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Die berühmte Batsheva Dance Company gastierte mit "Sadeh21" im Dresdner Festspielhaus Hellerau

Die berühmte Batsheva Dance Company gastierte mit "Sadeh21" im Dresdner Festspielhaus Hellerau

Solch einen Publikumsansturm würde sich Dieter Jaenicke, künstlerischer Leiter von Hellerau - Europäisches Zentrum der Künste Dresden, gewiss für jedes Gastspiel erhoffen.

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Weltweit bekannte Gäste wie die Batsheva Dance Company aus Tel Aviv bekommt man nur mit viel, viel Geduld und langem Bemühen ins Haus: Dem Europäischen Zentrum der Künste Hellerau ist es jetzt gelungen.

Quelle: Peter R. Fiebig

Doch derart weltweit bekannte Gäste wie die Batsheva Dance Company aus Tel Aviv bekommt selbst er nur mit viel, viel Geduld und langem Bemühen ins Haus, und nun sind sie endlich dagewesen, was offenbar auch das Publikum absolut zu schätzen wusste. Was will man also mehr? Es gibt einen glücklichen Chef, ein übervolles Haus und zu aller Freude an zwei Abenden diese wunderbar eigenwilligen Tänzer aus Israel mit ihrer 2011 uraufgeführten Produktion "Sadeh21".

Ein überraschend krachender Klangeffekt hat zu Beginn die Zuschauer unsanft aus ihrer entspannten Erwartungshaltung aufgeschreckt, und zunächst kann jede Tänzerin, jeder Tänzer den großen Bühnenraum für sich ganz allein beanspruchen, ehe sich diverse Gruppierungen herausformen, wieder auflösen oder verändert zusammenfinden. Schon bald ist da jeder in seiner Individualität erkennbar, und das nicht allein nur in der körperlichen Beschaffenheit. Man spürt sehr genau, wie die Tänzer auf ihre Weise mit dem Bewegungsmaterial umgehen, sich keinesfalls "verbiegen" müssen, um sich der Mehrheit anzupassen, sondern schlichtweg die Freiheit haben, der Gruppe anzugehören, ohne ihre Eigenart aufzugeben.

Es ist ein irres Spektrum von Qualitäten, das sich hier offenbart, und da macht es allein schon Spaß, zu beobachten, wie es um Dynamik und Energien geht, mit wechselnden Tempi oder einer Handbewegung Spannungen aufgebaut werden, sich mitten im Bewegungsfluss Richtungen ändern. Und während die einen wie gebannt in markanter Haltung verharren, wagen andere den explosiven Ausbruch, gibt es ein stetes Kommen und Gehen. Der seit 1990 mit dem Ensemble eng verbundene Choreograf Ohad Naharin hat diese Arbeit, deren Strukturen immer wieder überraschend, nie langweilig oder vorausschaubar sind, gemeinsam mit der Company entwickelt. Und sie bleibt auf uneitle Art auch geheimnisvoll, selbst dann, wenn sich Assoziationen anbieten, erscheint trotz aller Tanzkunst in schönster Weise als eine natürlich gewachsene, künstlerisch geformte Qualität.

Ein schlüssiges Bild zeigt die Choreografie zum Beispiel in jenen Momenten, wenn sich die Tänzer nach und nach einem in der Dimension immer mehr ausweitenden Kreislauf anschließen, und schließlich kommt auch jene Frau aus einer merkwürdigen Paarbeziehung in den Kreis, die von dem Mann in die Enge getrieben, "an die Wand geknallt" wird, und sich dieser Bedrohlichkeit zu entziehen weiß. Klar und rätselhaft zugleich wirkt ebenso die Formation der Männer, wo sich ein "geknüpftes Band" ausweitet zum Verbund aller, der auseinanderfällt in die Aufreihung miteinander Konfrontierter, spielerisch versetzt auch bewegte Rituale erkennen lässt, militant aufläuft und das Denken aktiviert, noch bevor man darüber nachdenken kann.

Ein dicht und zugleich "atmungsaktiv" geschaffenes Tanzgewebe, das in sich konsequent strukturiert ist. Auch dann, wenn sich schlussendlich die Tänzer von der halbhohen Wand im Hintergrund quasi ins verdeckte Nichts fallen lassen oder mit gekonnten Drehungen und Sprüngen entschwinden, wieder auftauchen und erneut den Blicken entziehen. Schließlich rollen wie bei einem Filmabspann die Informationen zur Produktion auf der Wand ab und irgendwann ist nur noch "The End" zu lesen. Was hier durchaus wörtlich zu verstehen ist. Die Company erscheint auch zum Beifall nicht mehr auf der Bühne - ein krachender Anfang und ein unsichtbares Ende.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 03.05.2013

Gabriele Gorgas

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