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Die Wandelkonzerte und der Skulpturensommer 2016 in Pirna-Sonnenstein

Meisterwerke der figürlichen Plastik Die Wandelkonzerte und der Skulpturensommer 2016 in Pirna-Sonnenstein

Der vierte Skulpturensommer bringt Meisterwerke der figürlichen Plastik in die Bastionen des Schlosses Sonnenstein. Unter dem Titel „Wahlverwandtschaften“ sind in dem Festungsbollwerk rund 50 Bronzefiguren von fünf bedeutenden Künstlern aus drei Bildhauergenerationen vereint.

Annette Jahns

Quelle: Manfred Adamski

Pirna. In den Bastionen der Pirnaer Festung Sonnenstein finden im Rahmen des 4. Skulpturensommers wieder „Musikalische Wandelkonzerte“ von Annette Jahns statt, die in ihrer Form und Gestaltung einmalig sind. Die Künstlerin tritt in einen phantasievollen Dialog mit den Bronzeskulpturen – durch überraschende Assoziationen, aber auch durch Deklamation und Gesang. Diese Wandelkonzerte schaffen besondere Erlebnisse für die Zuschauer und Zuhörenden. Die Werke der Bildhauer werden in den Räumen der felsigen Bastionsarchitektur und in den kahlen Festungsräumen deutlicher wahrgenommen und erlebt.

Die Werke dieses Skulpturensommers sind von Richard Scheibe, Gerhard Marcks, Waldemar Grzimek, Christian Höpfner und Marianne Dietz. Der Direktor des Gerhard-Marcks-Hauses in Bremen, Dr. Arie Hartog, hielt zur Eröffnung des Skulpturensommers eine viel beachtete Rede. Die Plastiken von Gerhard Marcks – einem der bedeutendsten Bildhauer des 20. Jahrhunderts neben Ernst Barlach und Wilhelm Lehmbruck – bilden mit elf Bronzen einen großen Teil der Exponate der diesjährigen Ausstellung. Marcks hat 1947/48 die Nischenfiguren der Katharinenkirche in Lübeck geschaffen. Ernst Barlach hatte sie 1930/32 mit drei Figuren begonnen, galt aber bei den Nationalsozialisten als „entartet“, erhielt Arbeitsverbot und durfte sie nicht weiter ausführen. Auch Gerhard Marcks wurde nach seiner Lehrtätigkeit unter Gropius am Bauhaus und als Direktor der Kunstgewerbeschule Giebichenstein in Halle 1933 von den Nationalsozialisten entlassen und erhielt 1937 Ausstellungsverbot.

Mit Gerhard Marcks befreundet war seit 1976 der junge Bildhauer Christian Höpfner, Jahrgang 1939 – Marcks war 1889 geboren, also 50 Jahre älter. Von Höpfner sind die meisten Exponate ausgestellt, es sind 18 Plastiken. Er starb plötzlich im Dezember 2014, und so ist dieser Skulpturensommer besonders seinem Andenken gewidmet. Seit 1977 war er Professor für Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg.

Christian Höpfner hatte von 1958 bis 1964 an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin bei Richard Scheibe studiert, dem ältesten Bildhauer, der mit sieben Skulpturen vertreten ist. Er wurde 1879 in Chemnitz geboren und war von 1908 bis 1912 der eigentliche Lehrer von Gerhard Marcks. Sie hatten eine Werkgemeinschaft in Berlin-Friedenau und eigneten sich autodidaktisch die bildhauerischen Techniken an, Scheibe hatte zuerst Malerei studiert.

Die Freundschaft mit Waldemar Grzimek begann 1936. Scheibe kaufte von dem 18-Jährigen eine Tierplastik. Der hochbegabte Grzimek, 1918 geboren, hatte auch seit 1941 Briefwechsel mit Gerhard Marcks. Nach seiner Lehrtätigkeit in Halle 1946 wurde er 1948 Professor an der Hochschule für Bildende Künste Berlin-Charlottenburg, 1957 wird er zum Professor an der Hochschule für Angewandte Kunst in Berlin-Weißensee berufen, also im Osten der Stadt. Er war ein Wanderer zwischen den Welten und ist mit sechs Arbeiten auf dem diesjährigen Skulpturensommer vertreten. Nach dem Bau der Mauer 1961 blieb er Westberliner und wurde 1968 Professor für Plastisches Gestalten des Fachbereichs Architektur an der Technischen Hochschule Darmstadt. Seit 1969 war Christian Höpfner sein Assistent, ab 1972 Dozent bei Waldemar Grzimek in Darmstadt.

Neben seinem großen Interesse an Architektur und Städtebau hatte Grzimek eine leidenschaftliche Beziehung zur kunstgeschichtlichen Tradition. 1978 erschien sein Buch (mit Peter Bloch) über „Das klassische Berlin – Die Berliner Bildhauerschule in neunzehnten Jahrhundert“. 1969 hat er ein Buch über „Deutsche Bildhauer der zwanzigsten Jahrhunderts“ veröffentlicht. Er starb 1984. Wir jungen Bildhauer in der damaligen DDR schätzten Waldemar Grzimek, weil er im geteilten Deutschland zwischen Ost und West immer wieder Verbindungen herstellte und Traditionen der figürlichen Plastik in Worten und Werken vertrat. Vor dem Dresdner Zoo steht heute noch die Tierplastik „Wildschwein“ von Waldemar Grzimek als Skulptur im öffentlichen Raum.

Wegen Christian Höpfners Beziehungen zu Richard Scheibe, Gerhard Marcks und Waldemar Grzimek hat Christiane Stoebe, die Kuratorin der Ausstellung, für den Pirnaer Skulpturensommer 2016 den Titel „Wahlverwandtschaft“ gefunden. Als jüngste Bildhauerin tritt die 1957 geborene Marianne Dietz in diese Reihe, Meisterschülerin und Ehefrau von Christian Höpfner, die mit sechs Arbeiten vertreten ist. Sie ist in ihren kleineren Formaten eine außerordentlich sensible Bildhauerin.

Es ist unmöglich, die 48 ausgestellten Plastiken vorzustellen. Nur einige können genannt werden: von Marianne Dietz „Selbstporträt“ (1999), von Christian Höpfner „Porträt Atsuko Hayase“ (1980), von Waldemar Grzimek „Stehender Knabe“ (1950) und „Bildnis Otto Dix“ (1966), von Gerhard Marcks „Adam“ (1954) und „Venus, sich die Haare aufbindend“ und von Richard Scheibe „Die Morgenröte“ (1937). Das Gerhard-Marcks-Haus in Bremen, das Georg-Kolbe-Museum Berlin, die Kunstsammlungen Chemnitz sowie private Leihgeber haben dankenswerter Weise Plastiken für diese Ausstellung zur Verfügung gestellt. Der Skulpturensommer 2016 in den Bastionen der Festung Sonnenstein in Pirna mit den Wandelkonzerten von Annette Jahns ist ein bedeutendes Kunstereignis in der Nähe Dresdens.

Veranstaltungen:

2. Juli, 20. August, 3. September, jeweils 11 Uhr: Musikalische Wandelkonzerte mit Annette Jahns

3. Juli, 11 Uhr: Führung mit Carolin Jahn, Georg-Kolbe-Museum-Berlin

11. September, 11 Uhr: Führung mit Prof. Helmut Heinze

Zur Ausstellung ist zum Preis von 10 Euro ein 64 Seiten umfassender Katalog erschienen.

Von Helmut Heinze

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