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Die Shout Out Louds ließen im Alten Schlachthof in Dresden nichts anbrennen

Die Shout Out Louds ließen im Alten Schlachthof in Dresden nichts anbrennen

Wer diesem Konzert mit dem Hören eines Tonträgers der Band nachspüren möchte, sollte sich einen vierfachen Espresso dazu brühen und in Rekordgeschwindigkeit durch einen Strohhalm ziehen.

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Shout out Louds mit Frontmann Adam Olenius begeisterten im Alten Schlachthof.

Quelle: Dietrich Flechtner

Nicht, dass die schwedischen Shout Out Louds auf ihren charmanten, verspielten und verhältnismäßig leichten Indiepop-Platten keine überdurchschnittlich flotte Note zustande brächten - doch schlug das spielfreudige Quintett im Alten Schlachthof in einer schon annähernd beängstigenden und zugleich keinesfalls Mängel produzierenden Routine alle gesetzteren Töne buchstäblich in die Flucht, lief vom ersten Moment an auf Hochtouren und ließ am Ende fast keine Wünsche offen. Ganz so verkehrt ist das ja auch nicht, graut einem doch heutzutage bald mehr als je zuvor vor dem Konzertmoment, wenn die Rhythmusgruppe zum Backstage-Kühlschrank geschickt wird, damit die Bandstimme an der Akustischen ihr Herz zu halbgebackenen Balladen ausschütten kann, die die Welt nicht braucht. Im seltensten Fall gelingt da noch Magie. Aber man muss ja auch mal austreten.

Bei den Shout Out Louds hat man dazu kaum Gelegenheit. Frontmann Adam Olenius streckt nichts, sondern fächert wild fuchtelnd und in einer anfangs durchaus auch etwas verstörenden emotionalen Dringlichkeit seiner heiß laufenden Gitarre Luft zu und singt förmlich um sein Leben, wenn er noch einmal die alte, semi-illustre Geschichte vom Wohnzimmer der potentiellen Schwiegereltern zum besten gibt ("Parents Livingroom"). Eigentlich noch eine der entschleunigteren Nummern - hier gänzlich ohne Halt. Dennoch, nichts anbrennen lassen heißt nicht zwangsläufig durchbrennen. Wenn aus dem mitunter beinahe noch etwas filigranen Schichtpop auf der Bühne fleißig propellernder Indierock wird, gelingt das den Shout Out Louds alles im höchst unterhaltsamen Maß. Am Freitagabend die Woche im Galopp verlassen - das darf ruhig ein bisschen nach verbranntem Gummi stinken.

Songs des aktuellen Albums wechseln in besagter Rastlosigkeit und geradezu artiger Aufteilung mit älteren Nummern, wobei Aufgelockertem wie dem wunderhübschen "Walking in your foots.jpg" schon ein bisschen die Schrauben angezogen werden. Die multiinstrumental hantierende Bebban Stenborg hat da hinter ihren Tasten auf Keyboard und am Akkordeon keine Zeit, noch die Spucke aus der Flöte zu schütteln, und so verwandelt sich teils sonnenbeschienener Müßiggang in discotaugliche Forderungen. Ist der verdammte Sommer schon wieder vorbei. Protest statt laubfarbenes Gejammer. Also nicht unbedingt nach momentan gängiger skandinavischer Pop-Art.

Den vierfachen Espresso hat sich Olenius dann offenbar kurz vor Schluss heimlich selber eingeflößt; Zum krönenden Stampfer "Tonight I have to leave it" verlässt er Gitarre, Mikrophon und Bühnenrand und trommelt auf alles, was ihm irgendwie unter die Sticks kommt. Das Auditorium zeigt sich angesichts des kein bisschen vorgetäuschten Partyexzesses ausgesprochen entzückt.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 30.09.2013

Niklas Sommer

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