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Die Wahlberlinerin Dillon im Beatpol Dresden - Die totale Dekonstruktion

Die Wahlberlinerin Dillon im Beatpol Dresden - Die totale Dekonstruktion

Nein, wie ein Mick Jagger hüpfte Dillon nicht über die Bühne. Und nein, ihre Bühnenshow kommt nicht an die einer Kylie Minogue heran. Dillon war auch nicht so kommunikativ wie eine Wallis Bird.

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Minimalistische Bühnenshow: Dillon.

Quelle: Dietrich Flechtner

Sie wollte das alles auch nicht. Stattdessen stellte sie die klassische Erwartungshaltung eines Konzertbesuchers einfach auf den Kopf. Wer gewohnte Gute-Laune-Lasst-Uns-Alle-Tanzen-Stimmung erwartet hatte, wurde sicherlich enttäuscht. Wer sich aber von ihrer Art hat mitreißen lassen, der wurde Teil eines wunderbaren Klang-Kunstwerks. Die gebürtige Brasilianerin entwarf ein mystisches, ätherisches Bild, fast möchte man sagen, ein (zu) künstliches Image. Durchgehend in orangenes Licht getaucht, von Nebel verhüllt, das Gesicht kaum erkennbar, unbeweglich - so stand sie da. Fast das gesamte Konzert.

Ihre minimalistische Musik, dekonstruiert und frei von allem Zierrat, strömte auf die Besucher nieder. Zwischen den einzelnen Liedern nur unmerkliche Pausen, kein Wort wurde gesprochen. Eine makellose Symbiose aus Licht, Schatten und Klang. Dillon wusste um ihre Wirkung - und wollte diese um keinen Preis zerstören. Die Atmosphäre wurde konstant gehalten. Doch nach über einer Stunde kam die Frage auf: Warum zeigte sich die zierliche und ganz in Schwarz gekleidete Sängerin so abgehoben, so distanziert, so verschanzt hinter ihrem Stage-Piano? Viele Emotionen flossen durch die Musik, durch ihre Stimme, durch die teils schroffe, teils zarte elektronische Begleitung - aber immer nur auditiv, selten visuell. Sie wirkte kaum anwesend. Selbst zum Schlussapplaus huschte nur ein kurzes, scheues Lächeln über ihr Gesicht, dann war sie verschwunden.

Das Publikum stand die ersten 30 Minuten dementsprechend gespannt, fast schon ratlos da. Was mochte da noch bevorstehen? Wann würde sie endlich aus sich herauskommen? Doch es änderte sich nichts an ihrer Darbietung. Mit "Thirteen Thirtyfive" und "You are my winter" schienen die Gäste aufzuwachen, wenn auch Dillon weiterhin steif auf der Bühne stand. An einigen Stellen fragte man sich, ob sie nur monoton ihr Programm abspielte oder schlicht die geheimnisvolle Atmosphäre um keinen Preis zerstören wollte. Mit "Tip Tapping", einem ihrer bekanntesten Lieder, wagte sie sich dann doch mal in Richtung Publikum, bewegte sich elfenhaft, schüchtern, zurückhaltend. Sie flüsterte, dirigierte das singende Publikum und bedankte sich höflich dafür. Dillon bot viele zerbrechliche, zarte Momente - vielleicht zu viele.

Nach ihrem Debütalbum "This Silence Kills" im Jahre 2011 brachte die Wahlberlinerin nun ihr zweites Album "The Unknown" heraus. Abstrakte, introvertierte Texte, schwermütige, dichte Atmosphäre, ihr spezielles, sandiges Timbre und elektronische Beats, die absolut nicht zum Tanzen gedacht sind, prägen die neue Veröffentlichung. Ihre Bühnenshow ist ein absolutes Pendant dazu. Wem das gefällt, der wird die Konzerte einer Dillon lieben. Den anderen sei von einem Konzertbesuch abgeraten.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 24.04.2014

Annette Thoma

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