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Die Weihnachtsausstellung im Jägerhof widmet sich dem Fest vorgestern, gestern und heute

Die Weihnachtsausstellung im Jägerhof widmet sich dem Fest vorgestern, gestern und heute

Weihnachten gehört zu den gefährlichsten Festen des Jahres, weil man vieles falsch machen kann. Wer Vegetarier oder gar Peta-Aktivisten in der Familie hat, sollte tunlichst darauf achten, Ochs und Esel aus der Krippe zu entfernen.

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Sebnitzer Schattenspiele, eine einmalige alte Volkskunst aus dem 19. Jahrhundert, bringen in der ständigen Ausstellung (nicht nur) Kinderaugen zum Leuchten.

Quelle: Dietrich Flechtner

Aber auch wenn viele erschöpft vom alle Jahre wiederkehrenden Fest der Liebe sind, das der Grund dafür ist, dass schon drei Tage nach Karfreitag die Spekulatius in den Supermärkten auferstehen, freuen sich die meisten doch darauf.

Zwecks Steigerung der Vorfreude statten viele Dresdner auch nur zu gern in der Adventszeit dem Jägerhof einen Besuch ab, denn dann präsentiert sich das Museum für Sächsische Volkskunst in vorweihnachtlichem Glanz. Die Weihnachtsausstellung ist die Hauptsaison, weiß Direktor Igor Jenzen. Dann kommt ein Drittel der Besucher, von denen man 2013 (das ein überaus gutes Jahr war) über 37 500 zählte.

Sage und schreibe 35 Tannenbäumchen sind zu sehen, kein Wunder, dass manche von Weihnachten auch als einem "Happening mit Nadeln" sprechen. Die Bäume sind natürlich "geputzt", also ordentlich mit originellem wie originalem Schmuck aus alter, aber auch aus neuer Zeit behangen. Mal legten Oma und Enkel gemeinsam Hand an, mal eine Damenriege, wie Elke Birninger verrät, Mitarbeiterin des Museums. Mal wurde der Christbaumschmuck aus alten Reißverschlüssen recycelt, mal sieht man Engel auf Wolken aus Watte schweben. Ä Draum, wie der Sachse sagt.

Eine feste Zugnummer sind auch all die Volkskünstler, die ihre Fertigkeiten demonstrieren und ihre Erzeugnisse zum Kauf anbieten. Rund 70 von ihnen sind dabei, auch jüngere Leute, denn es ist wieder "in", selbst kreativ zu werden, wie Birninger weiß. Der Besucher stößt auf eine Mischung aus alten und neuen Gesichtern, älteste Teilnehmerin ist eine Dame von 86 Jahren, die Grußkarten aus Blütenblättern gestaltet.

Die diesjährige Begleitausstellung widmet sich unter dem Motto "Weihnachten miteinander!" dem familiären Weihnachtsfest vorgestern, gestern und heute. Äpfel, Nuss und Mandelstern hatten früher Kinder gern. Heute auch, aber die Ansprüche sind mehr als nur ein bisschen gewachsen. Der religiöse Anlass spielt nicht selten nur noch eine sozusagen dekorative Rolle, es passiere mittlerweile durchaus, dass Leute kommen, die die Weihnachtsgeschichte nicht mehr kennen, lässt Jenzen durchblicken. Es geht aber auch anders. In einer Weihnachtsstube darf man schon jetzt mit Kindern oder Enkeln ein "Weihnachten miteinander" üben. Bauen, Basteln und Spielen mit der Eisenbahn und der Puppenstube, Malen, Falten, Dekorieren. Vielleicht wird dem einen oder anderen klar, dass die tollsten Spiele mitunter die ohne Zeug sind. Ein Spiel ist nicht zuletzt eine prima Gelegenheit, etwas über die Welt zu erfahren, etwa dass einmal abgeschnittene Puppenhaare nicht nachwachsen.

Auch Baumschmücken, Gesellschaftsspiele, Vorlesen und Singen, Puppentheater, Weihnachtspost sind Möglichkeiten, die sich im Jägerhof bieten. Ohne erhobenen Zeigefinger wird zu einem Miteinander ermuntert, definitiv wird sich nicht eingereiht in die Schar all jener Nörgler, die routiniert wie ritualisiert über die Kommerzialisierung des Weihnachtsfestes wettern.

So manches Detail rührt nachhaltig an. So liegt in einer Vitrine ein Lebkuchenherz mit der Aufschrift "Willst Du...?" Mit diesem Herz machte eine Frau ihrem Freund einen Heiratsantrag, der auch angenommen wurde. Das Herz ist eine Replik, das Original wurde verspeist, denn Liebe geht durch den Magen. Oder da wäre ein selbst gefertigter Traktor samt Anhänger, den ein Mann Weihnachten 1941 unterm Baum fand - 1966 verschenkte er die Fahrzeuge, etwas überarbeitet natürlich, an seinen damals vierjährigen Sohn weiter.

Pazifisten hatten, wie angesichts des ausliegenden Spielzeugs in einer Vitrine deutlich wird, zur Zeit des Biedermeier einen schweren Stand. Die erste Strophe eines ausliegenden Gedichts von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874) lautet wie folgt: "Morgen kommt der Weihnachtsmann, / kommt mit seinen Gaben, / Trommel, Pfeifen und Gewehr, / Fahn' und Säbel, und noch mehr, / Ja, ein ganzes Kriegesheer / Möcht' ich gerne haben." Man sieht, an Waffen hatte damals keiner etwas auszusetzen, das Bürgertum war stolz auf den Sieg über Napoleon. Es war genau das, was kleine Jungs sich wünschten und auch bekamen. In einer anderen Vitrine wird Weihnachten heute dargestellt, samt ein paar Katastrophen, die so passieren können: verbrannte Plätzchen oder eine Stoffmaus, die aus einem Karton mit Dresdner Stollen kriecht.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 28.11.2014

Christian Ruf

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