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Die Städtische Galerie zeigt Arbeiten auf Papier von Dieter Goltzsche

Blauer Pfirsich Die Städtische Galerie zeigt Arbeiten auf Papier von Dieter Goltzsche

Es ist ein Ausstellungstitel, wie er zu Dieter Goltzsches (geb. 1934 in Dresden) Kunst passt: „Blauer Pfirsich“. Darin scheint vieles vereint, was man mit den Werken des Künstlers verbindet, eingeschlossen das Pendeln zwischen Gegenstand und Abstraktion.

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Dieter Goltzsche. Lichter, 1975/86, Pastell/Papier.

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. Es ist ein Ausstellungstitel, wie er zu Dieter Goltzsches (geb. 1934 in Dresden) Kunst passt: „Blauer Pfirsich“. Darin scheint vieles vereint, was man mit den Werken des Künstlers verbindet, eingeschlossen das Pendeln zwischen Gegenstand und Abstraktion. Im Speziellen, und darauf machte Kuratorin Sigrid Walther zur gestrigen Pressekonferenz in der Städtischen Galerie Dresden aufmerksam, soll der Titel den Blick auf das besondere Anliegen dieser Schau lenken, den vielen als Zeichner und Grafiker vertrauten Künstler auch als Maler ins Blickfeld zu rücken. Und so sind denn von den 83 gezeigten Arbeiten 45 der Farbe gewidmet. Es handelt sich um Aquarelle, Temperamalereien und Pastelle, wobei besonders die Temperablätter mit ihrer teils beachtlichen Größe wahrhafte Bilder sind.

Italienreise mit Werner Wittig hätte beiden Ärger einbringen können

Die Schau hat zugleich einen durchaus retrospektiven Charakter, schlägt sie doch den Bogen um 60 Jahre künstlerischen Schaffens. Ein wunderbarer Einstieg für den Besucher ist unter mehreren Aspekten die kleinformatige Zeichnung „Verona“ von 1956, teils mit Pinsel und Tusche, teils mit Bleistift und Fettkreide ausgeführt. Schon hier trifft man auf die aus scheinbar traumhafter Sicherheit beim Zeichnen erwachsende Lockerheit, die man an Goltzsches Arbeiten immer wieder bewundert. Das Blatt ist aber auch aus einem anderen Grund interessant: War der Künstler doch mit seinem Studienfreund Werner Wittig nach Italien gereist, was zwar auch andere taten, was aber in diesen Zeiten den beiden Studenten – denn das waren sie noch – in Dresden heftigen Ärger hätte einbringen können. Zeitlich am Ende des großen Bogens – nun ist es für Ostdeutsche kein Problem mehr, nach Italien zu fahren – befindet sich die mit Rohrfeder und Pinsel realisierte Tuschezeichnung „Siesta“ (2015). Wie es der Titel sagt, schaut der Betrachter auf eine entspannte Szene: eine bequem daliegende Frau, die das Buch, in dem sie gelesen haben könnte, wohl zur Seite gelegt hat. Goltzsches Meisterschaft bei diesem Blatt zeigt sich vor allem darin, wie er die Fläche um den leicht umrissenen Körper gestaltet. Alles bleibt im Angedeuteten, sei es die Liege oder eine Gardine. Gleichwohl werden Entspanntheit und Ruhe nicht nur „behauptet“, sondern diese Zeichnung strahlt sie als Ganzes aus.

Natürlich kann man hier nicht alle Exponate nennen. Die kleine Temperamalerei „Nach Modersohn“ (1979) aber erscheint der Autorin unbedingt erwähnenswert. Dies nicht nur, weil Goltzsche auf eine künstlerische Vorläuferin aus der Klassischen Moderne, die ja für ihn und seine Kollegen seit jungen Jahren wichtiger Orientierungspunkt und Maßstab war, Bezug nimmt. Oberflächlich gesehen, mag der berührende Blumenstrauß – solchen kennt man ja auch von der Künstlerin – dafür „verantwortlich“ sein. Unabhängig vom Titel erscheint das Bild dank seiner Blautöne farblich ungemein zwingend. Ebenso fällt auf, wie gekonnt Goltzsche auf den Bildgrund eingeht – ein gelbliches Packpapier. Um beim Malerischen zu bleiben: Die bereits erwähnten großen Temperaarbeiten wie etwa „Stilleben mit 12“ (1980) machen besonders deutlich, dass den Künstler immer mehr das Ausloten von Form und Farbe auf der Fläche interessiert. Im Resultat wirken diese Temperablätter teppichhaft, erinnern in dem Punkt durchaus an Matisse.

Wenn übrigens Gisbert Porstmann, Direktor der Städtischen Galerie, gestern meinte, die Schau sei für den Künstler ein „Heimspiel“, hat er sicher Recht. Denn der mittlerweile auf ein reiches Werk und manche renommierte Auszeichnung zurückblickende Dieter Goltzsche ist bis heute, obwohl er, seit er Max Schwimmer 1958 als Meisterschüler an die Akademie der Künste folgte, in Berlin lebt, durch viele Fäden mit Dresden verbunden. Am Beginn stand das prägende Studium an der Hochschule für Bildende Künste (1952–1957) bei Hans Theo Richter und Max Schwimmer.

Heimspiel in Dresden für den in Berlin lebenden Künstler

Zu den „Fäden“ gehört ebenso die Freundschaft mit dem unlängst verstorbenen Werner Wittig, mit Max Uhlig sowie den ebenso nach Berlin gegangenen Manfred Böttcher, Harald Metzkes und Werner Stötzer. Sie gehören mit Berlinern wie Lothar Böhme, Hans Vent, Wolfgang Leber und Klaus Roenspieß zu einer Phalanx, in der jeder mit einem unabhängigen Werk für sich steht.

Und schließlich war und ist Kunst von Dieter Goltzsche vor Ort in Ausstellungen – ab kommenden Donnerstag auch bei Kühl – und Museen, etwa im Kupferstich-Kabinett der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden oder, bezogen auf das umfangreiche buchillustratorische Schaffen, in der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek vertreten. Anlässlich der Ausstellung „Blauer Pfirsich“ kann sich nun auch die Städtische Galerie über eine umfassende Schenkung von 181 grafischen Arbeiten freuen.

bis 22.Mai, Städtische Galerie Dresden, geöffnet Di–Do, Sa und So 10 bis 18 Uhr, Fr 10 – 19 Uhr, Katalog 28 EuroKunstausstellung Kühl „Dieter Goltzsche – Zauberreich“, 25. Februar bis 23. April.

Begleitprogramm und weitere Auskünfte www.galerie-dresden.de www.dieter-goltzsche-galerie-dresden.de

Von Lisa Werner Art

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