Volltextsuche über das Angebot:

14 ° / 8 ° wolkig

Navigation:
Google+
Die Stiftung Frauenkirche stellt in Dresden das Musikjahr 2017 vor

Rück- und Vorschau Die Stiftung Frauenkirche stellt in Dresden das Musikjahr 2017 vor

Die Stiftung Frauenkirche bietet auch 2017 ein hochkarätiges Konzertprogramm. Dabei hofft die Kaufmännische Leiterin der Stiftung, dass die Besucherzahlen wieder steigen. Denn nicht zuletzt durch den Imageschaden, den Dresden gegenwärtig überregional erleidet, ließ der Zuspruch bei einigen Konzerten 2016 zu wünschen übrig.

Blick in die Dresdner Frauenkirche
 

Quelle: S. Lohse/Archiv

Dresden.  Ohne öffentliche Subventionen einen Konzertbetrieb zu stemmen, ist kein einfaches Unterfangen. Die Stiftung Frauenkirche stellt sich dem seit der Weihe des wiedererstandenen Gotteshauses – und bislang stets mit schwarzer Null am Ende bei einem Etat von etwas weniger als 900 000 Euro per anno und einer Auslastung von 60 bis 65 Prozent übers Jahr. „Vollkostendeckung“, betont Christine Gräfin von Kageneck, Kaufmännische Leiterin der Stiftung. Das Jahr 2016 freilich, schränkt sie ein, habe Kratzspuren. In Zahlen ausgedrückt: Nach 40 000 verkauften Karten in den ersten drei Quartalen 2015 verzeichnet die Stiftung im gleichen Zeitraum dieses Jahres einen Rückgang um zehn Prozent auf 36 000 abgesetzte Karten.

Nun könnte man mutmaßen, dass ein Grund der nach elf Jahren wiederaufgebauter Frauenkirche vielleicht doch etwas abflauende Reiz des Neuen sein könnte. Von Kageneck führt den Rückgang auf den beschädigten Ruf der Stadt zurück. So habe sie von diversen Kulturreisen-Veranstaltern zu hören bekommen: „Unsere Kunden sind im Moment nicht so Dresden-affin…“ und mit spitzen Fingern die Kontingente für das Konzert mit Thomas Hampson unangetastet zurückerhalten. Hampson, einer der grandiosesten Sänger unserer Tage, gastierte im April in der Frauenkirche. Das Konzert, für die Stiftung eines der kostenintensivsten der Saison, fand bei unerwartet lichten Zuhörerreihen statt. Hilke Wagner, Direktorin der Galerie Neue Meister der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und als Kooperationspartnerin der Stiftung Frauenkirche auf deren Pressekonferenz zur Vorstellung des Konzertjahres 2017 anwesend, springt von Kageneck bei: Auch die Museen der SKD würden einen „frappierenden Besuchereinbruch“ verzeichnen. Der, so bestätigen die SKD auf DNN-Anfrage, habe schon 2015 begonnen und sich nun weiter fortgesetzt und wohl neben dem gegenwärtigen Imageverlust Dresdens aber auch damit zu tun, dass z.B. mit Kulturstädten wie Breslau, Prag oder Wien starke Konkurrenz existiere.

Der Countertenor Andreas Scholl singt 2017 in der Frauenkirche

Der Countertenor Andreas Scholl singt 2017 in der Frauenkirche.

Quelle: James McMillan/Decca

Am Ende werden es mehrere Gründe sein, für Stiftungs-Hüterin von Kageneck bleibt die Schwierigkeit, dass mit den Kulturtouristen eben genau jene ausbleiben, die abends auch ins Konzert gehen. Tagestouristen täten dies in der Regel nicht. Dann waren da noch die Feierlichkeiten zum Tag der deutschen Einheit samt hohen Sicherheitsvorkehrungen. Die Frauenkirchen-Bachtage hätten sehr unter den langwierigen Vorbereitungen in der Innenstadt gelitten, im speziellen wurde ein weiterer hochkarätiger Abend, „Wort und Musik“ mit dem Schauspieler Joachim Król am 30. September, zum zweiten Datum „schockierender Bilanz“. Bei den langen Vorlaufzeiten der Planung – um die anderthalb Jahre sind es nun mal im internationalen Konzertbetrieb – habe man derartige Beeinträchtigungen im Umfeld nicht absehen können, so Gräfin von Kageneck. Ihre Hoffnung sind nun die guten Vorverkaufszahlen für den Dezember und dass das vierte Quartal sowieso immer das umsatzstärkste sei: „Ich bin zuversichtlich, dass wir trotz allem an der schwarzen Null kratzen.“

Optimistisch ist auch Konzertreferent Dr. Ralf Ruhnau, mit einem attraktiven Musikprogramm 2017 neu locken zu können. Andreas Scholl wird kommen (in Zusammenarbeit mit dem MDR Musiksommer), ebenso Sängerkolleginnen wie Julia Lezhneva mit dem Kammerorchester Basel, Nuria Rial mit La Stagione Frankfurt oder Dame Emma Kirkby. Die Pianisten Martin Stadtfeld und Kit Armstrong spielen, German Brass gibt sich die Ehre, ebenso der Geiger Daniel Hope oder die Klarinettistin Sabine Meyer.

Traditionell veranstalten Sächsische Staatskapelle und Dresdner Musikfestspiele Konzerte unter der Kuppel, gibt es neben jener mit dem MDR Musiksommer Kooperationen mit Moritzburg Festival und Heinrich Schütz Musikfest. Die Dresdner Philharmonie konzentriert sich derweil (abgesehen von einem Auftritt des Kammerorchesters) auf ihre Rückkehr in den Kulturpalast, was aber laut Ruhnau kein endgültiger Rückzug sei; für 2018 plane man wieder. Neben konstanten Reihen wie „Große Stimmen“ stehen neue Angebote: „Musik der Stille“ etwa oder Programme mit „Dresdner Repertoire“. Zwei, wie Hilke Wagner sagt, „zwar kleine, aber sehr feine“ Veranstaltungen wollen die neuerlichen Kunstgespräche im Albertinum sein. Dort werden Gemälde vorgestellt, die eine Brücke schlagen zum anschließenden Konzert in der Frauenkirche.

Bewusst bleibt, das wurde und wird nie in Frage gestellt, die Frauenkirche ein Gottes-, kein Konzerthaus. Und so konnte der thematische Leitfaden des Musikjahres 2017 gar kein anderer sein als 500 Jahre Reformation. Ausgewählte Musikprogramme nehmen Bezug auf Martin Luther; zudem hat die Stiftung mit Unterstützung der Gesellschaft zur Förderung der Frauenkirche e.V. beim Dresdner Komponisten Jörg Herchet eine Komposition in Auftrag gegeben. Die Kantate „Nun freut euch, lieben Christen g’mein“ wird im Juni uraufgeführt.

Einen gewichtigen Beitrag zum Thema „re│formation“ leisten natürlich die hauseigenen Ensembles Chor, Kammerchor und ensemble frauenkirche mit Frauenkirchenkantor Matthias Grünert und Frauenkirchenorganist Samuel Kummer. Programme der gottesdienstlichen Musiken, des Orgel- oder des Bachzyklus‘ sowie eigene Konzerte nehmen Bezug auf Luther, „ganz nach dessen Grundsatz, dass Musik zugleich auch Verkündigung sei“, so Grünert. Er hält zudem an der umfangreichen Pflege der Bachschen Oratorien fest, stellt im Sinne der Ökumene Mozart- und Haydn-Messen als Pendant daneben, bringt sich – wie auch Kollege Samuel Kummer – intensiv in das umfangreiche Programm für junge Hörer ein.

Noch manches aus dem großen Angebot von über 130 Veranstaltungen könnte aufgezählt werden, dass der 450. Geburtstag Claudio Monteverdis oder der 250. Todestag Georg Philipp Telemanns gewürdigt werden etwa. In der Summe also jede Menge Gelegenheiten für Musikliebhaber, die Besucherzahlen wieder nach oben zu lenken. Noch nicht ganz ausgereiztes Potenzial sieht Ralf Ruhnau da vor allem beim Publikum aus Dresden und dem Umland: „Das wollen wir uns noch mehr erschließen.“ Mit dem Kartenkauf beginnen können diese und andere Konzertgänger am 21. Oktober ab 9 Uhr.

www.frauenkirche-dresden.de/musikjahr-2017

Von Sybille Graf

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr