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Die Scheune Dresden hat jetzt eine Doppelspitze: eine Geschäftsführerin und einen neuen musikalischen Leiter

Die Scheune Dresden hat jetzt eine Doppelspitze: eine Geschäftsführerin und einen neuen musikalischen Leiter

Gut zwei Jahre ist es her, da nahm der Mann seinen Hut, der das musikalische Programm der Scheune seit 1999 bestimmte. Paul Simang öffnete das Kulturzentrum für internationale Musiker, er verdoppelte bis 2004 die Besucherzahlen auf mehr als 40 000. Aber das Lokale ließ er vor der Tür stattfinden.

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Marco Stahn ist neuer künstlerischer Leiter der Scheune.

Quelle: Uwe Hofmann

Ende des Jahres 2010, drei Jahre nach der Privatisierung zum Scheune e.V., verließ er das Haus. "Weil ich das Gefühl hatte, dass die Scheune eine konzeptionelle Erneuerung braucht und ich dafür nicht ausreichend motiviert war, (-), weil man eben kurz gesagt irgendwann aufhören muss, wenn es weitergehen soll." Seitdem fand der Job zwei Nachfolger, die recht zügig wieder gingen. Jetzt beginnt der Dritte, und der hat in Sachen Kompromissbereitschaft schon ordentlich Erfahrung gesammelt.

Marco Stahn war nämlich zehn Jahre lang Dorf-DJ in seiner Lausitzer Heimat Ossak (mit Schunkeln und Karneval), dann sieben Jahre in Chemnitz und versuchte dort, neben dem auferlegten Kulturstudium, der Subkultur einen kleinen Freiraum zu schenken. Seine Beta-Bar war eine entspannte Mischung aus Bar, Café, Mini-Club und Mitmachstation. Konzerte begannen nicht mit dem Sandmann, weshalb Stahn mit Beschwerden wegen Lärmbelästigung kämpfen musste. Auch war bald absehbar, dass es nicht genügend Menschen gab, die Musik jenseits des Mainstreams hören wollten oder regelmäßig genug ausgingen, und es gab ja noch ein paar andere Locations zum Hingehen. Der, der sich für die Kultur in Chemnitz einsetzte, fürs Bleiben, der packte schließlich seine Sachen und ging nach Berlin zu einer Musikagentur. Doch die Nachfrage nach osteuropäischen Künstlern, die er dort vertrat, war nicht übermäßig groß, und so bewarb er sich auf eine Anzeige in der Musikzeitschrift "Intro" auf die Stelle des künstlerischen Geschäftsführers der Scheune. Am 1. Januar, seinem 32. Geburtstag, trat er den Posten an. Er hat sich gegen 23 Bewerber aus ganz Deutschland durchgesetzt und ist nun eine Hälfte der neuen Doppelspitze aus künstlerischer und kaufmännischer Leitung, bei der sich beide gegenseitig beratend über die Schulter schauen.

Die im August 2012 zur Geschäftsführerin aufgestiegene Assistentin Romy Jähnig hat lange Erfahrung im Haus gesammelt und sich seit 2007 vom Praktikum über eine Projektassistenz bis nach oben gearbeitet. Sie wird Marco Stahn die Zahlen ins Gewissen rufen. Doch auch seine Tätigkeit, die gern mit dem Wort Booker beschrieben wird, geht über die reine Musikbeschaffung hinaus. Leif Greinus vom Vereinsvorstand zählt Personalentscheidungen und Pressearbeit zu seinem Aufgabengebiet. Die Idee der Verschmelzung der vormals getrennten Posten entstand mit dem Weggang vom bisherigen Geschäftsführer Magnus Hecht. "Wir suchten also jemanden, der beide Seiten kennt." Leif Greinus bedauert in diesem Zusammenhang den Weggang von Christian Meyer, der nach Paul Simang die Musiksparte übernahm und mit einer ganz eigenen Note durchzog. Doch der wollte zurück nach Leipzig. Für ihn kam im Herbst 2011 Markus Altmann, doch der erfüllte laut Vorstand die zusätzlichen Kriterien nicht.

Nun muss also Stahn dafür sorgen, dass alles rundläuft. Für ihn ist das normal. Er arbeite gerne konzeptuell, also über strikte Trennlinien hinaus. "Da ist es auch nicht so enttäuschend, wenn man die eine Band mal nicht kriegt." Offenheit wird denn wohl auch notwendig sein, denn richtige Vorgaben bekam er nicht, außer die, dass fast alles geht. Also schaut er sich nun von der Drum'n'Bass-Session bis zum Hardcore-Konzert alles an und entscheidet Schritt für Schritt, was er aufs eigene Parkett holt. Wie seine beiden Vorgänger im Booking-Geschäft, will auch Stahn die Nacht elektronisch verlängern. Bei ihm soll das Vorhaben schlicht "Scheune Club" heißen und vorerst einmal im Monat stattfinden. Zu Beginn lässt er am 9. Februar James Pants aus den USA einfliegen, im Anschluss legt das DJ-Trio The Moroders von der Dresdner Vereinigung Uncanny Valley auf.

Lokales und Internationales, die Mischung soll beibehalten werden. Auch die Vielfalt in den ergänzenden Veranstaltungsformaten wie Lesebühne, soziokulturelle Debatte, Scheune-Akademie oder Kinderfest soll bleiben. Denn dass es hier wahnsinnig viele Familien gibt, hat Stahn in seinen zwei Wochen als Dresdner schon gelernt, und darauf will er in irgendeiner Form eingehen. Mit der Band Prag zum Beispiel. Die sei, mit der Schauspielerin Nora Tschirner als Zugpferd, sowohl für Söhne als auch Mütter geeignet. Ein halbes Jahr Zeit gibt er sich, dann will er wissen, was funktioniert und was nicht.

Seinen Vertrag unterschrieb der Lausitzer für stolze drei Jahre. Das ist etwas Neues im Scheune-Betrieb, der sich sonst eher mit Jahresverträgen flexibel hielt. Passend dazu hat der städtische Kulturausschuss gerade eine dreijährige Förderungssumme von 139 000 Euro jährlich bewilligt, das sorgt für mehr Stabilität und Planungssicherheit. Nach zwei nervenaufreibenden Jahren sind alle optimistisch. Die Besucherzahlen unterstreichen das, es ging immer bergauf. 66 000 Menschen kamen im Jahr 2012, 11 000 davon allein zum Schaubudensommer. Diese Kultveranstaltung kennt Marco Stahn noch gar nicht, denn er war bisher nur zur BRN und für Konzerte in der Scheune zu Gast. Doch er will das alles kennenlernen und verstärkt mit anderen Institutionen zusammenarbeiten.

Dass auch Paul Simang damals genau an seinem Geburtstag in der Scheune als "Sachbearbeiter Programm" begann, vielleicht ist es ein gutes Omen für seinen Nachnachnachfolger.

Heute spielt Stahns erste Einbuchung, die Band Dangerous Person?, in der Scheune-Lounge. Beginn ist 21 Uhr. Tickets kosten im VVK 7 Euro.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 17.01.2013

Uwe Hofmann

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