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Die Ska-Band „Yellow Cap“ bringt brasilianisches Lebensgefühl in die Heimat

Groove „around the world“ Die Ska-Band „Yellow Cap“ bringt brasilianisches Lebensgefühl in die Heimat

Wenn es darum geht, musikalisch einen Blick über den Tellerrand zu wagen und sich nicht von gängigen Dogmen und Richtlinien des Musikgeschäftes abhängig zu machen, spielt die eher unbekannte aber in der Szene hoch geachtete Ska-Band Yellow Cap groß auf.

In Brasilien begeistern die ostdeutschen Jungs jährlich zehntausende Besucher.

Quelle: Yellow Cap

Dresden. Wenn es darum geht, musikalisch einen Blick über den Tellerrand zu wagen und sich nicht von gängigen Dogmen und Richtlinien des Musikgeschäftes abhängig zu machen, spielt die eher unbekannte aber in der Szene hoch geachtete Ska-Band Yellow Cap groß auf. Die neunköpfige Formation, vor 18 Jahren im Görlitzer Club

Zudem begeistern die Jungs aus Dresden, Berlin und Görlitz immer wieder Zehntausende Zuhörer bei Festivals und Konzerten in Mittel-, Ost- und Südosteuropa sowie seit einiger Zeit auch regelmäßig zum Karneval in Brasilien. Keiner der damals 18- und 20-Jährigen, die, wie Frontmann Kay Natusch verrät, wegen „der Vernarrtheit in die Musikrichtung Ska“ aus dem Bauch heraus eine Band gegründet hatten, wusste damals wo die Reise einmal hinführen soll.

Nachdem die Formation aus Görlitz gleich auf Anhieb funktionierte und 1998 den ersten Platz beim Nachwuchskontest des Taubertal-Festivals in Rothenburg belegte, zogen noch einige Jahre ins Land, bevor die erste Platte erschien. 2004 dann das erste Album, „Doesn´t matter“ – bis 2016 folgten vier weitere. „Wir haben keinen konkreten Plan und machen uns keinen Stress“, führt Kay weiter aus. Der größte teil der Formation bestehe zudem aus Teilzeitmusikern, die mittlerweile voll im Arbeitsleben stehen und eine Familie haben.

Band im Wandel

Auch aus diesem Grund hat sich die Zusammensetzung der Band über die Jahre geändert. Noch vier von einst zwölf Gründungsmitgliedern sind Yellow Cap erhalten geblieben. “Damals waren wir ein richtiges Orchester und dazu noch viel punkiger als heute“, erinnert sich Frontmann Kay, der ohne seinen Strohhut keine Bühne mehr betritt. Der Capoeira Trainer, der wie fünf seiner Bandkollegen mittlerweile in Dresden wohnt und seit über zehn Jahren regelmäßig durch Südamerika reist, steckte seine Kollegen mit seiner Leidenschaft für die brasilianische Kultur und Lebenseinstellung an.

Die aktuelle Kombination aus klassicher Band, gepaart mit Percussions, Posaune, Saxophon und Co. spielt nun schon seit 2012 zusammen. Man hat sich gefunden. Von ursprünglich eher 2-Tone-lastigen Auftritten entwickelte sich die „Live-Band“, wie sich die neun Musiker trotz mehrer Vinyls und Studioalben selbst nennen, stets weiter. Heute bedienen Yellow Cap eher den etwas ruhigeren und groovigeren Part des Ska-Genre, zu hören ist vorwiegend Rocksteady, „der in seiner kulturellen und künstlerischen Vielfalt keine Grenzen kennt“, sagt Kay Natusch. Auf ihrem aktuellen Album „Pleasure“, das, mal treibend, mal relaxt, frischen und poppigen Offbeat verspricht, tauchen sowohl eine klassische Soul-Nummer als auch ein lateinamerikanisches Stück auf. „Ska bietet eine unheimliche Bandbreite an Stilelementen und Facetten. Es gibt Bands, die nehmen es etwas genauer und grenzen sich von dieser Buntheit ab. Wir hingen machen was wir wollen, was Spaß bringt und gerade passt“, stellt Bassist Clemens Voyé klar.

Und die neunköpfige „Kapelle“, so zumindest wurden die großzügig besetzten Formationen noch in den 1950er Jahren auf Jamaika genannt, als sich Ska aus der Unabhängigkeitsbewegung gegen die Briten und Sklavenhalter heraus gegründet hatte, bedient sich aus dem gesamten Repertoire des modern gewordenen Genre – Reggae, Blues, Folk, Punk, Bluebeat und natürlich Rocksteady.

Brasilien hinterlässt Spuren

Doch am prägendsten waren in den vergangenen Jahren die regelmäßigen Bandreisen zum Karneval nach Brasilien. Seit 2012 geht es in jedem Frühjahr für alle neun Akteure auf eine vierwöchige Tour durch mehrere Bundesstaaten und Städte des lateinamerikanischen Landes. Sie geben Konzerte, feiern mit beim Karneval und stehen mit bekannten Größen der brasilianischen Rapp- und Ska-Szene im Studio. In diesem Jahr waren es keine geringeren als die Rapperin Lurdes da Luz, die man eher zufällig traf, und die Band Projeito Brasilidade.

„Wir hatten geplant, in diesem Jahr ein neues Vinyl direkt in Brasilien aufzunehmen“, erzählt Sänger Kay. Spontan habe sich dann die Zusammenarbeit mit den Künstlern vor Ort ergeben. Im Studio des in Sao Paulo lebenden amerikanischen Produzenten Victor Rice wurde schließlich die Single „around the world“ aufgenommen, zu dem die brasilianischen Acts jeweils eine Strophe beisteuerten. Das Ergebnis, eine 7“ Vinylplatte – ja, Yellow Cap springen damit auf dem aktuellen Zug der Retro-Liebhaber auf – mit einem vielseitigen, der groovigen Rocksteady-Linie durchaus treuen, internationalen Song über das Reisen, neue Eindrücke, Menschen und Geschichten.

Mit dem neuen Titel und viel guter Laune im Gepäck kehren die Jungs von Yellow Cap nun auch zu zwei Konzerten nach Dresden zurück. Am Donnerstag treten die Vollblutmusiker bei den Filmnächten am Elbufer und kurze Zeit später beim Hechtfest auf. Das die Bandmitglieder weder vom Plattenverkauf noch von den Einnahmen der Live-Konzerte leben können, bestätigt für Sänger Kay nur ein weiteres mal, was das Naturell der neunköpfigen Formation vor allem ausmacht: „der Spaß und die Freude an der Musik, Menschen abzuholen und einfach eine gute Zeit zu verbringen“.

Live erfolgreich

Das die Jungs dabei auch noch richtig gute Musik, abseits vom Mainstream und großen Labels produzieren, erfahren sie regelmäßig bei ihren Auftritten. „Wenn 20 000 brasilianische Fans beim Festival in der barocken Altstadt von Ouro Preto mit dir feiern, ist das einfach überwältigend. So ist Ska, deshalb lieben wir das, was wir tun“, erklärt Bassist Clemens. Doch auch für ihre Auftritte in der deutschen Szene werden die Yellow Caps von vielen Insidern und Musikmagazinen als eine der wichtigsten Ska-Bands in und aus Ostdeutschland wahrgenommen.

Ursprünglich nannte sich die Band übrigens Yellow Cab, da das schwarz-weiße Schachbrettmuster auf den Seiten der knallgelben New Yorker Taxis stark an das Leitmotiv des Skas erinnerte. „Nach zwei Jahren bekamen wir unangenehme Post, dass der Name rechtlich geschützt sei“, verrät Kay Natusch. Wie es zu ihrer entspannten Natur nicht hätte besser passen können, drehten die Jungs den letzten Buchstaben ihres Bandnamens einfach auf den Kopf und verwirren seit dem zugegebenermaßen Publikum, Kritiker und Google-Suchende mit dem – doch eigentlich falsch geschriebenen – Namen Yellow Cap.

Aktuelle Veröffentlichung : „around the world“. Konzerte in Dresden : 04. August, Filmnächte am Elbufer, 19 Uhr; 27. August, Hechtfest, 20 Uhr.

Infos: web.yellow-cap.com

Von Sebastian Burkhardt

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