi dar, wobei die Madonna das Jesuskind zur Erde trägt. Die kindlich und irdisch aussehenden Knaben am unteren Bildrand sind die Auserwählten der Himmlischen Heerscharen, die Zeugen der zeitweiligen Erscheinung Gottes auf Erden sein dürfen.Ein halbes Jahrhundert, nachdem die Sixtina nach Dresden gelangt war, machten sich die Engel selbstständig.

Populär machte sie die Interpretationsfähigkeit ihres himmelnden Blickes, in den die Betrachter je nach Bedarf Rührseligkeit, Klugheit, Nachdenklichkeit oder Lebensweisheit legen konnten. 1803 wurden sie erstmals aus dem Bild ausgekoppelt, als sie sich auf je einer Leinwand des Malers August von der Embde breitmachten - auf zwei Bildern für Schloss Wilhelmshöhe in Kassel.Getrennt von der Mutter Gottes wurden die Engel schnell zum Lieblingsmotiv in der Kunst und mit fortschreitender Technik auch der Werbeindustrie.

Zeitaufwendig hergestellten Kupfer-, Holz- und Stahlstichen folgten Lithografien und Fotografien bis zu in Sekunden per Computer beliebig gescannten Vervielfältigungen der Gegenwart.Nach 1826 traten sie ihre Reise durch die Welt, aber auch durch Höhen und Tiefen des Kitsches an. Fanden sie sich im 19. Jahrhundert in fürstlichen Palästen ebenso wie in einfachen Häusern, illustrierten sie später Poesie-Alben, Olbaten, Sinnsprüche, Stickbilder, Stoffe, Medaillons, Christbaumschmuck, Fenstergläser, Giebelmosaiken oder Deckel von Schuhcremegläsern.

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Im Dresdner Völkerkundemuseum im Japanischen Palais sind atemberaubend fremde und schöne Dinge zu bestaunen - hier ein Teil des Damaskuszimmers.

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Um 1900 herum konnte sich jeder von der Wiege bis zur Bahre mit Raffaels Engelchen umgeben: Sie schmückten die Geburtsanzeige und - in Stein gemeißelt oder geritzt - unzählige Gräber.Auch die Stadt Dresden nutzt die Faszination der Engel seitdem für die Eigenwerbung, wobei sie selbst in Rom oder Florenz Touristen anlocken.

Inzwischen macht das Geschäft mit ihnen auch vor keiner Peinlichkeit Halt. Der Ge- und Missbrauch der berühmten Himmelskinder reicht bis zu Postkarten, die sie als Ernie und Bert zieren, Bio-Käse- Verpackungen, Toilettenpapier oder Enthaarungscreme mit arabischer Aufschrift. Sie werben für Alkohol und Süßes, Immobilien und Medikamente, Schirme oder Geschirr. Die Dresdner Staatlichen Kunstsammlungen haben davon nichts, da Kunst Allgemeingut ist.

Weitere Informationen erhalten Sie in unserem Special.

Simona Block, dpa

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