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Die Sopranistin Elena Pankratova gibt ihr Debüt als Elektra in Dresden

Die Sopranistin Elena Pankratova gibt ihr Debüt als Elektra in Dresden

Das Richard-Strauss-Jahr aus Anlass des 150. Geburtstages des Komponisten geht zu Ende. Die Sächsische Staatsoper bietet zum Abschluss ein außergewöhnliches Debüt.

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Elena Pankratova als Abigaille in "Nabucco".

Quelle: Companions Amsterdam

Eine russische Sängerin als Elektra? Elena Pankratova singt am 28. November und 15. Dezember die Titelpartie in der Semperoper. Wer die außergewöhnliche Karriere der Sängerin aus Jekaterinburg kennt, wird höchst gespannt sein.

Russische Sängerinnen im deutschen dramatischen und hochdramatischen Fach, das gab's noch nicht, und mit ihrer grandiosen Interpretation der Partie der Färberin in der Strauss-Oper "Frau ohne Schatten" dürfte Elena Pankratova die erste berufene Vertreterin ihres Faches sein, die mit diesem Vorurteil gründlich aufräumt. Bislang sind nämlich meistens Partien des italienischen Faches den russischen Sängerinnen außerhalb ihrer Heimat vorbehalten gewesen.

Und zum anderen waren bis vor kurzem die Chancen, deutsche Partien in Russland zu singen, im dramatischen Fach zumal, sehr gering. Immerhin debütierte Elena Pankratova als Sieglinde in Wagners "Ring des Nibelungen" unter Leitung von Valery Gergiev am Mariinsky-Theater in St. Petersburg. Ihre Zukunftspläne an diesem legendären Opernhaus gehen dahin, beide Frauenrollen, Elisabeth und Venus, in Wagners "Tannhäuser" an einem Abend zu singen.

Sonst aber haben sich bislang fast alle Wünsche für die in Frankfurt lebende Sängerin erfüllt. Keine Frage, vor dem Erfolg muss harte Arbeit geleistet werden. Derzeit erarbeitet sie die Partie der Elektra in Dresden, sie besucht Aufführungen in der Oper, macht sich vertraut mit dem Klang des Orchesters, mit den akustischen Bedingungen und findet auch Zeit für ein Gespräch.

Und da berichtet sie, wie es begann, zu Hause in Swerdlowsk, wie Jekaterinburg 1924 bis 1991 hieß. Musik war die Seele der Familie, in der oft mehrstimmig gesungen wurde. Die musikalische Ausbildung begann sie mit sechs Jahren an einer Spezialschule; regelmäßige Besuche in der Philharmonie, in der Oper, im Theater und natürlich Ballett gehörten dazu. Der Theaterzauber nahm sie gefangen, und so war es selbstverständlich, dass sich erst eine professionelle Ausbildung zur Pianistin und Chordirigentin anschloss und dann die Ausbildung zur Opern- und Konzertsängerin sowie Gesangspädagogin am Rimski-Korsakow-Konservatorium in St. Petersburg folgte.

Dabei wollte es die junge Sängerin aber nicht belassen, sie suchte die Herausforderung durch den Besuch von Meisterklassen bei so bedeutenden Künstlerinnen wie der italienischen Sopranistin Renata Scotto und bei Ingrid Kremling aus Deutschland, die u.a. an der New Yorker Met als Arabella Triumphe feierte.

Entscheidend für den weiteren Weg waren zwei unabhängige Empfehlungen. Natürlich sang sie, als junge Sopranistin, Renata Scotto eine lyrische Partie vor, die der Sklavin Liu aus Puccinis "Turandot". Die Scotto meinte aber, sie solle doch lieber die Dramatik der Titelpartie zu ihrem Anliegen machen. Als kurz darauf die hochverehrte Birgit Nilsson ebenfalls empfahl, die dramatische Partie der Turandot zu singen, stand die Richtung fest für den weiteren Weg.

Es sind zunächst die Partien der italienischen Operndramatik wie Tosca, Norma, Abigaille, Leonora, Santuzza und natürlich Turandot, mit denen die russische Sopranistin erst an deutschen, und später internationalen Opernhäusern auf sich aufmerksam machte. Die deutsche Operndramatik folgte, die Titelpartie in "Ariadne auf Naxos", Wagners Senta, Sieglinde in Florenz, wo auch 2010 unter der Leitung von Zubin Mehta das grandiose Debüt als Färberin beim renommierten Festival Maggio Musicale Fiorentino die Opernwelt in Erstaunen versetzte. Mit dieser Partie feierte die Sängerin Triumphe am Teatro alla Scala di Milano, Teatro Colón in Buenes Aires, am Londoner Covent Garden, sowie - was die Sängerin besonders freut - am Ort der Uraufführung, der Bayerischen Staatsoper München.

Und jetzt, wieder am Ort der Uraufführung, als Elektra in Dresden, eine wunderbare Herausforderung, die der gründlichen Vorbereitung bedarf. Wobei sie so fundierte wie konstruktive Unterstützung durch ein großartiges Kollegenteam am Opernhaus, Regieassistenten und Korrepetitoren, sowie durch ihren Ehemann, den ebenfalls in St. Petersburg ausgebildeten Gesangspädagogen Vitaly Zapryagaev, erfährt.

Für Elena Pankratova kommen drei Voraussetzungen bei der Erarbeitung dieser Partie mit so interessanten wie tragischen und abgründigen Facetten des Charakters zusammen: Ihre eigenen Erfahrungen des dramatischen Gesanges mit dem emotionalen Anspruch einer "leidensgesegneten russischen Seele"; zum anderen lässt sie bei der Gestaltung der Elektra-Figur auch die weit gespannten Linien des italienischen Gesanges einfließen. Hochdramatischer Gesang bedeutet ja nicht den Verzicht auf die lyrischen, berührenden Momente der Melodik, es geht um die gesangliche Gestaltung eines verletzlichen Charakters, Elektra ist ein Mensch, kein Monster. Und, nicht zu vergessen, die gründliche sprachliche Erarbeitung des Textes Hugo von Hofmannsthals ist für die Sopranistin unverzichtbar. Nur in der Übereinstimmung von sprachlicher und musikalischer Präsenz lässt sich die Besonderheit dieser Partie überzeugend gestalten.

Sichtlich berührt ist Elena Pankratova von einer Begegnung mit der 93-jährigen Sängerin Inge Borkh, die ihr von ihren Erfahrungen als Elektra, nicht zuletzt von der legendären Einspielung unter der Leitung von Karl Böhm mit der Staatskapelle 1960 im noch stark von der Zerstörung gezeichneten Dresden berichtete.

Gerade ist Elena Pankratovas CD mit der neuentdeckten Originalfassung des Zyklus "Lieder und Tänze des Todes" von Modest Mussorgski erschienen, der ursprünglich für eine Frauenstimme (!) mit riesigem Umfang geschrieben wurde. Hier könne man gut erkennen, so die Sängerin im Gespräch, dass es eine gewisse Tradition des hochdramatischen Gesanges in Russland bereits im 19. Jahrhundert gab.

Und Wünsche, die gibt es auch, selbstverständlich, Wagners Isolde würde sie gerne singen und natürlich die Katerina Ismailova in "Lady Macbeth von Mzensk" von Schostakowitsch.

"Elektra", 28.11. und 15.12. in der Semperoper. www.semperoper.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 25.11.2014

Boris Gruhl

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