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Die Schwedin Anna von Hausswolff singt in der Dresdner Scheune vom Ende und dem Anfang unseres Lebens

Die Schwedin Anna von Hausswolff singt in der Dresdner Scheune vom Ende und dem Anfang unseres Lebens

Anna von Hausswolffs "Ceremony" ist ein Album über den Tod. Musik und Titel klingen so, als würde gerade eine Riege schwarzgekleideter Freunde und Verwandte ein Häufchen Erde aufs offene Grab werfen.

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Anna von Hausswolff: Sieht nicht so aus, beschäftigt sich aber schon mit dem Tod.

Quelle: PR

Wie schon bei "Singing from the Grave" (2010, Kning Disk) beschäftigt sich auch "Ceremony" (2012) in fast jedem Song mit dem Ende des Lebens, besitzt aber zugleich eine so feierliche Grundhaltung dazu, dass man dem Tod nichts Schlechtes abringen kann.

Die Orgel ist hier der Zeremonienmeister. Annas Vater ist Carl Michael von Hausswolff, ein angesehener Komponist und bildender Künstler, der erst kürzlich behauptete, ein Aquarell seiner aktuellen Ausstellung wäre mit Asche aus dem Ofen eines polnischen Konzentrationslagers gemalt.

Der Tod als familiäre Visitenkarte. Dass einer von Annas Mittelnamen Electra ist, schmückt das Bild der großen Vaterbindung aus - der Name gilt in der Psychologie des C.G. Jung als weibliches Pendant zu Ödipus. Aber letztlich ist es nur ein Name, den ihre Eltern vor 26 Jahren schick fanden. Es gibt ja noch Michaela und Ebba als weniger verfängliche, im Ganzen heißt sie dann Anna Michaela Ebba Electra von Hausswolff, was möglicherweise das intellektuelle Gegenstück zu Jaqueline-Chantalle Müller ist.

Das UK-Label City Slang störte der Name jedenfalls nicht, es nahm sie gerade bei sich auf, neben Künstlern wie CocoRosie, Lambchop oder Arcade Fire, und legt ihr zweites Album im Juni europaweit neu auf.Eigenwillig ist "Ceremony" in jedem Fall. Beim ersten Song, "Epitaph of Theodor", dröhnen die Glocken und die Orgel in Theordors ewige Ruhe hinein, als gäbe es kein Morgen, was es zumindest für ihn ja auch nicht gibt.

In "Deathbed", am Totenbett, stören dann schon mal ein paar Trommelschläge die Trauerfeier und nach fast fünf Minuten dringt eine helle, schrille Stimme zu uns durch. Man erkennt, warum Anna von Hausswolff als Kate Bush der Neuzeit beworben wird. Bis zur neunten Minute düstert und scherbelt der Song vor sich hin, dann klart er wieder auf - alles natürlich im künstlerischen Liegemodus. Eigentlich genügt "Deathbed", um die Intention der ganzen Zeremonie zu verstehen.

Dennoch war "Mountains Grave" die erste Singleauskopplung des Albums. Darin orgelt es rokokomäßig, dann schlägt sich endlich auch Rhythmus in die Lieder. "Goodbye" schaukelt sich später in einen psychedelischen Orgelstrudel und hat mehr von Enyas Bodenständigkeit als von Bushs Glamour.

Die Tonlage wird nach hinten raus immer etwas freundlicher, der Rhythmus wechselt und auch die Stimme bleibt nicht schrill, sondern ändert noch ein paar Mal Lage und Farbe. Dazu sparsame Gitarren, ein wenig Bass und immer wieder der sakrale Hall der Orgelpfeifen (große Teile des Albums wurden in einer Göteborger Kirche aufgenommen), als könnte man danach seinen Kirchensitz hochklappen und ein bisschen sanftmütiger in die Welt treten.

Laut Künstlerin sollte das Album keine lose Songsammlung werden, sondern eine Art Film, in dem alle Teile wie auf einem Faden aneinandergereiht sind, mit wechselnden Stimmungen und Orten. Spätestens "Funeral For My Future Children" klingt, als würde man über endlose Landstraßen fahren und am Horizont die Berge sehen.

Dort ist die Trauer verflogen. Das Album als Vereinigung des Menschen mit der Natur. "In dem Moment, wo wir den Mutterleib verlassen, begeben wir uns auf einen materialistischen Pfad voller destruktivem Verhalten und ich fühle, dass die Kluft zwischen dem Menschen und der Natur dieser Tage noch größer wird."

Mit "Ceremony" feiert sie das Leben, zu dem der Tod dazu gehört, weil er uns Mutter Erde zurückgibt. Die Platte bringt uns also mit jedem Song der Natur ein Stück näher. Und das schon zu Lebzeiten.

iDas Konzert von Anna von Hausswolff findet heute in der Scheune statt. Beginn ist 21 Uhr, Karten kosten im an der Abendkasse zwölf Euro. Im Anschluss gibt es einen DJ-Abend mit der Tempo 80 Lounge.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.04.2013

Juliane Hanka

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