Volltextsuche über das Angebot:

26 ° / 17 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
"Die Schneekönigin" als gelungene Kinderoper am Dresdner Heinrich-Schütz-Konservatorium

"Die Schneekönigin" als gelungene Kinderoper am Dresdner Heinrich-Schütz-Konservatorium

Kalt war's ja am Sonnabend. Schnee fiel reichlich. Und wer vielleicht etwas fröstelnd in den Saal an der Loge gekommen war, taute flugs im besten Sinne auf. Die Dresdner Kinder- und Jugendoper begeht ihr fünfjähriges Jubiläum und feiert natürlich mit einer Opernpremiere.

Voriger Artikel
Leidenschaft für Wagner und Strauss: Der Dirigent Wolfgang Sawallisch starb mit 89 Jahren
Nächster Artikel
Timm Thaler als halbmusikalische Show am Theater Junge Generation

Mit viel Gefühl: Kay (Victoria Popp, l.) und Gerda (Clara Swaboda).

Quelle: Frank Höhler

"Die Schneekönigin" nach Hans Christian Andersens Märchen komponierte Pierangelo Valtinioni für den Kinderchor der Komischen Oper Berlin, wo vor zwei Jahren auch die Uraufführung stattfand. Für die Hamburger opera piccola schuf der italienische Komponist eine Fassung, die auch in den Solistenpartien von Kindern und Jugendlichen aufgeführt werden kann. Diese Fassung gibt es jetzt in Dresden.

Im Wesentlichen hält sich die Opernhandlung an die des Märchens. Die Kinderfreundschaft von Kay und Gerda wird auf eine harte Probe gestellt. Kay folgt ganz operngemäß einem geheimnisvollen Klang, den nur er vernimmt. Es ist der Ruf der Schneekönigin, die hier eine Sehnsuchtsfiktion der Fantasie bleibt und als Person gar nicht auftritt. Gerda, wie im Märchen, gibt nicht auf. Das Mädchen macht sich auf den Weg, findet Verbündete und vor allem am Ende ihren Freund Kay. Zwei Reisen, zwei Wege, zwei gänzlich unterschiedliche Erfahrungen junger Menschen - und doch ein Ziel.

An die 50 Mitwirkende stehen auf der Dresdner Kinderopernbühne. Sie kommen aus dem Heinrich-Schütz-Konservatorium, vom Landesgymnasium für Musik "Carl Maria von Weber", von der Musikschule Sächsische Schweiz, vom St. Benno-Gymnasium, dem Gymnasium Klotzsche und von den Dresdner Kapellknaben. In der Inszenierung von Therese Schmidt beginnt die Reise im Kinderzimmer und führt auch dahin zurück. Da haben Anne Sevenich und Tina Strahl, die für Bühne und Kostüme verantwortlich zeichnen, im Verein mit Maskenbildnerin Pauline Späte dann auch ihre Fantasien im Übermaß spielen lassen. Ob auf dem Meer, in der Luft, im Blumengarten, zwischen Schneeflocken, am Hofstaat des kleinen Prinzen, unter Vögeln oder unter die Räuber gefallen - die Chorsolistinnen und Solisten in ihren unzähligen Rollen sind älteren und neueren Märchenbüchern, Filmen, TV-Serien, ja sogar dem Musical oder dem Kinderkanal für diese zauberhaften Augenblicke entwischt.

Wesentlichen Anteil am Gelingen dieser so überbordenden Inszenierung einer aus den Fugen geratenen Kinderzimmerwelt haben die choreografischen Vorgaben von Darina Umanskaja. Es ist gelungen, die Kinder und Jugendlichen so ins Spiel zu bringen, dass für keinen Augenblick unangemessene Verniedlichungen oder Kindereien die Poesie der Geschichte beschädigen könnten. Man kann der Geschichte gut folgen, auch wenn nicht immer der Text gänzlich zu verstehen ist. Wir sind ja in der Oper. Für die Solistinnen und Solisten gilt es, etliche Herausforderungen zu meistern. Sie tun's mit Bravour. Sei es in ariosen Gesängen, in Duetten, rezitativischen Passagen oder Ensembleszenen mit dem ganzen Chor.

Zum Gesang kommt das Spiel. Da ist die mutige und so unbeirrbare Gerda von Clara Swaboda, der träumerische Kay von Victoria Popp unter dem Einfluss der lockenden Vokalisen von Gloria Ebert als unsichtbare Schneekönigin. Sichtbar und präsent sind Ronja Winkler, Carolina Kipf, Irina Maslow als Großmutter, Blumenfrau und Räubermädchen. Prinzessin und kleiner Prinz sind Marlene Schädler und Henri Paeffgen. Miriam Beyerle ist die kluge Frau aus Lappland, einen Rabencharmeur spielt und singt Jakob Kunath, Sarah Lazik als Rabenfrau steht ihm nicht nach und Sven Bennert ist das so liebenswürdige wie hilfsbereite hungrige Rentier.

Pierangelo Valtinionis Komposition für recht großes Orchester stellt nicht gerade geringe Ansprüche. Sie ist der Melodik verpflichtet, manche Passagen klingen wie der Sound eines Films, dann sind wir in der Welt des Musicals und gleich darauf folgt ein stark rhythmisch bestimmter Exkurs in Gefilde exotischer Folklore.

Da spielt das Dresdner Jugendsinfonieorchester grandios mit im doppelten Sinne, denn die jungen Musikerinnen und Musiker sitzen auf der Spielfläche, links neben dem Geschehen. Dass wir auch ihnen zusehen, erhöht die Spannung sehr, weil sich so auch viel vom Geheimnis Oper vermittelt: dem Zusammenklang von Musik, Gesang, Worten, Spiel und vor allem der eigenen Fantasie. Das ist ein nicht zu unterschätzender "Nebeneffekt" einer solchen Anordnung.

Die beiden Dirigenten sind Studenten der Dresdner Hochschule für Musik. Zur Premiere steht Karl-Friedrich Winter am Pult. Hohe Konzentration ist seine Sache auf jeden Fall, dazu klare Zeichengebung und dann immer stärker der Mut zu dynamischer Akzentuierung.

Applaus und großer Jubel für das ganze Ensemble und auch für den Komponisten, der sichtlich angetan ist von dieser Interpretation seiner Oper. Regisseurin Therese Schmidt konnte den Applaus nicht entgegen nehmen, sie ist schon wieder an der Arbeit, in Riga studiert sie mit dem Ensemble der Lettischen Nationaloper Stefan Herheims Inszenierung von Wagners "Das Rheingold" von 2006 für den Rigaer Ring-Zyklus ein.

Und wer noch eine andere Kinderoper von Pierangelo Valtinioni kennenlernen möchte: An der Leipziger Oper wird gerade seine Oper "Pinoccio" einstudiert, Premiere ist am 16. März.

inächste Aufführungen: 28.2. 17 Uhr, 2.3. 18 Uhr, 3.3. 17.00 Uhr, jeweils "An der Loge", Bautzener Str. 19

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 25.02.2013

Gruhl, Boris Michael

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr