Volltextsuche über das Angebot:

20 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
Google+
Die Singakademie Dresden reflektiert in der neuen Saison nicht nur die 130 Jahre ihres Bestehens

Die Singakademie Dresden reflektiert in der neuen Saison nicht nur die 130 Jahre ihres Bestehens

Es kommt einiges zusammen für die Singakademie Dresden in diesem noch jungen Jahr 2014: 130 Jahre liegt die Gründung jenes Lehrergesangvereins zurück, aus dem der heutige Chor hervorging.

Voriger Artikel
Warten auf Depeche Mode in Dresden – Erste Fans sind seit Mitternacht vor der Messe
Nächster Artikel
Vladimir Vertlib las im Dresdner Literaturhaus Villa Augustin aus "Schimons Schweigen"

Der Auftritt in der Kathedrale in Dresdens Partnerstadt Coventry war einer der Höhepunkte im Konzertjahr 2013 der Singakademie Dresden.

Quelle: Th. Büttner

Zehn Jahre ist es her, dass Ekkehard Klemm die Leitung des Laienensembles übernahm, das sich inzwischen das größte im Verband Deutscher Konzertchöre (VDKC) nennen darf. Und da es sich Klemm und sein Chor zum Markenzeichen gemacht haben, immer wieder über den Tellerrand zu schauen, belassen sie es in dieser Jubiläumssaison natürlich nicht bei der Nabelschau. Vielmehr sucht man Berührungs- und Reibungspunkte mit Zeit- und Musikgeschichte. So spielt der Rückblick auf den Mauerfall vor 25 Jahren ebenso eine Rolle wie runde Geburtstage von Künstlern, die einst oder jetzt auf ihre je eigene Weise Zeichen setz(t)en. "Aufbruch" ist darum ein ebenso passender wie mehrdeutiger, Vergangenes, auch Traditionelles reflektierender und Neues suchender Titel für die aktuelle Konzertsaison.

Die begann Ende Januar mit der Teilnahme an der Mauersberger-Ehrung in der Kreuzkirche und nimmt am Wochenende ihren Fortgang mit zwei konzertanten Aufführungen von Leonard Bernsteins "Candide". Das nach Voltaires gleichnamiger Novelle entstandene Werk erklingt mit den Zwischentexten von Loriot, der im vergangenen November 90 geworden wäre. Klaus Schultz, ehemaliger Intendant des Münchner Gärtnerplatztheaters und langjähriger Freund Loriots, wird die an Geistesschärfe und Witz nicht zu übertreffenden Texte lesen. Dass an den Aufführungen im Konzertsaal der Dresdner Musikhochschule (Sa./So., jeweils 19.30 Uhr) neben dem Großen Chor der Singakademie und dem Orchester der Staatsoperette Dresden etliche Studierende und Alumni der Hochschule - u.a. zwei junge Dirigentinnen - sowie Solisten vom Jungen Ensemble der Semperoper beteiligt sind, unterstreicht einmal mehr die intensiven Kontakte der Singakademie zur Hochschule und ihr Engagement in Sachen Nachwuchsförderung.

Insgesamt knapp 260 Mitglieder hat die Singakademie in Großem Chor, Kammerchor, Kinderchor und Seniorenchor. Dass dank großen Zulaufs zum von Claudia Sebastian-Bertsch geleiteten Kinderchor, speziell einer Vielzahl von Knaben, der Sängernachwuchs gesichert scheint, freut Ekkehard Klemm besonders. Beim Seniorenchor steht demnächst ein Dirigentenwechsel an: Wegen einer wachsenden Zahl anderer Aufgaben gibt Christiane Büttig ihre Position hier auf, derzeit sondiert Klemm unter den Studierenden der Hochschule, um einen Nachfolger bzw. eine Nachfolgerin zu finden. An neun Konzerten ist der Seniorenchor in dieser Saison beteiligt, u.a. am 24. Mai an "Dresden singt und musiziert" auf der Brühlschen Terrasse, für das die Dresdner Musikfestspiele Klemm und seinem Chor aus Anlass seines Jubiläums in diesem Jahr die Verantwortung übergaben. Klemm hat dazu weitere Chöre aus dem VDKC eingeladen, dessen Präsident er seit 2013 ist.

Ebenfalls im Rahmen der Musikfestspiele, am 25. Mai, wird die Singakademie in der Kreuzkirche gemeinsam mit Mitgliedern aus Partnerchören sowie der Elbland Philharmonie Sachsen Zoltán Kodálys "Psalmus hungaricus" aufführen, eines der ersten bedeutenden großen Chorwerke nach dem Ersten Weltkrieg. Daneben erklingt in diesem Konzert Franz Schuberts As-Dur-Messe.

Ihr offizielles Jubiläumskonzert widmet die Singakademie einem bedeutenden Datum der deutschen Geschichte - dem 9. November. An dessen Vorabend steht in der Lukaskirche zum einen die Uraufführung eines Oratoriums von Manfred Weiss auf dem Programm, das dieser auf einen den vielschichtigen Hintergrund des Tages reflektierenden Text von Christoph Eisenhuth schuf. Zum anderen erklingt das Brahms-Requiem, das Ekkehard Klemm neu gehört wissen will vor dem Hintergrund, dass Brahms als Anhänger der Liberalen in Wien Textauswahl und Musik gegen ein antisemitisches und politisch antiliberales Christentum gerichtet habe.

Mit einem anderen Jubilar des Jahres, der vor 20 Jahren gegründeten Sinfonietta Dresden, tut sich die Singakademie für ihren Adventsstern 2014 am 6. Dezember zusammen. Damit findet zugleich ein über drei Jahre geführtes Projekt seinen Abschluss - die Reflektion der Bachschen h-Moll-Messe durch neue Stücke Dresdner Komponisten. Die drei entstandenen Werke von Reiko Füting, Wilfried Krätzschmar und Alexander Keuk werden in einem Nachmittagskonzert noch einmal erklingen, bevor am Abend die Bach-Messe komplett aufgeführt wird.

Der hier neben dem Großen Chor in Erscheinung tretende Kammerchor der Singakademie will auch in zwei eigenen Konzerten Akzente setzen: In einer Vesper in der Kreuzkirche am 5. April widmet er sich dem vor 520 Jahren geborenen Johann Walter in Korrespondenz mit einer Uraufführung eines Werkes von Ekkehard Klemm zum Thema Jerusalem, und zum Elbhangfest am 29. Juni präsentiert er ein Programm namens "Lebe, liebe, trinke, lärme" in der Loschwitzer Kirche.

Aus dem mit dieser Aufzählung längst nicht abgeschlossenen Terminreigen sei noch eine Kooperation mit Musikhochschule und KlangNetz Dresden benannt, bei dem ein Projektchor der Singakademie Anfang April am Konzert "Einstürzende Mauern" mit Werken von Mozart, Lachenmann und Voigtländer beteiligt sein wird.

Damit rundet sich erneut ein ambitioniertes Jahresprogramm, für dessen Umsetzung der Singakademie 65 000 Euro institutionelle Förderung der Landeshauptstadt Dresden zur Verfügung stehen. Das mache 45 Prozent des Gesamtetats aus, der sich des Weiteren aus kleineren projektgebundenen Zuweisungen diverser Stiftungen oder Sponsoren speise, so Klemm. Die Aufführung von Bachs h-Moll-Messe könne im Übrigen nur zustande kommen, weil alle Beteiligten auf Honorar verzichten. Stets ist auch die Singakademie auf ihr Publikum angewiesen, dem sie wieder ein attraktives Chor-Abonnement offeriert (siehe Kasten).

Mit all dem sieht sich Ekkehard Klemm gut aufgestellt und ist hoffnungsfroh, dass "Aufbruch" für die Singakademie auf jeden Fall auch Aufbruch zu vielen weiteren, die Zeiten überdauernden musikalischen Taten bedeutet: "In weiteren 130 Jahren wird die Singakademie Dresden so lebendig sein wie 2014, wenn sie kreativ und innovativ das Alte bewahrt, das Neue fördert und die musikalische Vielfalt der Zeiten aufnimmt und weitergibt."

www.singakademie-dresden.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 13.02.2014

Sybille Graf

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr