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Die Staatsoperette Dresden zeigt „La Cage aux Folles“ als buntes Varietéstück

Superstars in Frauenkleidern Die Staatsoperette Dresden zeigt „La Cage aux Folles“ als buntes Varietéstück

Die Staatsoperette Dresden hat in Co-Produktion mit dem Salzburger Landestheater „La Cage aux Folles“ nach dem Stück von Jean Poiret auf die Bühne gebracht. Das zur Premiere anwesende Publikum war begeistert.

La Cage aux Folles an der Staatsoperette Dresden mit Uwe Kröger (Zaza) und dem Ballett der Staatsoperette (Cagelles).

Quelle: Kai-Uwe Schulte-Bunert

Dresden. St. Tropez, hinter dem schillernden Vorhang des Travestie-Clubs „La Cage aux Folles“ verbergen sich ernsthafte Sorgen: Der konservative Politiker Edouard Dindon will dem bunten Treiben an der Côte d’Azur ein Ende bereiten. Zu allem Übel hat sich Jean-Michel, das Ziehkind der Betreiber Georges und Albin, ausgerechnet in die schöne Tochter dieses spröden Mannes verliebt. Ein Familientreffen mit zwei Vätern scheint unter solchen Umständen natürlich unmöglich. Und schon sind wir mittendrin in dem bunten Schlamassel von Jerry Hermans Musical, das – besser bekannt unter dem Titel „Ein Käfig voller Narren“ – in Kooperation mit dem Salzburger Landestheater an der Staatsoperette Dresden Premiere hatte und das Publikum beinahe von den Sitzen riss.

Die Geschichte beruht auf einem Lustspiel von Jean Poiret, Harvey Fierstein schrieb dazu das Libretto für das bekannte Musical. Mit all dem Showglimmer, der sich darin verbirgt, eignet es sich natürlich wunderbar für eine glitzernde Revue über Männer in Frauenkleidern, die Ballette in Stöckelschuhen tanzen, eingehüllt in ausladende Rüschenstoffe und Federboas (Kostüm: Conny Lüders). Die Staatsoperette hat wie immer keine Mühen gescheut, um das opulente Bühnenbild samt Ausstattung mit dicker Glamournote auf die Dresdner Bühne zu hieven. Christian Floeren hat dafür eine pfiffige Drehkonstruktion kreiert, die je nach Position den Blick auf Showbühne, Garderobe oder das moderne, wenig subtil in Schwulendeko gestaltete Wohnzimmer von Georges und Albin freigibt.

Andreas Gergen inszeniert den Stoff vor allem als ironisch lächelnde Selbstschau auf das Varieté. Er geht an manchen Stellen aber ein bisschen zu selbstverliebt heran, gibt Dialogen und Showszenen anfangs oft noch zu großen Raum – und zeigt, wie hinter dem schönen Schein auf der Bühne auch Leidenschaften brodeln und Beziehungen ins Straucheln geraten. Denn natürlich endet Georges’ Versuch, eine perfekt „normale“ Familie für Jean-Michels Schwiegereltern in spe zu inszenieren, mit einem gekränkten Albin. Der zieht sich in seiner Paraderolle der Zaza ins Rampenlicht zurück und schmettert den berühmten Hit des Musicals „Ich bin, was ich bin“ mit flammend wütender Inbrunst.

Mit Uwe Kröger hat die Staatsoperette einen gestandenen Musicaldarsteller als Albin verpflichten können. Er lässt die männliche Diva Zaza in der ganzen Faszination der Travestie schillern, hält sich auch auf Plateauschuhen elegant, wechselt seine Perücken wie die Kleider. Nur stimmlich fehlt ihm hie und da das weibliche Feingefühl – seine Interpretation von „Ich bin, was ich bin“ etwa wirkt eher röhrend und hysterisch.

An Krögers Seite steht mit Dieter Landuris ein nicht minder bekannter Schauspieler. Als chaotischer Privatdetektiv Fichte feierte er in den 90ern Fernseherfolge mit der Krimiserie „Alles außer Mord“. Auf der Bühne in Leuben gibt er nun den Travestieclub-Besitzer Georges noch einen Tick zu männlich, kann dafür aber als Showmaster für Zaza richtig mitreißen. Gesanglich hält sich Landuris wacker, die großen Partien darf er ja getrost Kröger überlassen. Der dritte im Bunde ist Operetten-Sternchen Jannik Harneit, als Georges Sohn Jean-Michel kommt er im Vergleich zur bunten Travestiewelt aber eher blass rüber. Hans-Jürgen Wiese (als Edouard Dindon), Katharina Spaniel (Marie Dindon) und Jeanette Oswald (als deren Tochter Anne) haben dagegen kaum Gelegenheit, ihr gesangliches Potenzial auszureizen. Dazu liefert Kapellmeister Christian Garbosnik mit dem Orchester der Staatsoperette Dresden die kräftig perlende Begleitmusik, beschwört einen schillernden Klang zu dieser wilden Travestiewelt herauf und setzt besonders zum Schluss noch ein paar rauschende Akzente.

Erst nach der Pause aber nimmt die Musicalhandlung richtig Fahrt auf. Als das Wohnzimmer des Pärchens sich für den Elternbesuch in eine katholische Kammer verwandelt hat, schimmern gar ein paar Slapstick-Momente durch. Etwa das Männlichkeitstraining von Zaza, die vor den spießigen Schwiegereltern den ollen Onkel mimen soll – am Ende aber natürlich doch in Perücke und Abendkleid auftaucht. „Ich bin, was ich bin“, flüstert sie mit ihren angeklebten Wimpern charmant. So dass dem pikierten Brautvater keine andere Möglichkeit bleibt, als selbst geschminkt und gepudert auf die Bühne zur treten, um nur unerkannt aus diesem verrückten Haus entkommen zu können. Gefeiert wird dies mit einem furiosen Finale im vor Begeisterung kochenden Operettensaal.

Am Ende ist auch dieser opulente Glitzerabend, wie er ist: bunt mit ein paar kleinen Schwächen eben.

Staatsoperette Dresden „La Cage aux Folles“, weitere Termine 20.2., 21.2., 23.2., 24.2.

Von Nicole Czerwinka

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