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Die Staatsoperette ruft mit einer Doppelkooperation zur "Anatevka"-Premiere zu Toleranz auf

Die Staatsoperette ruft mit einer Doppelkooperation zur "Anatevka"-Premiere zu Toleranz auf

Theaterleute haben oft den Traum, sie könnten mit ihrer Kunst die Welt verbessern. Das ist auch an der Staatsoperette Dresden der Fall, wie Intendant Wolfgang Schaller verrät.

Als Antwort auf das derzeit allzu verbreitete Fremdeln in der Welt setzte er Jerry Bocks Musical "Anatevka" oder "Fiedler auf dem Dach" in dieser Spielzeit auf den Premierenplan. Die Geschichte nach einem Buch von Joseph Stein handelt von Religion und Vertreibung: Der genügsame Milchmann Tevje lebt mit seiner Frau und seinen fünf Töchtern in der kleinen jüdischen Gemeinde Anatevka in Russland, bis die revolutionären Unruhen von 1905 ihre Schatten auf das Dorf werfen und die Bewohner des Schtetls in die Emigration treiben. Premiere hat die Neuinszenierung von Arne Böge, unter der musikalischen Leitung von Christian Garbosnik am 26. Juni.

Doch weil eine Musicalaufführungen allein eben vielleicht doch nicht genug ist, um die Menschen vom Guten zu überzeugen, stellt Schaller dem Stück zugleich das Jugendprojekt "In der Fremde" und eine Ausstellung über Traditionsumbruch und Identitätsfindung zur Seite. "Das Musical verweist auf kulturelle Minderheiten und auf reiche jüdische Traditionen in der Gemeinde", sagt Schaller. Zwei Themen, die dem Stück große Relevanz verleihen. Sie bilden auch die Grundlage für das Projekt "Fremd sein", bei dem 150 Dresdner Schüler aus über zehn Ländern in selbstgeschriebenen Szenen, Klezmer-Crossover-Raps und Choreografien ihre eigenen Erfahrungen im Umgang mit Fremdem und Bekanntem verarbeiten. Der Choreograf Jakub Zdziarski nahm ihre Ideen in seine Choreografien auf. Musiker Lorenz Grau komponierte und arrangierte die Musik dazu, die wie im Musical an jüdischen Klängen orientiert ist, und Rapper Tobias Tanneberger leitete eine Gruppe von Jugendlichen an, ihre Erfahrungen in Rap-Texten zu verdichten. Das sind Texte von Respekt und Anpassung, Mut und Individualität. Denn die beteiligten Kinder aus vier sechsten Klassen der 66. und 101. Oberschule wissen, wovon sie erzählen: Über 40 Prozent der Schüler an der 101. Oberschule sind Migrantenkinder.

Seit einem Jahr arbeiten sie an der dieser Show. Bei der Aufführung (8./9. Juli, 19.30 Uhr an der Staatsoperette Dresden) werden sie vom Kinderchor "Amechae" der jüdischen Gemeinde, vom Kinderchor der Staatsoperette und von der Klezmer-Band "Fun-Shashlikh" unterstützt. "Es ist unser Anliegen, den Hass aus den Herzen zu treiben", erklärt Schaller.

Noch vor der Premiere von Musical und Jugendprojekt beginnt in der Jugendgalerie Einhorn der Jugendkunstschule (Königstraße 15) am 22. Juni zudem die Ausstellung "Im Traditionsumbruch eigene Wege finden". Lehramtsstudenten der Fächer Evangelische Religion und Katholische Religion an der Technischen Universität Dresden (TU) haben sich dazu intensiv mit den religionsbezogenen Aspekten des Musicalstoffs auseinandergesetzt. "Es geht nicht nur um das Judentum, sondern um alle ethnischen Identitäten", sagt Wolfgang Schaller.

Die Ausstellung ist auch in Zusammenarbeit mit Schülern der neunten Klassen verschiedener Dresdner Schulen entstanden, mit denen die Studenten im Rahmen ihres Praktikums zum Thema arbeiteten. Das gesamte Projekt wurde im regen Austausch mit der Jüdischen Gemeinde Dresden entwickelt - auch die Inszenierung an der Staatsoperette hat davon profitiert. Das gesamte Ensemble durfte vor den Proben gemeinsam an einem jüdischen Gottesdienst teilnehmen und konnte so gleichsam in den Alltag der Juden in Dresden eintauchen und Inspirationen für die Aufführung gewinnen.

Und wenn sie auch nicht gleich die ganze Welt verbessern, so kann die Staatsoperette mit dieser umfangreichen Doppelkooperation vielleicht doch ein wenig zum Nachdenken anregen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 20.06.2015

Nicole Czerwinka

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