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Die Stadt Dresden kündigt dem Jazzclub die Konzertkellerräume unterm Kulturrathaus

Die Stadt Dresden kündigt dem Jazzclub die Konzertkellerräume unterm Kulturrathaus

Ironie im Jazz kann ein wirksames musikalisches Mittel sein, um den Gemeinsinn von Interpreten und Publikum kräftig zu schärfen. Beim Dresdner Jazzclub Tonne e.

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Quelle: PR

V. dürfte Ironie jetzt erst einmal fehl am Platze sein. Im Rathaus der Landeshauptstadt wusste man bislang ohnehin nichts von feinerem Hintersinn. Improvisiert soll nun aber auch nicht mehr werden. Mit bürokratischer Trockenheit wurde den von eindringendem Regenwasser gebeutelten Jazz-Veranstaltern der Tonne nun der Stuhl vor die Türe gestellt. Um sie aufs Trockene zu setzen?

Dresdens Jazzclub Tonne im Keller unterm Kulturrathaus ist nicht mehr dicht und soll deswegen dichtgemacht werden. Das Liegenschaftsamt der Stadt hat den Veranstaltern zum 31. August gekündigt, nachdem es im Juni bei Starkregen zu erheblichen Schäden an Technik und Instrumenten gekommen war. Um weitere Schäden und mögliche Schadensersatzforderungen zu vermeiden, wird nun nicht etwa nach einer besseren Abdichtung gesucht, sondern der für seine Programme mehrfach ausgezeichnete Club auf die Straße gesetzt. Die Veranstalter sind über dieses Vorgehen entsetzt.

Steffen Wilde, Geschäftsführer und Künstlerischer Leiter des Tonne e.V., sprach gestern von mehreren Begehungen der Räumlichkeiten, nachdem Mitte Juni der Musiker Rüdiger Krause und zahlreiche Konzertbesucher unverrichteter Dinge wieder fortgeschickt werden mussten: „Wir haben nicht mal Informationen über die Ursachen des Wassereinbruchs bekommen, geschweige denn Vorschläge für eine Lösung.“ Am meisten seien er und seine Mitstreiter darüber entsetzt, dass offenbar „der letzte Ausweg für die Stadt die Kündigung ist“, so Steffen Wilde.

Mit Post vom 29. Juni wurden dem Jazzclub „die Räume im Kellergeschoss des Gebäudes Königstraße 15 in 01097 Dresden ordentlich“ gekündigt. Wirksam wird diese Kündigung unmittelbar nach Ende der bevorstehenden Sommerpause. Was aus den dann geplanten Konzerten werden soll, sei derzeit völlig offen. „Nach entsprechend erfolgter Überprüfung kommt eine Notsanierung nicht in Betracht“, heißt es weiter in dem Schreiben vom Liegenschaftsamt. Gespräche seien darüber aber erst gar nicht geführt worden, moniert auch Helmut Gebauer, der Vorsitzende des Tonne e.V., er habe sich inzwischen mit der Bitte um ämterübergreifende Hilfe an den amtierenden Bürgermeister Dirk Hilbert gewandt.

Die Bausubstanz der Kellerräume der Tonne habe seit einiger Zeit Mängel, sagte Stadtsprecher Kai Schulz. Ein aktuelles Gutachten vom Februar 2015 begründe jene Mängel dadurch, dass aufgrund der vorhandenen Deckenrandverformungen kein wasserdichter Wandanschluss hergestellt werden kann. Seither habe es verschiedene Versuche gegeben, einen weiteren Wassereintritt in die Räume zu verhindern. „Mit dem von der Stadtratsmehrheit im Dezember 2014 beschlossenen Haushalt wurden aber keine Mittel für die Sanierung des Innenhofes in den aktuellen Haushalt eingeordnet.“ Jedoch seien durch Umverteilung von Mitteln in diesem Jahr noch Planungsleistungen für die Beseitigung der Mängel in Auftrag gegeben worden.

Der Jazzclub hatte nach Schulz’ Angaben beim letzten Wassereinbruch im Juni 2015 einen Schaden in Höhe von rund 9000 Euro geltend gemacht. „Angesichts des Umstandes, dass der Mietzins der Tonne gegenwärtig 2,50 Euro pro Quadratmeter beträgt, überschreitet der in Rede stehende Schaden die Jahresgrundmiete deutlich“, hieß es. Die Schlussfolgerung von Seiten der Stadt: „In Anbetracht der Gefahr wiederholter Wassereintritte und dem damit verbundenen Risiken vor allem auch hinsichtlich der elektrischen Anlagen im Gewölbe wurde mit Wirkung zum September 2015 der Vertrag ordentlich gekündigt. Vertreter der Landeshauptstadt haben dazu in der vergangenen Woche ein Gespräch mit den Vertretern der Tonne geführt. Es wurde dabei auch ausgeführt, dass nach der Sanierung ein Rückzug in das Kulturrathaus möglich wäre, wenn dies gewünscht wird.“

Der Erste Bürgermeister Dirk Hilbert hat laut Schulz gestern die Geschäftsbereiche Kultur und Finanzen beauftragt, den Jazzclub bei der Suche nach einer neuen Spielstätte oder einer Interimslösung zu unterstützen. Dazu werden in den kommenden Wochen Gespräche geführt. Hilbert selbst wolle nach seinem Urlaub im August ein Gespräch mit den Vertretern der Tonne führen.

Denkbar wäre beispielsweise neuerlich ein Provisorium über dem Jazzclub, wie es vor drei Jahren schon einmal aufgebracht worden sei. Offiziell hatte es eine Gewährleistung von zwei Jahren, wurde aber bis jetzt nicht erneuert.

Auch die Jazz-Legende Günter Baby Sommer, Ehrenmitglied des Tonne e.V., empört sich über dieses Vorgehen mit einer wichtigen Dresdner Kulturinstitution: „Dresden ist nicht nur mit Semperoper und Alten Meistern zu identifizieren. Diese Bedeutung ist vielen Verantwortungsträgern offenbar gar nicht bewusst.“

Heute Abend gibt es das letzte Konzert vor der Sommerpause. Dank rascher Hilfe durch das Kulturamt kann die „Repertoire-Night“ im Rahmen der Jazz-Nächte der Dresdner Musikhochschule mietfrei im Kleinen Saal des Kulturrathauses stattfinden. Beginn ist 20 Uhr.

Michael Ernst

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