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Die Titanic Boygroup wurde im Kleinen Haus umjubelt

Die Titanic Boygroup wurde im Kleinen Haus umjubelt

Bei Martin Sonneborn sollte man nicht nur, man muss jedes seiner Worte auf die Goldwaage legen. Tut man das nicht, findet man sich im Handumdrehen auf der politisch falschen Seite wieder. Thomas Gsella und Oliver Maria Schmitt würden sich diesbezüglich bedingungslos ihrem satirischen Vordenker anschließen.

Dresden. Wer das am jüngst im Kleinen Haus von Dresden noch bezweifelte, der outete sich nach dem Programm der Titanic Boygroup als völlig neuer Mensch. Denn dann - so ungefähr gegen 22.30 Uhr - war er jedenfalls nicht mehr derselbe. Diese zweieinhalb Stunden hatten es wahrhaft in sich. Sowohl was die physische Kondition eines Publikums betrifft, als auch den schier unmöglichen Versuch, einem berühmt-berüchtigten "roten Faden" folgen zu können. Der war zwar irgendwie vorhanden, wurde aber beständig zerrissen. Das lag zum einen daran, dass sich die drei Herren drei geschichtsträchtige Vorbilder für ihr Tun und Lassen gewählt haben. Sie wollen nämlich genau so seriös sein, wie es Uli Hoeneß, Martin Winterkorn und Tebartz von Elst waren und sind.

Zur Titanic Boy Group gehört auch, dass sie sich in der alten Kunst des "Bilderns" übt. So ist es dann auch nichts Ungewöhnliches, wenn auf der Bühne Bilder zu sehen sind, die beispielsweise etwa Mohammed mit einem Schweinebraten zeigen oder Allah, der seiner Frau Blumen mitbringt. Ganz aktuell auch das Bild, das eine nackte Angela Merkel zeigt, die gerade dabei ist, den Islamischen Staat zu zerstören.

Gleich danach beschäftigt sich die Boy Group mit Österreich und dessen Kanzler Werner Faymann. Doch die Passage wird jäh unterbrochen, weil von draußen Lärm und ein Schrei in den Theatersaal dringen. Martin Sonneborn hat den richtigen Riecher und fragt sofort ins Publikum: "Pegida?" Und Sonneborn selbst beruhigt das Publikum ganz schnell wieder, indem er verkündet, dass Die Partei das ZDF sowieso komplett übernommen habe. Irgendwo aus der hinterletzten Ecke taucht dann ein FDP-Mitglied namens Günther auf und schlägt lautstark einen "sofortigen Medienboykott" vor.

Zum absoluten Höhepunkt des Abends wurde die Szene mit der Überschrift "Das letzte Abendmahl in Berlin" mit Maike Kohl-Richter und dem Altkanzler höchstselbst. Während der Helmut Kohl sich nur hin und wieder mit einem Quieken oder Schnaufen in das Gespräch mischte, outete sich Maike Kohl-Richter als politische "Alles- oder Nichtskönnerin".

Ganz am Ende des Abends hat man die westdeutsche Rache an den ostdeutschen Bürgern angesiedelt. Da geht es nämlich um die Nachzahlungsforderungen an DDR-Bürger, die vor 1989 ganz selbstverständlich Westfernsehen geschaut haben. Dem Protest begegnen die GEZ-Eintreiber mit der unumstößlichen Formulierung "Sie können doch nicht unser gutes Fernsehen weggucken." Worauf prompt die ostdeutsche Antwort kam: "In meinem Apparat war kein Westen und schon gar kein Bunt drin."

wolfgang zimmermann

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