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Die Theaterszene Flanderns kommt nach Dresden

Die Theaterszene Flanderns kommt nach Dresden

Der nördliche Teil Belgiens, rein geografisch gesprochen, ist Zielregion des diesjährigen szene: Europa-Festivals in Societaetstheater und Festspielhaus Hellerau.

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Quelle: Koen Broos

Flandern also. Flandern sei für das moderne Theater "wesentlich mitprägend", wie Societaetstheater-Geschäftsführer Andreas Nattermann die Wahl begründete.

Dabei sind die Organisatoren im Vorfeld einen Weg gegangen, den sie schon mehrmals einschlugen: den einer Verkleinerung der Zielregion. Ursprünglich sollte der Blick des Festivals sich auf die moderne Theaterszene ganz Belgiens richten, "ein Land, das kleiner ist als Nordrhein-Westfalen", wie Nattermann sagte. Recht rasch aber kam die Entscheidung, sich auf Flandern zu konzentrieren. Warum nicht auf die konkurrierende Wallonische Region? Weil es, gerade angesichts der nicht ganz einfachen belgischen Verhältnisse, eher regional denn künstlerisch ausgewogen hätte sein müssen. "Damit wären wir niemandem gerecht geworden", fügte Nattermann an. Was nicht heißen solle, "dass wir die Wallonie nicht doch noch einmal zum Festival-Thema machen".

Wer sich noch keinen rechten Reim darauf machen kann, was und wer von Flandern aus das europäische Theater bereichert, dem sei an dieser Stelle nur ein Name genannt: Luk Perceval, leitender Regisseur im Thalia Theater Hamburg, der 2013 für seine Fallada-Adaption "Jeder stirbt für sich allein" den Theaterpreis Der Faust bekam und der Ende Juni mit diesem Stück auch im Staatsschauspiel Dresden zu einem Doppelgastspiel aufschlagen wird.

Dem Festival szene: Flandern geht es aber um Namen, die hierzulande noch weniger bekannt sind, selbst wenn sie stellenweise international schon für reichlich Furore sorgten. Einer davon ist sicher Wim Vandekeybus. Seine Choreografie "What the body does not remember", mit der er 1987(!) die Tanzszene geradezu erschütterte, wird in einer Doppelaufführung am 11. und 12. April in Hellerau sozusagen den krönenden Abschluss der einwöchigen Theaterschau bilden. Vandekeybus habe "den Hochleistungssport in den Tanz hinein gebracht", sagte Hellerau-Intendant Dieter Jaenicke voller Hochachtung. Das Stück habe, auch wenn es heute mit anderen Tänzern aufgeführt werde, "nichts von seiner ästhetischen Schärfe und Kraft eingebüßt". In Dresden wird Vandekeybus' Company Ultima Vez zu erleben sein, live begleitet von der Band Ictus.

Ein anderer Reformer der Theaterlandschaft, Alain Platel, eröffnet mit der Tanzperformance "Nine Finger" nach dem Roman "Beasts of no nation", der Geschichte eines kongolesischen Kindersoldaten, am 4. April im Societaetstheater das Festival. Der Choreograf widmet sich darin einem der düstersten Kapitel der belgischen Historie, der Geschichte der Kolonie Belgisch-Kongo, "eine der brutalsten Kolonialgeschichten überhaupt", wie Jaenicke anmerkte. Auch Platel ist ein Großer des Theaters, er wurde bereits vor zehn Jahren mit dem Europäischen Theaterpreis für sein Lebenswerk geehrt.

Zwischen den beiden Polen am Anfang und Ende von szene: Flandern finden sich diverse Performances, darunter "A game of you", ein Spiel um Selbst- und Fremdwahrnehmung (10. und 11.4.), "All that is wrong" (6. und 7.4.) oder "All ears" (12.4., alle im Societaetstheater). Die meisten Aufführungen laufen in englischer Sprache. Dazu kommen Filme und das Konzert mit Chantal Acda & Band (8.4.).

Ob die achte Ausgabe von szene: Europa 2015 eine Fortsetzung findet (die dann wiederum Portugal als Gastland haben könnte), steht derzeit aber noch in den Sternen. "Wir würden schon gern", sagen Nattermann und Jaenicke unisono. Das Festival, zum dritten Mal in Folge eine Kooperation von Societaetstheater und Hellerau, erfordere "immer mehr Energie", wie es Nattermann ausdrückte. Dazu kommt mit Blick auf nächstes Jahr wohl schlicht ein finanzielles Planungsproblem. "Unsere Etats für 2015 werden wir alle erst zum Jahresende kennen, vielleicht sogar noch später", sagte Jaenicke. Der Grund: Am 25. Mai sind nicht nur Europa-, sondern auch Stadtratswahlen. Und erst lange danach dürfte auf kommunaler Ebene eine Entscheidung über die Finanzen der nächsten beiden Jahre fallen, nicht nur die Theater betreffend. So lange aber wollen die beiden Theaterchefs nicht warten. "Im Sommer werden wir entscheiden, ob das Festival weitergeht."

szene: Flandern vom 4. bis 12. April, Eröffnung am 4.4. 20 Uhr mit "Nine Finger" im Societaetstheater, Eröffnungsparty am 5.4. 22 Uhr in Hellerau, dort am 12.4. ab 22 Uhr auch Abschlussfeier

weitere Informationen und Tickets:www.societaetstheater.de; www.hellerau.org

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 29.03.2014

Torsten Klaus

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